Funkenflug im Morgengrauen

Setzt die Hitze den Stromleitungen zu? Vorfälle in Oberbobritzsch und Voigtsdorf nähren diesen Verdacht. Doch Stromnetzbetreiber Mitnetz zerstreut jegliche Sorgen.

Oberbobritzsch/Voigtsdorf.

Im Nachhinein sind sich Feuerwehr und Stromnetzbetreiber Mitnetz nicht ganz einig, was den Brand am Dienstag in Oberbobritzsch ausgelöst hat. Laut Feuerwehr war es ein Ast, der vom Baum auf eine Freileitung fiel. Im Bericht der Mitnetz-Techniker steht, es könnte ein Vogel gewesen sein, der für einen Kurzschluss sorgte.

Nicht ganz ausgeschlossen sei aber auch, dass die Hitze eine Rolle spielte. Denn Metalle dehnen sich bei Wärme aus, weshalb die Leitungen derzeit eher durchhängen. Und so beobachtete ein Mann aus Voigtsdorf am Donnerstagmorgen einen Sternenregen in seinem Vorgarten: Leitungen kamen sich bedenklich nahe, die Funken flogen, die Feuerwehr rückte an, Mitnetz-Techniker kamen, die Leitungen zu spannen. Elf Haushalte waren eine halbe Stunde ohne Strom. Und auch in diesem Fall, so Mitnetzsprecherin Evelyn Zaruba, ist nicht ausgeschlossen, dass die Hitze eine Rolle spielte. Muss man sich also Sorgen um die Stromleitungen machen? Kann man als Passant einer Leitung nun gar gefährlich nahe kommen?

Zweimal klares Nein, sagt Evelyn Zaruba, Sprecherin des Netzbetreibers. In beiden Fällen des Niederspannungsnetzes könne die Hitze zwar eine Rolle gespielt haben. Erwiesen sei das aber keinesfalls. Und weitere ähnliche Vorfälle habe das Unternehmen nicht zu verzeichnen. "Die Freileitungen im Netzgebiet sind so ausgelegt und dimensioniert, dass sie der Hitze Stand halten", versichert die Sprecherin.

"Sie sehen bei den Leitungen den sogenannten Durchhang", erläutert sie. Dieser Durchhang sei mit entsprechenden Reserven berechnet und auch für starke Sonneneinstrahlung ausgelegt. Zaruba: "Die geforderten Mindestabstände zum Erdboden werden somit auch bei hohen Temperaturen und einer dauerhaften Strombelastung eingehalten." Dafür tragen die Mitnetz-Mitarbeiter Sorge. Bewuchs in Freileitungsnähe, welcher eine Gefahrenquelle darstellen könnte, wird regelmäßig ausgeästet, erläutert die Sprecherin. Monteure, die draußen unterwegs sind, überprüfen die Freileitungen vor Ort.

Zudem überwachen Mitarbeiter aus der zentralen Schaltleitung das Hoch- und Mittelspannungsnetz des gesamten Netzgebietes. Davon seien rund 11.000 Kilometer Freileitung. Zaruba: "Erhalten wir Kenntnis von einer Gefährdung beispielsweise über den Notruf, können die Leitungen sofort über die Schaltleitung ausgeschaltet werden. Unsere Monteure sind stetig im Netzgebiet unterwegs. Im Regelfall ist der Mitarbeiter in 45 Minuten vor Ort, um weitere Maßnahmen einzuleiten."

Auch sonst halte das Stromnetz der Hitze stand, sagt Zaruba. So habe es Anfragen gegeben, ob aufgrund starker Sonneneinstrahlung und damit großer Leistung der Solarmodule ein Kollaps wegen Netzüberlastung drohe. Auch diese Frage habe sie guten Gewissens verneint, sagt Zaruba.

Denn die Sonnenstunden seien gleich, und wegen weitgehender Windstille halte sich die Einspeisung durch Windkraftanlagen aktuell arg in Grenzen. Im Juli sei es so nur fünf Mal vorgekommen, dass die Einspeisung höher war als der Verbrauch und damit, wie zur Netzsicherung vorgeschrieben, etwa Kraftwerke heruntergefahren wurden. Ein durchschnittlicher Wert, wie die Unternehmenssprecherin versichert.

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