Statt Mineraliensuchern sollen Ausflügler angelockt werden

An der alten Sommerhalde bei Wolkenstein suchen Sammler nach Amethyst und Baryt. Die Grabungen hinterlassen unschöne Spuren - und sind gefährlich. Deshalb soll damit jetzt Schluss sein. Dafür gibt es zwei Ideen.

Wolkenstein.

Die Aussicht ist reizvoll: Ins Tal gebettet liegt Wolkenstein, am Horizont Pöhlberg, Keilberg, Bärenstein. Weniger reizvoll ist der Anblick der Anhöhe selbst: Steinhaufen und Erde ziehen sich über die Kuppe und die Hänge ins Wäldchen hinunter. Rund um den Aussichtspunkt am alten St.-Johannes-Tageschacht verwüsten Hobby-Mineralienjäger die Landschaft auf der Suche nach Amethyst und anderen Mineralien. Auch im Wolkensteiner Stadtrat waren diese Grabungsaktivitäten schon Thema. Bürgermeister Wolfram Liebing habe selbst mehrfach Sammler dabei erwischt, wie sie sich tief ins Erdreich gewühlt haben. Das sei nicht nur unschön, sondern auch gefährlich: Bald werde wohl die Aussichtshütte einfallen, sagt Liebing - nur halb im Scherz. Seine Idee: Erde aufschütten und begrünen.

Etwas ganz anderes möchte Anja Riedel, Leiterin des Wolkensteiner Gästebüros. Kopfschüttelnd betrachtet sie die Spuren der Mineralienjäger. Sie sei eine Weile nicht mehr am Aussichtspunkt gewesen und erstaunt über das Ausmaß der Grabungen. Unter Sammlern ist die Gegend kein Geheimtipp: In mehreren Mineralienlexika ist sie verzeichnet. Bis vor einigen Jahren gab es geführte Mineralien-Wanderungen zur alten Sommerhalde, in der Umgebung wurde im 15. Jahrhundert Amethyst abgebaut. Mittlerweile ist die Sammelfreude scheinbar in -wut umgeschlagen. "Hier waren mal Stufen" - Riedel deutet auf den Hang, wo nur noch Erde zu sehen ist. "Die Leute müssen mit kleinen Baggern angerückt sein, das Wurzelwerk kann man nicht mit der Hand umgraben."

Riedel möchte den alten Schacht am Aussichtspunkt freilegen und als technisches Denkmal sanieren lassen. Dazu habe sie Kontakt mit dem Oberbergamt (OBA) in Freiberg aufgenommen, das für den Schacht verantwortlich ist. Das OBA könne sich eine Nutzung des Schachtes als "bergbauhistorisches Schauobjekt" vorstellen, teilt Sprecher Bernhard Cramer mit. Konkrete Pläne gebe es nicht. Zuerst müsse sich ein Verantwortlicher finden, der als Nachnutzer die Instandhaltung übernimmt, die Stadt Wolkenstein zum Beispiel. Der Kontakt zum OBA bestehe allerdings schon seit etwa 20 Jahren - so lange trägt Anja Riedel die Idee mit sich herum. Zustande kam das Projekt ihres Wissens nach nicht, weil die Stadt die nötigen Eigenmittel nicht aufbringen konnte. Wolfram Liebing, seit 2013 Bürgermeister, liegen dazu keine Informationen vor. Er sei von der Idee angetan, müsse aber die Höhe der Instandhaltungskosten mit OBA und Stadtrat besprechen. Mehr als 100 Meter führt der St.-Johannes-Tagesschacht in die Tiefe. Zwischen 1538 und 1797 - mit Unterbrechungen - wurde dort Silbererz gefördert. Nach dem Zweiten Weltkrieg suchte die Wismut nach Uran, das Vorkommen war jedoch nicht lohnenswert. Also wurde der Schacht provisorisch abgedeckt, das Gelände mit Stacheldraht umzäunt.

Das Provisorium hielt bis 2005 - dann ließ das OBA schwere Betonplatten darüberlegen. Ein paar Zaunpfähle stehen noch. Unscheinbar liegt die Betonplatte in einer Senke neben dem Weg. Darunter verbirgt sich eine Natursteinausmauerung mit überspringenden Bögen - eine seltene Bauweise bei Schächten dieser Art, so Anja Riedel. Ein Gitter oder eine Glasplatte könnte die sichtbar machen. Den Rest des Geländes müsse man mit Muttererde neu formen. Anja Riedel hofft, dass die Mineraliensammler ihre Grabungsaktivitäten dann einstellen und stattdessen den Ausblick über und unter Tage genießen.

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