Einsatzkräfte fahnden mit Großaufgebot im Grenzgebiet

Eine Hundertschaft von Polizei, Bundespolizei und Zoll ist am Donnerstag mit einer groß angelegten Kontrolle entlang der B 174 gegen Grenzkriminalität vorgegangen. Vor Ort ein Bild machte sich auch Sachsens Innenminister Roland Wöller - und gab ein großes Versprechen ab.

Reitzenhain.

Schon Hunderte Meter vor dem Grenzübergang wird das Tempolimit auf 30 Stundenkilometer reduziert. Autos und Lkw fahren in Kolonne auf der B 174 Richtung Tschechien. Vor der Einfahrt zum Parkplatz nimmt ein Polizist verdächtige Fahrzeuge von Weitem mit dem Fernglas ins Visier. Ein zweiter winkt mit der Kelle Fahrer aus dem Verkehr. Dutzende weitere Kollegen durchfilzen Autos, Transporter und Laster, überprüfen Ladung und Papiere.

Um die grenzüberschreitende Kriminalität zu bekämpfen und das Sicherheitsgefühl der Bürger zu stärken, haben Einsatzkräfte am gestrigen Donnerstag etwa fünf Stunden mit einem Großaufgebot rund um Reitzenhain gefahndet. Dabei kontrollierte eine Hundertschaft der Polizei mit Unterstützung der Bundespolizei, Bereitschaftspolizei und vom Zoll 129 Fahrzeuge und 218 Personen. Neben dem Grenzübergang wurde eine zweite Kontrollstelle an der Heinzebank in Richtung Chemnitz eingerichtet, erklärt Polizeisprecherin Jana Ulbricht. Zudem fahndeten zivile Streifen im Grenzgebiet.


Solche gemeinsamen Großkontrollen erfolgen im Erzgebirge mehrfach im Jahr, sagt Jana Ulbricht - 2019 bereits am Grenzübergang in Johanngeorgenstadt sowie in den Revierbereichen Annaberg und Aue. Diesmal also in Reitzenhain - allerdings ohne Kooperation mit den tschechischen Behörden. Einen einzigen Schwerpunkt gebe es dabei nicht, betont Ulbricht.

So suchte die Polizei etwa nach Diebesgut, Zollbeamte nach Waren wie Zigaretten, Alkohol, Betäubungsmitteln, Pyrotechnik und sogar nach artgeschützten Tieren. "Typische Schmugglerzeiten gibt es dabei nicht", erklärt Guido Wollenhaupt, Sprecher vom Hauptzollamt Erfurt. Seine Kollegen unterzogen auch einen polnischen Lkw einer Kontrolle. Einer durchsuchte das Fahrerhaus, ein anderer überprüfte die Ladung. "Früher haben wir dafür Teleskopstangen verwendet. Heute helfen uns Radarflexgeräte, die auch Hohlräume erkennen", erläutert Wollenhaupt.

Die Bundespolizei wiederum kämpft in Reitzenhain aktuell vor allem mit dem Problem der illegalen Einreise. "2019 haben wir bereits 200 Personen festgestellt. Bei den unerlaubt Einreisenden handelt es sich hauptsächlich um Moldauer, aber auch um Menschen aus Serbien und der Ukraine", legt Sprecherin Anett Bochmann dar. Werden unerlaubt Eingereiste aufgegriffen, erfolgt die Übergabe an die tschechischen Kollegen, ergänzt Inspektionsleiter Oliver Scharun. "Die Zusammenarbeit funktioniert wunderbar", betont der 51-Jährige.

Am Donnerstag blieb es ruhig in Sachen illegale Einreise. Auch die griffbereiten Kabelbinder wurden von den Polizisten nicht benötigt. Die Einsatzbilanz lautet: zwei Straftaten, sechs Verkehrsordnungswidrigkeiten und mehrere steuerrechtliche Verstöße. Bei einem Audi-Fahrer stellten die Einsatzkräfte einen illegalen Böller sicher. Gegen den 55-Jährigen wurde Anzeige wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz erstattet. Zudem zog eine Zivilstreife eine Audi-Fahrerin unter Drogeneinfluss aus dem Verkehr. Dabei fanden die Beamten mehrere Cliptütchen mit Betäubungsmitteln. Bei den Großeinsätzen gehe es nicht nur darum, Straftaten aufzudecken. "Wichtig ist auch, Präsenz zu zeigen", hebt Jana Ulbricht hervor.

Davon machte sich ebenso Sachsens Innenminister Roland Wöller vor Ort ein Bild. Am Grenzübergang in Reitzenhain suchte der CDU-Politiker das Gespräch mit den Einsatzkräften. Anschließend folgte eine Konferenz in Großrückerswalde, um mit Bürgermeistern und Behördenvertretern über die sicherheitspolitische Lage der Grenzregion zu sprechen. Dabei gab Wöller ein großes Versprechen ab: die Aufstockung der Einsatzkräfte. Von den Bürgermeistern sei die Polizeistärke als Problem angesprochen worden, erklärte der Landtagsabgeordnete Jörg Markert. Wöller sagte zu, dass von den 1000 zusätzlichen Polizisten für Sachsen auch das Marienberger Revier profitieren soll. Zudem könnte zur Bekämpfung der Grenzkriminalität das bisherige Einzugsgebiet der Bundespolizei von 30Kilometern erweitert werden.

Vom schlechten Hygienezustand an der Grenze konnte sich Wöller hingegen nicht überzeugen. Seit geraumer Zeit gleichen die Lkw-Stellflächen einer Müllkippe. Pünktlich vor dem Ministerbesuch wurden zumindest die Parkplätze Richtung Tschechien gereinigt.

Bewertung des Artikels: Ø 1.5 Sterne bei 2 Bewertungen
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...