Installation aus Wörtern regt zum Nachdenken an

Von Absicht bis Zukunft: Im Marienberger Amtsgericht warten auf die Angeklagten, Zeugen und anderen Gäste viele Begriffe. Nicht auf dem Papier, sondern an den Wänden.

Marienberg.

Rund 100 ovale Tafeln sollen die Angeklagten, die Zeugen, die Besucher sowie die Richter zum Nachdenken anregen. Um die 100 Wörter geben im neuen Zwischenbau des Marienberger Amtsgerichtes unterschiedliche Anstöße. Handeln, Lösen, Retten, Schützen, Trost, Tragen, Vergeben, Zukunft und viele mehr sind zu lesen. Aber auch Wörter wie Lügen, Not, Ohnmacht, Schmerz, Zorn und Zweifel. Gestaltet hat das Werk der Chemnitzer Künstler Frank Maibier.

Das Hauptaugenmerk sei auf einen positiven und nachhaltigen Inhalt gelegt worden, erklärt Maibier. So könnten sich Begriffe wie "Verzeihen" bei den Besuchern einprägen und zu einer Gedankenstütze werden. Auch auf das Material legte er besonderen Wert. Die Tafeln bestehen aus Acrylglas und spiegeln das einfallende Licht. Zudem sollen sie es verstärken, ähnlich einer Linse.

"Das Kunstwerk bringt die Menschen zum Nachdenken über ihr Verhalten, und es passt zum Gericht", sagt Joachim Herrmann, Leiter des Amtsgerichts. Acht Entwürfe waren eingereicht worden. Darunter zum Beispiel Seidenmalerei und ein Werk aus drei Säulen. Ein Auswahlgremium, in dem unter anderem Vertreter des Freistaates, des Chemnitzer Künstlerbundes und des beauftragten Architekturbüros saßen, befasste sich mit den Ideen. Letztlich fiel die Wahl auf Frank Maibier, auch weil sich sein Werk sehr gut in den Zwischenbau einfügt und ihn ergänzt. Christoph Pietryka findet ebenfalls lobende Worte. Er ist der stellvertretende Direktor des Amtsgerichtes und dort auch in der Mediation tätig. Die Streitenden setzen sich dabei gemeinsam an einen Tisch und versuchen sich mithilfe von höflichen und ehrlichen Gesprächen zu einigen. "Am Ende steht oft ein Vergleich", sagt Pietryka. Auch dies spiegelt sich im Kunstwerk wider mit Worten wie Anstrengen, Befrieden, Fügen, Gemeinsam, Klären und Versuch.

18.000 Euro hat die Wortinstallation laut dem Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) gekostet. Neben den Kosten wurde vorgegeben, dass das Werk für den öffentlichen Raum bestimmt ist. Außerdem mussten der Brandschutz und die Sicherheit beachtet werden. "Es war ausdrücklich erwünscht, dass den Künstlern in der Art der Kunst ein kreativer Freiraum gelassen wird", verdeutlicht SIB-Sprecherin Andrea Krieger. Der Freistaat wolle die zeitgenössische Kunst fördern. Daher sind laut einer Richtlinie des Landes Sachsen bei Baumaßnahmen, die mehr als eine Million Euro kosten, in der Regel entsprechende Leistungen zu vergeben. Der Wert liegt zwischen 0,4 sowie 2 Prozent der Bauwerkskosten.

In das Amtsgericht waren etwa 5,3 Millionen Euro investiert worden. Von dem Geld entstand unter anderem der moderne Zwischenbau. Dank der Ausgaben konnten die Standorte Marienberg und Annaberg-Buchholz zusammengelegt werden. 75 Mitarbeiter sind derzeit am Gericht tätig.

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