Erdkröten-Retter bekommen in diesen Tagen viel zu tun

Die Helfer bringen die Amphibien in Rübenau nicht nur sicher zum Teich, sondern führen auch Statistik. Und die ist besorgniserregend.

Rübenau.

Arbeitsreiche Wochen liegen hinter den Mitgliedern des in Rübenau ansässigen Vereins Natura Miriquidica, der sich vielfältig für den Schutz und den Erhalt der Erzgebirgsnatur und der regionalen Artenvielfalt einsetzt. Seit sechs Jahren gehört zu diesem Engagement eine etwa 400 Meter lange Amphibienleiteinrichtung - umgangssprachlich als Krötenzaun bezeichnet - entlang der Straße zwischen Reitzenhain und Satzung.

"Wir bekamen damals viele Hinweise auf eine starke Krötenwanderung in dem Bereich", erinnert sich der Vereinsvorsitzende Kay Meister. Viele der Tiere bezahlten den Versuch, vom Winterquartier im Wald zum nahe gelegenen Floßteich zu gelangen, mit dem Leben. Das war für die Vereinsmitglieder Anlass genug, die künstliche Sperre zu errichten. "Wir mussten schnell handeln. In Abhängigkeit von Temperatur und Feuchtigkeit beginnt bei Erdkröten im März oder April die Wanderung zu den Laichplätzen. Das dauert dann etwa vier bis sechs Wochen", erklärt Kay Meister.

In dieser Zeit kontrollieren die Naturschützer täglich die entlang des Zaunes im Abstand von rund zehn Metern in den Boden eingelassenen Eimer. Die darin befindlichen Erdkröten können auf diese Weise sicher zu ihrem Laichgewässer transportiert werden. Bei dieser Aktion haben die Vereinsmitglieder eine Zählung vorgenommen, die nun interessante Einblicke in die Entwicklung der Erdkrötenpopulation bei Reitzenhain zulässt. "In der Zeit der jetzt zu Ende gehenden Wanderung haben wir 1400 Kröten gezählt", berichtet Kay Meister. Einmal waren sogar 420 Tiere in die Eimer gegangen - der bislang höchste Wert an einem Tag. Insgesamt verzeichnet der Diplom-Biologe allerdings seit dem Jahr 2018 einen jährlichen Rückgang.

Vom Beginn der Erhebung 2015 bis zum Jahr 2017 stieg die Population an, erreichte mit mehr als 2700 Tieren ihren Höhepunkt. Seither geht der Bestand in und um den Floßteich zurück. Dafür können Kay Meister zufolge mehrere Faktoren eine Rolle spielen. Zunächst sind die vergangenen trockenen Jahre schlecht für Amphibien. Ebenso das Insektensterben. Zählen Insekten doch zur Hauptnahrung der Erdkröten. Zugleich dezimiert die Bewirtschaftung von Wald und Flur im Bereich der Winter- und der Sommerquartiere die Bestände. Nicht zuletzt vermutet der Biologe, dass den Kröten aus Übersee eingeschleppte Krankheiten zusetzen. "In Sachsen gibt es 18 Amphibienarten. Drei davon, dazu gehört die Erdkröte, stehen nicht auf der Roten Liste der bedrohten Arten. Soweit darf es aber auch gar nicht erst kommen", sagt Kay Meister. Der vom Verein Natura Miriquidica betreute Krötenzaun bei Reitzenhain verringert zumindest die tödliche Gefahr, die für die Amphibien vom Straßenverkehr ausgeht. "In den nächsten Jahren werden wir unsere Dokumentation fortsetzen und sehen, ob sich die Population erholt, wenn es zum Beispiel wieder mehr Niederschläge geben sollte", sagt Meister.

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