Der lange Weg zum schnellen Internet

Mittelsachsen hat beim Bund fast 30 Millionen Euro für die Region rund um Döbeln beantragt. Dass Schulen, Krankenhäuser und Gewerbegebiete ans Breitbandnetz kommen, wird von der Behörde separat bearbeitet.

Freiberg.

Der Breitband-Ausbau in Mittelsachsen kommt langsam voran - zumindest was die Fördermittel-Prozedur in Regie des Landratsamtes für 26 Städte und Gemeinden anbelangt, die in drei Gruppen zusammengefasst worden sind. Die sogenannten Cluster waren gebildet worden, um Ausbauaufträge zu bündeln und attraktiver für Telekommunikationsunternehmen zu machen.

Wie Tina Soltysiak von der Landkreisbehörde informiert, seien am 29.Mai dieses Jahres beim Bund Breitbandausbaufördermittel für das Cluster B im Altkreis Döbeln beantragt worden. Landrat Matthias Damm (CDU) habe zudem einen Antrag für finanzielle Unterstützung vom Freistaat unterzeichnet. "Die Gesamtkosten für den Breitbandausbau im Cluster B belaufen sich auf rund 49,3 Millionen Euro", so Breitbandkoordinator Matthias Borm. Der Bund übernehme 60 Prozent der Kosten (gut 29,6 Millionen Euro) und Sachsen 30 Prozent (rund 14,8 Millionen Euro). Die Ausschreibung der Aufträge, auf die sich Firmen bewerben können, erfolge Anfang 2020. "Abhängig von der Komplexität der Bieterverhandlungen könnte die Vergabe frühestens ab Mitte des Jahres 2020 erfolgen. Wir rechnen mit einem Ausbauzeitraum von vier Jahren", erklärt Borm.


Bereits Ende vorigen Jahres hatte der Landkreis vom Bund einen Fördermittelbescheid über rund 12 Millionen Euro für die Ausbaugruppe A erhalten, die sieben Gemeinden am Nordrand von Chemnitz umfasst. Für die rund 1300 förderfähigen Anschlüsse seien unmittelbar darauf auch Landeszuschüsse in Höhe von 5,5 Millionen Euro beantragt worden, heißt es aus dem Landratsamt.

Das dritte Cluster (C - Süd) befindet sich in der Phase "Vorbereitung der Fördermittelanträge", teilt die Landkreisverwaltung mit. Zu den bislang 12 Orten in der Gruppe werde die Gemeinde Weißenborn hinzugefügt. Damit umfasst das Cluster C-Süd nun 13 Orte und 1500 bis 2500 förderfähige Anschlüsse.

Für Schulen und Krankenhäuser will das Landratsamt in Kürze einen gesonderten Förderantrag stellen. "Denn nach neuester Auslegung dürfen Schulen und Krankenhäuser in bereits versorgten oder mit Eigenausbaumitteilung belegten Gebieten nicht in den Grundantrag integriert werden", so Borm. Ob auch für Gewerbegebiete ein Sonderantrag erforderlich ist, werde geprüft.

Wie Pressereferentin Soltysiak erläutert, schließe der Grundantrag alle Häuser eines Ortes ein, in denen Internetanschlüsse mit Übertragungsraten von unter 30 Megabit pro Sekunde anliegen und für die seitens der Telekommunikationsunternehmen in den nächsten Jahren kein Ausbau vorgesehen ist. Die Clusterprojekte richteten sich an die Städte und Gemeinden im Landkreis, die keine beziehungsweise keine wirtschaftlich sinnvolle Möglichkeit haben, ein Einzelprojekt durchzuführen. Strategie des Landkreises sei es, den flächendeckenden Breitbandausbau im Kreisgebiet sowohl durch die Unterstützung der eigenständigen als auch durch die Durchführung der kreisgeleiteten Projekte sicherzustellen.

Neben den Bemühungen des Landkreisamtes laufen in vielen Städten und Gemeinde eigene Projekte zum Netzausbau. Neben dem Verlegen von Glasfaserkabeln wird auch auf alternative Technologien gesetzt. So strebt Augustusburg für seine Altstadt eine Richtfunk-Zwischenlösung an. Oberschöna hat ihre größtenteils noch aus DDR-Zeiten stammende Antennenanlage an eine private Firma verpachtet, die den Datentransfer über herkömmliche Koaxialkabel anbietet.

Darüber hinaus arbeiten auch die Telekommunikationsunternehmen an ihrem Breitbandnetz. Allerdings konzentrieren sie sich auf dichter besiedelte Gebiete. So hatte die Deutsche Telekom im April 2018 angekündigt, in Freiberg rund 31 Kilometer Glasfaser zu verlegen; davon würden rund 20.000 Haushalte profitieren. Die Fertigstellung hat sich inzwischen mehrfach verschoben.


Drei Cluster gebildet

In Mittelsachsen gibt es bislang drei Cluster (englisch für Bündel):

Das Cluster A "Süd-West" umfasst Burgstädt, Claußnitz, Hartmannsdorf, Königshain-Wiederau, Lunzenau, Mühlau und Taura mit rund 1 300 Internetanschlüssen.

Zum Cluster B "Nord" gehören Döbeln, Leisnig, Waldheim, Roßwein, Kriebstein und Zschaitz-Ottewig. Es wird von etwa 3000 förderfähigen Anschlüssen ausgegangen.

Das Cluster C "Süd" beinhaltet voraussichtlich 1500 bis 2500 Anschlüsse in Frankenberg, Rossau, Altmittweida, Bobritzsch-Hilbersdorf, Weißenborn, Reinsberg, Flöha, Mulda, Oberschöna, Großschirma, Lichtenau, Königsfeld, Seelitz und auf dem Rochlitzer Berg.

Bei der Förderung setzt der Landkreis in allen drei Gebieten auf das Wirtschaftlichkeitslückenmodell, bei dem ein Unternehmen einen Zuschuss erhält, um das Netz rentierlich ausbauen und betreiben zu können. Die Gegenvariante ist das Betreibermodell - dabei baut die Kommune mit Fördergeld das Netz auf und verpachtet es an einen Betreiber. (jan)

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1Kommentare
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  • 3
    1
    774029
    12.06.2019

    Was nützt mir als Nutzer und Kunde der Telekom, wenn ein Fördermittelbescheid ergeht und die Ausschreibung der Aufträge ab 2020 erfolgt und sich der Ausbauzeitraum auf 4 Jahre (voraussichtlich) erstreckt.
    Ich habe mir am Montag erst wieder erlaubt, mal einen speed-Test zu fahren. Das schwindelerregende Ergebnis: 0,35 MBit/Sek. Und dann kann man sich nicht einmal aufregen, denn im Vertrag steht "bis zu 16 MBit/Sek." Ich habe den Glauben an schnellem Internet in unserem hochentwickelten Sachsenland schön längst verloren.
    Ähnlich die Entwicklung von DAB+ in ländlichen Gebieten. Da will man sich gar nicht ausmalen, wie der Radio-Empfang dann aussieht, wenn man die UKW-Sender irgenwann einmal abschaltet. Dann doch lieber hier und da etwas Rauschen im Lautsprecher als ständige Unterbrechnungen.



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