Glosse : Meteorstrom im Steinkreis

20 bis 30 rasende Lichtpunkte am Nachthimmel über Pockau! Die Nachricht schlug ein wie eine Rakete. Beim Luftfahrtamt der Bundeswehr waren alle Telefonleitungen belegt. Unruhe machte sich breit wegen der mysteriösen Beobachtung am späten Samstagabend. Ufos? Tarnkappenbomber in Kampfformation? Sternschnuppen? Ein Meteorstrom gar, der aufs Erzgebirge zurast? Ein Kegelfreund gab Entwarnung: Es habe sich um eine (LED-)Lichterkette gehandelt, die an der neuen Kegelbahn in Lengefeld gestartet wurde und dann blinkend in Richtung Pockau gezogen ist. Vor einiger Zeit hatte etwa 30 Kilometer flussabwärts ein ominöser Steinkreis für ähnliche Aufregung gesorgt. Ein Physiker hatte im Lichtenwalder Parkwald 44 Granitblöcke zu einem zwölf Meter großen Steinkreis mit einem Kreuz in der Mitte aufgestellt. Als Sehenswürdigkeit - ohne jegliche mystische Bedeutung, betonte der Wünschelrutengänger. Doch am "Klein-Stonehenge", wie der Kreis in Anlehnung an das Original genannt wurde, schieden sich die Geister. Ein ortsansässiger Völkerkundler, der auf der Lichtung Schamanenseminare abgehalten hatte, behauptete, dass die Steine seinen "geoenergetischen Kraftplatz" zerstört hätten und von ihnen eine bösartige Wirkung auf die Umgebung ausgehe. Ein Radioniker aus der Schweiz soll die "fatale Ausstrahlung" des Steinkreises sogar in Zürich gemessen haben. Nachdem die ursprünglich aus einem restaurierten Gebäude stammenden Granitblöcke quasi über Nacht aus dem Wald verschwanden und lange unauffindbar waren, stehen sie mittlerweile in Blockhausen, wieder im Kreis - ohne Kreuz, dafür mit Tor, unter dem Brautpaare den Bund fürs Leben schließen.

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