Pockauer fertigen Pforte für das Dresdner Lingnerschloss

Historie und Moderne gehen bei der großen Tür Hand in Hand. Für die Tischlerei war dies unterdessen nicht die erste Arbeit für den Förderverein.

Pockau.

Peter Kleditzsch von der Tischlerei Schönherr in Pockau hat einen außergewöhnlichen Auftrag gemeistert. Er gestaltete in rund 300 Stunden die Pforte samt Oberlicht für das Dresdner Lingnerschloss neu, das mittlere der drei Schlösser am Loschwitzer Elbhang.

Auf den ersten Blick handelt es sich um eine große Tür mit einem Fenster, dem Oberlicht. Doch der Schein trügt. Metall, Glas und Holz sind aufwendig verarbeitet. Die aus zwei Flügeln zu je 120 Kilogramm bestehende Pforte ist samt Oberlicht 4,40 Meter hoch und 2,10 Meter breit. Die Türklinken befinden sich fast in Blickhöhe auf 1,50 Meter. Die Klinke wurde nach historischen Vorgaben in Sachsen neu gegossen. Morgen wird die Pforte in das Lingnerschloss eingebaut.

Die Residenz des einstigen Odol-Mundwasser-Erfinders und -produzenten Karl August Lingner, ein spätklassizistisches Bauwerk, wird seit 2002 saniert. Unterhalten wird die Villa von einem Förderverein. Erbaut wurde sie 1850 bis 1853 im Auftrag des Prinzen Albrecht von Preußen.

"Das Schwierige bei diesem Auftrag war die Vereinigung des historischen Erscheinungsbildes mit den Anforderungen der modernen Technik", erläutert Peter Kleditzsch. Pforte und Oberlicht bestehen aus massiver deutscher Eiche. "Der geforderte Goldton ist dank des getönten Öls sehr gut herausgekommen", freut sich Firmeninhaber und Handwerksmeister Jens Schönherr. Wie teuer die Pforte ist, verrät er nicht - nur soviel: Sie ist ist soviel wert wie ein neuer Kleinwagen. Die alte Tür wurde über die Klinke nur einmal verriegelt. Heute werden vier Riegel bewegt. "So schließt die Pforte dichter, und sie dämmt die Wärme besser", so Peter Kleditzsch.

Eine besondere Herausforderung stellte für ihn die Fertigung der Sprossen im Oberlicht dar. "Das war wie beim Zusammensetzen eines Mosaiks", sagt er. Das verarbeitete Glas vereint moderne Technik mit historischem Erscheinungsbild. Dabei wurden Sicherheitsglas und mundgeblasenes Glas eingesetzt. Letzteres weist authentische Schlieren und Luftblasen auf, wie zurzeit der Entstehung des Lingnerschlosses üblich.

Die Zeichnungen für diesen Auftrag entstanden nicht nur am Computer. Jens Schönherr fertigte dafür einen Brettaufriss, eine auf ein großes Brett übertragene Zeichnung. "Das war früher gang und gäbe. Der Denkmalschutz legt heute noch wert darauf", so der Handwerksmeister. Aufträge wie diesen bekommt die Pockauer Firma nicht jeden Tag. Allerdings hat das Unternehmen mit acht Mitarbeitern bereits die Fenster für das Lingnerschloss saniert.

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