Der Klang, der in die Seele strahlt

Die 23. Silbermann-Tage sind Geschichte, die Organisatoren hochzufrieden. Für die Preisträger des Wettbewerbs ging es um viel mehr, als das Siegen.

Freiberg.

Zwölf Tage lang brachte das Festival Musikerlebnisse nach Freiberg und weitere Orte: von Cämmerswalde bis Bieberstein, von Dresden bis Schneeberg. Mehr als 7000 Menschen kamen insgesamt. Albrecht Koch, Künstlerischer Leiter des Festivals, zeigte sich zufrieden. "Wir haben wieder die Besucherzahlen von 2017 erreicht. Das ist ein toller Erfolg. Selbst am Samstag, als das Welterbe die geballte Aufmerksamkeit der Stadt auf sich zog, haben 250 Menschen bei unserem Konzert mit Seconda Prat!ca in der Nikolaikirche Humboldts 250.Geburtstag gefeiert."

"Musik & Macht" lautete das Motto in diesem Jahr. Ein Thema mit Spielraum: Dazu gehören Musik, die eigens für die Mächtigen geschrieben wird, und Werke, die schon durch ihren Klang und die Instrumentierung Macht ausdrücken. Besonders die Konzerte zu Eröffnung und Abschluss der Silbermann-Tage im Freiberger Dom widmeten sich dieser ganz offensichtlichen Verbindung von Musik und Macht. Orchester, Chöre und Solisten boten Musik für die prunkversessenen Könige von Versailles und Dresden und ebenso prachtvolle Werke, die namhafte Komponisten wie Schütz oder Praetorius eigens für politische oder dynastische Anlässe in Kursachsen schrieben: Geburtstage, Beerdigungen oder strategische Vermählungen.

Die 425 Jahre alte Grablege im Freiberger Dom - 150 Jahre lang offizielle Begräbnisstätte der Wettiner - spielte dabei eine zentrale Rolle. Das ganze Gegenteil war am Freitag in Bieberstein zu erleben. Das Schloss bot die perfekte Atmosphäre für eine musikalische Kostbarkeit, die deutlich leiser, aber nicht weniger beeindruckend war. Der Italiener Lorenzo Ghielmi kam mit einem originalgetreuen Nachbau eines Hammerflügels von Gottfried Silbermann. Der hatte vor 300 Jahren maßgeblichen Anteil daran, dass sich das Hammerklavier, bei dem die Saiten angeschlagen und nicht wie beim Cembalo angerissen werden, auch in Deutschland verbreitete.

Dieser besondere Klang ist heute selten zu erleben und beeindruckte das Publikum, das sich den Flügel im Anschluss genauer erklären ließ. Ghielmi und sein Ensemble "La Divina Armonia" brachten unter anderem Bachs "Musikalisches Opfer" zur Aufführung, das einen anderen Einblick in das Zusammenwirken von Musik und Macht gibt. Friedrich der Große hatte Bach eine Tonfolge vorgespielt und ihn aufgefordert, darüber eine Fuge zu improvisieren. Daraus entstand eine Sammlung von Stücken, in der Bach - zum Ende seines Lebens - noch einmal seine ganze Meisterschaft bezeugte.

Bach galt auch als der beste Organist seiner Zeit und auf dem Weg zu ihrer Meisterschaft ist der Internationale Gottfried-Silbermann-Orgelwettbewerb für viele junge Organisten aus aller Welt eine wichtige Station. 26 Teilnehmer aus elf Ländern waren angetreten. Nach drei Wettbewerbsrunden in der Freiberger Jakobikirche, Langhennersdorf und im Dom zu Freiberg stand Laurens de Man aus den Niederlanden als Sieger fest. "Die Orgeln inspirieren unglaublich", sagt der 26-Jährige. "Auch unter den spannenden Umständen eines Wettbewerbs strahlt ihr Klang direkt in die Seele hinein und lädt ein, das Beste zu geben. Es ist eine nicht immer einfache Aufgabe, wenn man solchen charaktervollen Instrumenten neu begegnet, die ihren eigenen Willen haben." Ähnliche Erfahrungen machte der Zweitplatzierte, der Italiener Ismaele Gatti: "Diese Orgeln zu spielen, war für mich eine großartige Erfahrung, aber auch eine wichtige Lektion für die Zukunft." Für Mitsune Uchida aus Japan, den dritten Preisträger, waren die Silbermann-Orgeln ein großer Traum. "Der Wettbewerb war eine ernste Sache, aber die schönen Orgeln haben mir Kraft und Hoffnung gegeben."

Für das kleine Team der Silbermann-Gesellschaft, das sich in den vergangenen zwei Wochen keinen Tag Pause gönnte, war das Festival wie immer ein Kraftakt. Geschäftsführerin Kristine Schmidt-Köpf will dennoch keine der 30 Veranstaltungen missen. "Ich bin beeindruckt, welch tolle Stimmung herrschte. Überall wurden wir von den Kirchgemeinden und Kommunen begeistert empfangen und unterstützt." Die Planungen für die 24. Silbermann-Tage vom 1. bis 12. September 2021 laufen bereits.

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