Im Silberknaller unterwegs

Zwei Freiberger fiebern einer Rallye entgegen, die nach Afrika führt. Und die Nassauer pfeifen auf die Preußen.

Für Michael Erler und Sebastian Klenke ist dieser Sommer kein gewöhnlicher. Ihre Gespräche drehen sich immer wieder um eins: die Rallye Dresden-Dakar-Banjul. 7500 Kilometer nach Gambia. Im Herbst nehmen die Freiberger dieses Abenteuer unter die Räder. Das Auto dafür haben sie schon.

Bereits vor etlicher Zeit hatte sich Michael Erler mit dem Thema beschäftigt. Im vergangenen Jahr hielt eine junge Frau im Domgemeindehaus einen Vortrag über eine solche Fahrt. Für den 57-Jährigen war das die Initialzündung. Seinen Neffen Sebastian musste er nicht zweimal fragen, ob er ihn begleitet. Zufällig hatten dessen Eltern einen Audi, auf den sie verzichten können. Und damit das Fahrzeug die lange Reise schafft, machte jüngst eine Dresdner Werkstatt das Auto fit.

Derzeit bereiten sich die Männer akribisch auf die drei Wochen Fahrt durch Europa und Afrika. "Wir brauchen zum Beispiel Ersatzräder, weil Reifen und Felgen in der Wüste schnell mal von Steinen zerschossen werden", so Erler. Auch Benzinkanister, Kompressor, Abschleppseile, Feuerlöscher, Ersatzteile fürs Auto und ein Wüstenführer müssen mit. Der Basti, wie Michael Erler seinen Neffen nennt, wird sein bester Schrauber sein. Im europäischen Teil der Rallye wollen die Freiberger für die Nacht vor allem Pensionen nutzen, in Afrika wollen sie hauptsächlich campen. "Matratzen, Kocher und alles, was wir dafür brauchen, bleibt auch in Afrika", erzählt der 26-jährige Sebastian, der als Erzieher in der Montessori-Schule arbeitet. Offene Ohren für ihr ungewöhnliches Vorhaben fanden die Männer bei ihren Arbeitgebern. Sebastian wird von der Schule vier Wochen freigestellt, obwohl in dieser Zeit keine Ferien sind, und sein Onkel bekam den langen Urlaub genehmigt.

Der Dresdner Verein Breitengrad veranstaltet zweimal jährlich eine Rallye nach Banjul, im Frühjahr und im Herbst. "Meist starten zwischen 40 und 50 Autos. Die meisten Teilnehmer sind Sachsen, kommen aber aus der gesamten Bundesrepublik. Auch Schweizer, Österreicher, Dänen und Niederländer waren schon dabei", weiß Erler. Am 9. November geht es los. Dann treffen sich die Teams auf dem Dresdner Altmarkt oder dem Postplatz zum Prolog. In Hohenstein in der Sächsischen Schweiz starten sie am nächsten Tag. Über die Schweiz und Südfrankreich geht es zum spanischen Fährhafen Algeciras. "Dort treffen sich alle Fahrer und Begleiter aus Europa", so Erler. "Damit alle wissen, wer zusammen gehört, tragen wir Rallye-T-Shirts." Die Freiberger outen sich im Silberrauschjahr der Stadt als "Silberknaller Glück auf".

Das dürfte für die Familie daheim von Vorteil sein, denn auf einer Internet-Seite des Vereins können sie das Geschehen mitverfolgen. Auf dem afrikanischen Kontinent führen in Marokko zwei Routen durch das Land, entlang der Atlantikküste oder durchs Atlasgebirge. Die Bergstädter entschieden sich für die Gebirgsfahrt. "In Afrika durch ein Gebirge zu fahren, wo Schnee liegt, hat was", sagt Michael Erler. In der West-Sahara und in Mauretanien schlängelt sich die Route an der Küste entlang. "Diese kann nur befahren werden, wenn Ebbe ist", weist Sebastian Klenke auf besondere Hürden hin.

In Banjul werden die Rallye-Fahrer sehnsüchtig erwartet. Bei einer Versteigerung im National-Stadion kommen die Autos unter den Hammer, und das Geld fließt in soziale Projekte wie den Bau von Schulen und Kindergärten oder Projekte zum Recyceln von Müll. Bis zu 100.000 Euro kommen jährlich zusammen. "Das Abenteuer und die Hilfe für Menschen in Afrika, das reizt uns an dieser Rallye", sagt Erler, vierfacher Vater, stolzer Opa sowie langjähriges Mitglied der Domgemeinde und der Historischen Berg- und Hüttenparade, weshalb auch der gelbe Aufkleber der Knappschaft auf dem Audi leuchtet.

Informationen und Möglichkeiten zur Unterstützung des Projektes gibt es am 26.August zum Domgemeindefest auf dem Gelände der Diakonie an der Hainichener Straße 102. Kontakt: fam.erler@web.de

So etwas konnte nur Preußen einfallen, dass Nassauer eine spezielle Art von Schnorrern sind, die sich dauerhaft von anderen aushalten lassen. So zumindest wird die Herkunft dieses Begriffes vermutet, der Mitte des 19. Jahrhunderts erstmals in Berlin bezeugt wird. Die Bewohner von Nassau, Stadtteil von Frauenstein, dürften darauf ebenso pfeifen wie die der Hauptstadt der Bahamas. Und wie sehr, das beweisen sie jedes Jahr mit ihrem Dorffest, bei dem selbstironisch zum "Nassauern" eingeladen wird.

Höhepunkte gab es einige. Besonders für den achtjährigen Max Holze, der alle anderen Kindern beim Vogelschießen besiegte und nun der kleine Schützenkönig im Ort ist. Auch das Traditions-Fußball-Spiel zwischen dem örtlichen Verein und dem BSV Heinersdorf aus Berlin, das zum 20. Mal stattfand. Die beiden Vereinschefs trafen sich vor über zwei Jahrzehnten beim Angeln an der Ostsee. "Zunächst sollte es nur ein kleines Trainingslager der Berliner hier sein", erzählt Gerd Straßburger, der beim Vogelschießen den Kassenwart macht. "Dann wurde eine jährliche Tradition daraus." Als Geschenk gab man den Preußen, die immerhin den Spruch von den Nassauern verzapft haben, einen Schwibbogen mit in die Heimat. Das Spiel endete übrigens schiedlich-friedlich 5:5. Nachtragend ist man in Nassau nicht. Unter dem Dach des Heimatvereins und der Mithilfe von freiwilliger Feuerwehr und Jugendclub beteiligten sich viele Ehrenamtliche und noch manch anderer Verein, so die Landfrauen, der Chor und der Sportverein, an der Organisation und Durchführung des Festes. Genassauert wurde viel, geschnorrt weniger. (mit wjo)

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