"Friederike" hinterlässt in der Region deutliche Spuren

Umgestürzte Lkw, entwurzelte Bäume, Schüler aus Sicherheitsgründen zeitig auf dem Weg nach Hause - das prognostizierte Sturmtief hat gestern das mittlere Erzgebirge mit Wucht getroffen. Die tatsächlichen Auswirkungen werden sich wohl erst heute und in den nächsten Tagen zeigen.

Marienberg/Zschopau.

Der zeitweise blaue Himmel schien gestern zunächst alle Vorhersagen Lügen zu strafen - bis es gegen Nachmittag dann doch heftig stürmte. Tief "Friederike" rauschte über die Region und hielt die Menschen in Atem. Vor allem Polizei und Feuerwehr.

Der Straßenverkehr: Auf der Bundesstraße 174 in Großolbersdorf wurde der Polizei ein umgefallener Lkw mit Anhänger gemeldet, der die Fahrbahn komplett blockierte. Der Verkehr ist deshalb zeitweise über einen Parkplatz geleitet worden. Insgesamt gab es im Bereich der Polizeidirektion Chemnitz bis 17 Uhr mehr als 50 Meldungen von Ereignissen, die mit dem Sturm in Zusammenhang standen.

Die Bahn: Die Erzgebirgsbahn hatte bereits am frühen Nachmittag erste Sicherheitsvorkehrungen getroffen: Vorsorglich wurde die Geschwindigkeit aller Züge auf 50 Kilometer pro Stunde begrenzt, sagte Sprecher Lutz Mehlhorn im Gespräch mit der "Freien Presse". "Wir behalten die Situation weiter im Auge", kündigte Mehlhorn an. Gegen 16.30 fiel dann die Entscheidung: Der Streckenverkehr wird aufgrund der Gefahrenlage ganz ausgesetzt. Wie lange der Stopp anhalten soll, konnte Mehlhorn noch nicht abschätzen. Er verwies aber darauf, dass die Sperrung gestern wohl bestehen bleibe und der Betrieb danach "abhängig von der Witterung" wieder aufgenommen werde.

Die Feuerwehr: Die Feuerwehren waren gestern zu zahlreichen Einsätzen unterwegs. Laut Gunnar Ullmann, der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbandes Erzgebirge, mussten die Kameraden vor allem Häuser sichern und umgestürzte Bäume beseitigen. In Gelenau etwa mussten neun Feuerwehrleute kurz nach 15 Uhr gleich zweimal ausrücken. Erst war am Louis-Riedel-Weg (Plattenweg) ein umgestürzter Baum zu beseitigen, danach an der Bundesstraße 95 sogar insgesamt acht umgewehte Fichten, die für rund eineinhalb Stunden die Bundesstraße zwischen Gelenau und Burkhardtsdorf blockierten. "Eine markante Stelle", schilderte der Gelenauer Wehrleiter Stefan Köhler. "Wenn es heftig weht, stürzen dort jedes Mal Bäume um." Danach wurden nach Anrufen von Bürgern weitere Bäume begutachtet, die umzustürzen drohten.

Die Feuerwehren Zöblitz und Rübenau sind kurz nach 16 Uhr zum Einsatz gerufen worden. Zwischen Ansprung und Rübenau waren Bäume auf die Straße gestürzt. Die etwa 20 Einsatzkräfte mussten diese wegräumen. Schon auf der Anfahrt zum Einsatzort lag ein kleinerer Baum auf der Fahrbahn, den die Zöblitzer rasch zersägt und weggeräumt hatten. Der Zöblitzer Wehrleiter Marko Hirsch ärgerte sich dabei über Beleidigungen eines Autofahrers, die er über sich ergehen lassen musste. Dieser hatte die Absperrung der Feuerwehr ignoriert.

Die Schulen: Zschopaus Schulen gingen gestern auf Nummer sicher. Wie in zahlreichen anderen Bildungseinrichtungen der Region sind Schüler aus Sicherheitsgründen bereits um die Mittagszeit nach Hause geschickt worden. In der August-Bebel-Oberschule etwa hatten die Schüler ab 12.15 Uhr "sturmfrei". "Wir wollten unsere Schüler nicht gefährden. Sollte der ganz gr0ße Sturm dann doch ausbleiben, ist es auch nicht so schlimm. Sicherheit geht vor", sagte die stellvertretende Schulleiterin Steffi Kraus. In Marienberg wurde entschieden, dass alle Schulen in Trägerschaft der Stadt den Unterricht eher beenden, teilte Oberbürgermeister André Heinrich mit. Gegen 11 Uhr erreichte die Bildungseinrichtungen ein Fax vom Schulamt. Demnach sollte jede Einrichtung eigenständig entscheiden, ob Unterricht ausfallen soll.

In Seiffen hatte Grundschulleiterin Andrea Ihle Vorbereitungen getroffen. Gestern haben die Kinder einen Elternbrief mit nach Hause bekommen, den Ihle nach Informationen von Landesschulamt und regionalen Verkehrsbetrieben aufgesetzt hat. Darin sind "Regeln für wetterbedingte Ausnahmesituationen" zusammengefasst: Kommt am Morgen kein Bus, sollen Schüler nach 25 Minuten Wartezeit zurück nach Hause gehen. Fällt der Bus am Nachmittag aus, sollen sie in der Schule bleiben. Zudem habe Ihle die Eltern auf eine Notfallrufnummer hingewiesen. Zudem verweist Ihle darauf, dass Eltern in Gefahren- oder Notsituationen selbst entscheiden können, ob sie die Kinder zu Schule schicken oder nicht. (mit jag/mär)

Sturmtief "Friederike" wütet in Sachsen - Der Ticker zum Nachlesen

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