Wenn der böse Wolf gar nicht böse ist

Das Rock-Musical "Grimm" hat am Sonntag Premiere im Eduard-von-Winterstein-Theater und stellt die Märchenwelt gehörig auf den Kopf.

Annaberg-Buchholz.

Am Sonntag wird sie endlich erzählt: "Die wirklich wahre Geschichte von Rotkäppchen und ihrem Wolf" - auf der Bühne des Eduard-von-Winterstein-Theaters in Annaberg-Buchholz. Dort hat an diesem Abend das Rock-Musical "Grimm" Premiere.

Aufgeschrieben hat die Geschichte vor einigen Jahren Autor Peter Lund - als Auftragswerk für das Kinder- und Jugendtheater in Graz, wo das Stück auch im Dezember 2014 seine Uraufführung erlebt hat. Dabei hat er zusammen mit dem Komponisten Thomas Zaufke die alten Märchen nicht etwa so rigoros gegen den Strich gebürstet, weil er sie für nicht mehr zeitgemäß hält. Vielmehr geht es ihnen um den "wahren Kern" der Geschichten: "Als ich mir für das Stück alle Märchen, in denen der böse Wolf vorkommt, noch einmal durchgelesen habe, habe ich mir vorgestellt, was wäre, wenn der böse Wolf gar nicht böse ist", erzählt Peter Lund. "Und plötzlich hatten alle Märchen einen neuen wahren Kern." Für ihn eine wichtige Arbeitsmethode: "alles, was wir zu kennen glauben, noch einmal neu anzugucken". Das halte den Kopf wach. Und ähnlich verfahre auch Komponist Thomas Zaufke: "Er nimmt vertraute Klänge, aber er benutzt sie ganz anders, als wir sie gewohnt sind." Also lebt Dorothea, die ihren Spitznamen Rotkäppchen aus Kindertagen längst satt hat, in einem Dorf direkt am Wald. In dem haust angeblich der böse Wolf. Alle Dorfbewohner berichten von schlechten Erfahrungen mit ihm: Mutter Geiß mit ihren sieben Kindern, die drei Schweinchen, der alte Hofhund Sultan und sein Sohn Rex. Doch Dorothea hat den Wolf noch nie gesehen und will das ändern. Und siehe da: Der junge Wolf namens Grimm ist nicht nur nicht böse, sondern ausgesprochen nett, gutaussehend und sehr interessant. Dorothea nimmt ihn kurzerhand mit ins Dorf, um allen Gerüchten endgültig ein Ende zu setzen. Allerdings scheinen sich die Dorfbewohner gar nicht von ihren Vorurteilen verabschieden zu wollen.

Gänzlich unbekannt ist der gebürtige Flensburger, der seit 1987 als freischaffender Regisseur und Autor in Berlin lebt, dem hiesigen Theaterpublikum allerdings nicht. Denn er hat auch schon das Kinderstück "Hexe Hillary geht in die Oper" geschrieben, das mit großem Erfolg im heimischen Theater gespielt wurde - einschließlich der Fortsetzung "Hexe Hillary und der beleidigte Kontrabass". Dabei ist Peter Lund fest davon überzeugt, dass alle guten Kinderstücke auch etwas für Erwachsene sind.

Das Rock-Musical "Grimm" hat am Sonntag im Eduard-von-Winterstein-Theater Premiere. Die Vorstellung beginnt 19 Uhr.

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