Die verrückteste Bushaltestelle Sachsens

In Voigtsdorf erinnert nun eine Skulptur neben einem Buswartehäuschen an die schrägste Weihnachtstradition des Erzgebirges: Das Katzenwiegen. Der Countdown läuft wieder.

Voigtsdorf.

Kater Nero, um den es hier eigentlich geht, würdigt sein Ebenbild keines Blickes. Er stromert lieber durchs Gelände. Den Männern macht das nichts aus. Im Schweiße ihres Angesichts wuchten sie die schweren Elemente vom Stapler auf die Betonplatte, bohren Löcher durch das Eichenholz, und als es schließlich in den Beton geht und Jens Lommatzsch ein Bewährungseisen erwischt, muss sogar sein Bohrfutter dran glauben. Egal. Wer der schrägsten Weihnachtstradition des Erzgebirges ein Denkmal setzt und so die verrückteste Bushaltestelle Sachsens bekommt, dem ist kein Opfer zu groß, keine Mühe zu mühsam.

Jens Lommatzsch ist der Mann, der nach wie vor steif und fest behauptet, er habe das Voigtsdorfer Katzenwiegen keinesfalls erfunden, sondern lediglich auf alten Fotos wiederentdeckt und dem Vergessen entrissen. Kater Nero ist sein Kater. Seit 2014 wird zum ersten Advent zeremoniell ermittelt, wie viel Winterspeck sich Nero angefressen hat. Je mehr, desto härter wird der Winter, heißt es.

Die Idee bescherte dem kleinen Dorf internationales Medienecho und machte Nero zum Star. Die Voigtsdorfer sind längst vom Katzenwiegen-Virus angesteckt. Bereits im vorigen Jahr stellte Kettensägenschnitzer Markus Baumgart die aus Eichenholz geschnitzte Waage vor. "Spaziergänger können sich drauf setzen und sich fotografieren lassen. Ich habe es extra so gemacht, dass die Katze schwerer ist."

Nun, da das neue Bushäuschen an der Haltestelle "Verwaltung" fertig ist, konnte das Denkmal seinen Platz finden. Jonny May vom Heimatverein hat die nötigen Genehmigungen beschafft. "Das Ganze ist ein Gemeinschaftswerk", sagt Markus Baumgart. Die Reaktionen der Passanten schwanken zwischen Begeisterung und Euphorie. Auf der Seite www.voigtsdorfer-katzenwiegen.de zählt ein Countdown bereits die Tage bis zum nächsten Katzenwiegen. In hundert Jahren wird wohl niemand mehr bezweifeln, dass es wirklich eine uralte Tradition ist.

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