Auto-nom

Hier steht, was wirklich wichtig ist. Heute: Wer die Hände am Lenkrad hat, kann nicht damit in der Nase bohren.

Große Ereignisse rollen heran. Eine Revolution im Schienenverkehr, wo würde man die erwarten? Richtig. Auf der Regionalbahnstrecke zwischen Annaberg-Buchholz und Schwarzenberg. Die schon so regional ist, dass dort gar kein regulärer Zugverkehr mehr stattfindet. Ausgerechnet dort gab es eine Weltpremiere: Ein führerloser Zug war unterwegs. Ferngesteuert. Die Mobilfunktechnik 5G macht's möglich.

Jedenfalls ist es doch der Hammer, und zwar nicht der Freibergsdorfer, was Techniker und Wissenschaftler heute können. Vielleicht erfinden sie sogar eines Tages eine Mehlpackung, die dicht ist. Oder gar eine Kindermütze, die nicht in die Augen rutscht! Man darf Wunder erwarten.

Das autonome Fahren ist der neueste Schrei. Manche Auto-Liebhaber schreien vielleicht vor Verzweiflung, wenn sie das Lenkrad aus der Hand geben müssen. Und damit das Gefühl, wenigstens noch irgendetwas im Griff zu haben. Doch für alle, die sich ans Autofahren klammern, als wären sie mit dem Klammerbeutel gepudert, gibt es eine wirkungsvolle Therapie: Man lässt sie ein einziges Mal zur Hauptverkehrszeit auf der B 101 fahren. Bei der Trödelei, die nur von der lebensgefährlichen Raserei einiger Kraftfahrer unterbrochen wird (der Begriff "Kraftfahrer" bezieht sich ja nicht unbedingt auf die geistige Kraft mancher Zeitgenossen), kommt jeder Autonarr zur Vernunft.

Man muss aber auch närrisch sein, um heute noch Auto zu fahren. Oder man wohnt in einem mittelsächsischen Dorf und hat keine andere Wahl. Autonome Busse wären toll. Allerdings ist dabei zu befürchten, dass der zwischenmenschliche Kontakt verloren geht. Es ist doch schön, wenn man morgens in den Bus steigt und von einem echten Menschen angeraunzt wird.

Auf der Straße wird es also noch etwas dauern bis zur absoluten Autonomie.

Aber, wie heißt es so schön: Alles kommt vom Bergwerk her. In der Reichen Zeche sind schon längst die Roboter unterwegs, um unter anderem 3D-Aufnahmen zu machen und die Informatiker von der Bergakademie auf Trab zu halten. Zur großen Hurra-wir-sind-schon-immer-Welterbe-und-jetzt-weiß-es-auch-der-Rest-der-Welt-Feier am vergangenen Samstag präsentierten sie ihren Roboter "Alexander" sogar auf dem Obermarkt. Benannt ist er natürlich nach Alexander von Humboldt, der zufälligerweise an dem Tag ebenfalls in Freiberg unterwegs war. Offenbar haben die Wissenschaftler von der Bergakademie sogar schon eine Zeitmaschine konstruiert, die ihren einstigen Musterstudenten in die Gegenwart katapultierte.

Alle wollen autonom sein - manche haben aber auch schon mehr Autonomie, als es uns lieb ist. Zum Beispiel gewisse Viecher, die in Kleinwaltersdorf in Kleingärten auftauchen und Beete ein wenig umgestalten. Per Wildkamera wurden schon Fuchs und Waschbär überführt. Den Waschbären, diesen unverschämten Zeitgenossen, sollte mal jemand eine Abreibung erteilen, die sich gewaschen hat. Aber gehört etwa auch ein Goldschakal zu den Delinquenten? Der muss sich wohl verlaufen haben. In Freiberg gibt's ja eigentlich nur Silberschakale. Und die sind auf jeden Fall autonom unterwegs!

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