8000er-Blockline: Drei Runden Sehnsucht, Freiheit, Abenteuer

Bereits ab 2019 soll die neue Route Mountainbiker ins Osterzgebirge locken. Den Machern schwebt eine Route für sportliche Familien mit Kindern vor. Die Hoffnungen sind immens. Die Hürden auch.

Friedebach.

Nichts weniger als eine Initialzündung für den Aktivtourismus im Osterzgebirge erhoffen sich die Initiatoren rund um den Tourismusverband Erzgebirge von der geplanten Mountainbikestrecke "8000er-Blockline". Das zeigte sich nun bei einem Treffen im Hotel "Kreuztanne" in Friedebach, bei dem Tilman Sobek und Stephan Grapentin von der Leipziger Agentur Absolut GPS den Projektstand vorstellten.

Den Experten zufolge birgt eine "Abenteuerstrecke für sportliche Familien mit Kindern ab acht Jahren" die größten Chancen. Agenturchef Sobek versprach ein "Alleinstellungsmerkmal in Europa". Der Name der Route kommt vom Walderlebniszentrum "Blockhausen" und 14 Bergen mit mehr als 8000 Dezimetern (800 Metern) Höhe. Bereits 2019 soll sie eröffnet werden.

Dabei steht die Strecke im Detail noch immer nicht fest - aber es gibt einen Entwurf. Danach sollen Mountainbiker das Osterzgebirge auf drei sogenannten Loops, also Schleifen, erkunden können. Die erste führt durch die Region Altenberg-Hermsdorf. Sie ist 62 Kilometer lang und erklimmt 1300 Höhenmeter. Loop zwei leitet die Radler in die Gegend um Frauenstein, Mulda, Dorfchemnitz, Cämmerswalde und Holzhau. Die Länge beträgt 56 Kilometer, dabei sind 1000 Höhenmeter zu bewältigen. Runde drei führt hinüber nach Neuhausen und Seiffen, ist 55 Kilometer lang und hat 1200 Höhenmeter Aufstieg im Angebot. Ambitionierte können die Schleifen zu einer großen Runde verbinden.

All das soll eine Zielgruppe ansprechen, die aufgeschlossen ist, bei der Reisen in fremde Länder sowie Naturerlebnisse hoch im Kurs stehen. "Das sind Menschen, die man nicht unbedingt auf Kreuzfahrtschiffen findet", sagte Sobek. Ihre Sehnsuchtsorte heißen Australien, Neuseeland und Kanada, nun aber sind Familien gegründet und die Studententage Vergangenheit. Mit seiner Natur, seiner Landschaft, seiner Tier- und Pflanzenwelt kann das Osterzgebirge dieses "freiheitliche Lebensgefühl" befriedigen, versichert Sobek. Das zeige die Erfahrung mit der Mountainbike-Route Stoneman Miriquidi im Westerzgebirge.

Der Stoneman gilt als Quantensprung. "Immer wieder werden die Erwartungen der Radler an die Landschaft deutlich übertroffen", berichtet Sobek. Wobei die sportlichen Ansprüche dort deutlich höher sind als bei der Blockline, einer "Einsteiger-Route", tauglich auch für E-Bikes.

In jedem Fall sportlich sind die weiteren Aufgaben: Ausschilderung der Blockline, dazu Aufbau einer fahrradfreundlichen Infrastruktur an der Route mit Rastplätzen, Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten, mit Service-Stationen sowie schließlich Aufbau der Internet-Seite sowie Informationsmaterial - all das soll nächstes Jahr fertig sein, beschwört TVE-Geschäftsführerin Veronika Hiebl. Um das Projekt weiter zu tragen, haben sich die beteiligten Orte unter Federführung der Stadt Frauenstein zusammengetan. Obgleich auch nach dem Abschluss der ersten Projektphase Förderung über das Leader-Programm winkt, müssen die Orte 120.000 Euro vorschießen, schätzt Frauensteins Bürgermeister Rainer Hentschel (parteilos). Finanziell auf Rosen gebettet ist dabei weder seine Stadt noch eine der Nachbarkommunen. Die größte Herausforderung wartet zuerst: Die Festlegung der Strecke. Die könnte knifflig werden, denn die Grundstückseigentümer müssen zustimmen. Der Sachsenforst kündigte zu einzelnen Abschnitten bereits Gesprächsbedarf an. Bisher konnte aber noch niemand ermitteln, welche Privatgrundstücke der Streckenvorschlag der Leipziger Agentur tangiert. Die Bürgermeister wollen das nun so schnell als möglich angehen und dann auch mit den privaten Besitzern ins Gespräch kommen.

Iris Gläser ist zuversichtlich, dass die Streckenführung gelingt. Auf die Idee der Holzhauer Hotel-Chefin geht die ganze Strecke zurück. Was die Leute von Absolut GPS bis jetzt schon aus dieser Idee gemacht haben, sei sehr beeindruckend, sagt sie. Und die Strecke sei wirtschaftlich sehr wichtig für die gesamte Region. Das werde viele Waldbesitzer für die Blockline einnehmen, glaubt Iris Gläser. "Es geht darum, ob wir unsere Infrastruktur auch für uns und unser Leben aufrecht erhalten können", sagt sie. "Ob es hier weiter Bahn, Bus, Einkaufsmöglichkeiten gibt. Oder hier in ein paar Jahren die Lichter ausgehen."

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