Karibikfeeling in Afrika

Viele sehnen sich danach, die Welt zu entdecken. Anja und Markus Schubert aus Halsbrücke tun es. Neun Monate reisen sie durch Afrika und berichten für "Freie Presse". Heute: Sierra Leone.

Halsbrücke/Sierra Leone.

Sonne, strahlend weiße Strände, kristallklares und azurblaues Wasser - so könnte man Sierra Leone in einem Satz beschreiben. Das Land ist die Strandperle Westafrikas und lädt zum Schnorcheln und Surfen ein. Jedoch wurde Sierra Leone in den 1990er Jahren von einem Jahrzehnt Bürgerkrieg und 2015 von einer Ebola-Epidemie gebeutelt. Und so erholen sich Land, Leute und Wirtschaft nur langsam, und ein Großteil der Bevölkerung ist weiterhin sehr arm.

Touristen erkennen das daran, dass zum Beispiel für Camping- oder Hotelübernachtungen US-Dollar fällig werden - eine starke und stabile Währung. Mit der Landeswährung bezahlen wir nur beim Einkaufen und Tanken. Es ist unfassbar traurig, wie oft wir nicht nur nach Geld und dem üblichen "Cadeaux" (französisch für Geschenk) gefragt werden, sondern hier erstmals auch nach Essen und Kleidung. In der Hauptstadt Freetown wird die Armut an den vielen, einfachen Wellblechbehausungen deutlich.

Verkehrstechnisch ist Freetown die mit Abstand schlimmste Stadt unserer Reise. Wir haben mitunter arge Probleme, mit unserem Toyota Landcruiser durch die engen, verstopften Gassen zu kommen - insbesondere, weil sich die große Durchfahrtsstraße im Stadtzentrum ohne Ankündigung zu einem Markt verengt und wir dies beim ersten Einfahren in die Stadt zu spät bemerken. Unmittelbar rechts und links von uns reihen sich die Marktstände auf, und so tasten wir uns zentimeterweise vor, bis wir wieder auf eine normal befahrene Straße gelangen.

Abgesehen davon genießen wir die wunderschönen, weißen Strände und das Karibikfeeling von Sierra Leone - Temperaturen von knapp 30 Grad Celsius sind herrlich, auch die Wassertemperatur im Meer ist mit 25 Grad Celsius fantastisch. Leider finden wir auf der Halbinsel um Freetown nicht einen Flecken unbebauten oder freien Strand, an dem wir wildcampen können, sodass wir auf Zeltplätze oder Hotel-Parkplätze ausweichen. Da diese unmittelbar am Strand liegen, stört uns dies wenig. So kommen wir auch leicht in Kontakt mit Einheimischen und Martin, der eine kleine Lodge am Strand betreibt, kocht uns leckere und authentisch einheimische Gerichte. Selten haben wir so guten Fisch gegessen.

Einzigartig in Sierra Leone: Jedes Taxi und jeder Minibus ist mit religiösen Aufschriften versehen, gleich ob christlicher oder islamischer Natur; gefahren wird dennoch, als gäbe es kein Morgen. Hier leben Christen und Muslime friedlich nebeneinander und respektieren den Glauben des anderen. Wie im übrigen Afrika ist es hier gang und gäbe, per Anhalter zu fahren. Auch wir nehmen ab und zu jemanden mit und kommen so rasch ins Gespräch. Dies beschert uns unter anderem eine Einladung nach Freetown, wo wir eine Nacht verbringen und so ein Stück pures afrikanisches Leben hautnah erleben dürfen. Am letzten Abend treffen wir auf Dan und Valerie, die wir in Gambia kennengelernt hatten. Bei Bier und Spaghetti tauschen wir uns über unsere Erlebnisse aus.

Die Autoren Anja und Markus Schubert reisen seit Wochen durch Afrika. Binnen neun Monaten wollen sie den Kontinent von Nord nach Süd durchqueren. Die 1986 geborene Anja Schubert wuchs in Halsbrücke auf. Markus Schubert, Jahrgang 1984, wuchs als jüngstes von drei Kindern in Conradsdorf auf.

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