Gut Bahnhof will Weile haben

Der Kaufvertrag für das Gebäude ist unterschrieben. Neue Besitzerin ist die Stadt Freiberg. Doch die kann jetzt nicht sofort loslegen.

Freiberg.

Nach seiner Sanierung soll das Bahnhofsgebäude einen für die Silberstadt Freiberg würdigen Empfang für Reisende bieten. Dieses Ziel hat Oberbürgermeister Sven Krüger vorgegeben, nachdem er offiziell den Abschluss des Kaufvertrages für das markante Gebäudeensemble bekannt gegeben hat. Die Stadt wird neue Eigentümerin. "Wir wollen das Gebäude in seinem alten Glanz erstrahlen lassen", verspricht der parteilose Rathauschef.

Den Weg dafür hatten die Stadträte vor drei Monaten geebnet. Im Juli hatten sie den Kauf des Gebäudes nebst gut 10.000 Quadratmetern Grund und Boden - der Parkplatz vor dem Bahnhof und die Brache in Richtung Hotel "Alekto" gehören zu dem Abschluss dazu - von der Aedificia EGRS KG aus Frankfurt/Main durch die Stadt gebilligt. Dabei war erläutert worden, dass inklusive der Nebenkosten sowie dringender Sicherungsmaßnahmen bereits im ersten Schritt rund 1,3 Millionen Euro fällig würden. Die notwendige Sanierung hatte das BBF Baubüro Freiberg auf 17,1 Millionen Euro taxiert.

Noch aber ist Geduld gefragt. Zunächst müssten die notwendigen notariellen Eintragungen und dann der formale Eigentümerwechsel erfolgen, heißt es von der Stadt. Krüger schätzt, dass dieser Schritt bereits Anfang Dezember, "spätestens aber zu Beginn des neuen Jahres" vollzogen sein könnte.

Dabei ist dem Oberbürgermeister bewusst, dass Bürger und Reisende nach wie vor den verlotterten Zustand der öffentlichen Halle das ungepflegten Umfeld kritisierten. "Auch wenn bis zum Eigentümerwechsel noch der jetzige Eigentümer in der Pflicht ist, bald können wir endlich selber für Ordnung sorgen", so Krüger: "Es muss endlich etwas geschehen." Zuerst soll das Umfeld verbessert werden.

Von einer "spannenden Herausforderung" spricht Baubürgermeister Holger Reuter (CDU) in einer Pressemitteilung der Stadtverwaltung. Doch bevor am Gebäude etwas sichtbar werde, würden noch einige Monate verstreichen. "Mit dem Baustart ist im nächsten Jahr noch nicht zu rechnen. Denn zunächst ist ein Vergabe-Verfahren notwendig, um ein Planungsbüro zu beauftragen. Daran schließen sich dann die Ausschreibungen der Bauleistungen an, deren Grundlage die Arbeit des Planungsbüros ist", wird Reuter zitiert.

Es liege aber selbstredend im Interesse der Stadtverwaltung, heißt es weiter, die Toilettenanlage im Bahnhofsgebäude wieder in Betrieb zu nehmen. Daher würden die dafür erforderlichen Instandsetzungsmaßnahmen zeitnah beauftragt.

Laut OB Krüger soll das Bahnhofs-Projekt "rasch, aber vor allem qualitätsvoll und nachhaltig auf den Weg gebracht werden". Daher verböten sich Schnellschüsse; Aktionismus berge die Gefahr von Fehlern und könne teuer werden. "Der Umfang der Arbeiten kann durchaus mit denen aktuell am Herderhaus oder sogar am Schloss Freudenstein verglichen werden", urteilt Krüger.

Bei der Entscheidung des Stadtrates über den Kauf des Gebäudes hatte Baubürgermeister Reuter im Juli einen Zeitrahmen von drei bis fünf Jahren abgesteckt. Nach Sicherungsarbeiten beispielsweise an Dach, Essen und Fassade sollten die Empfangshalle und die Gebäudeflügel schrittweise saniert werden. Wichtig sei eine wirtschaftliche Nutzung, hatte der OB betont. Neben dem Bahnhofsbetrieb mit Ticketverkauf, öffentlicher Toilette, Café und Reisebedarfsladen seien Büros etwa für Existenzgründer und Stadtverwaltung denkbar. Im Gegenzug könnten das Stadthaus II an der Heubnerstraße und das Haus Petriplatz 8 veräußert werden. Die Freifläche am Bahnhof sei beispielsweise für Bus- und Pendlerparkplätze geeignet.


Kommentar: VielErfolg!

Es wird noch eine Weile dauern, bis der Freiberger Bahnhof wieder ein attraktives Eingangstor zur Stadt ist. Er war es jahrzehntelang nicht. Da ist es auch müßig zu streiten, ob die Stadt nicht bereits 2010 ein Vorkaufsrecht hätten nutzen können, als die Deutsche Bahn den Komplex an einen Privatinvestor verkauft hat. Sicher wäre der Verfall so früher gestoppt und die Sanierung insgesamt billiger geworden. Aber: Einen Bahnhof zu retten, ist nicht Alltag einer Stadtverwaltung. Ich wünsche dem Projekt viel Erfolg - und vor allem später eine wirtschaftliche Nutzung.


Das wünschen sich Bürger

Nicole Beger aus Halsbrücke: Der Bahnhof sollte eine kleine Passage mit Souvenirläden und Infomaterial für Touristen und Studenten erhalten. Dazu Snackbars und einen Wickelraum für Kleinkinder. Hoffentlich wird das Neue nicht wieder so zerstört und beschmiert.

Magdalena und Ulrich Schadeberg aus Freiberg: Wir haben uns schon viele Gedanken gemacht, wer nach der Sanierung einziehen soll. Einfache Lösungen gibt es sicherlich nicht, hier ist ein großer Ideenreichtum gefragt. Außer einem Intershop wie bis vor 30 Jahren kommt vieles in Frage.

Sandra Peukert mit Finnlay (9) aus Freiberg: Ein gemütliches Bistro und ordentliche Toiletten sind wichtig. Es wird sicher schwer, Firmen und Gewerbe in den Bahnhof zu bringen, das ist alles gegenüber schon da. Eine Etage mit Hostelzimmern könnte ich mir vorstellen.

Silke Strohbach aus Freiberg: Wir sind oft mit Studierenden aus China und dem Iran unterwegs. In der Welterbemetropole Freiberg schämt man sich, aus dem Zug zu steigen. Das Gelände muss dringend entmüllt werden. Wichtig wären Sitzgelegenheiten in warmer, trockener und sauberer Umgebung. (mer)

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