"Kümmere mich jetzt um Haus und Hof"

Interview mit Volker Haupt, der am heutigen Mittwoch seinen letzten Arbeitstag als Gemeindeoberhaupt von Bobritzsch-Hilbersdorf hat

Niederbobritzsch.

Ein halbes Leben war Volker Haupt (58) Bürgermeister. Über diese Zeit und Pläne für die Zukunft sprach Steffen Jankowski mit dem CDU-Politiker.

Freie Presse: Sie hatten sich bei der Wahl im Januar nicht wieder um den Chefsessel im Rathaus beworben. Warum?


Volker Haupt: Beim Amt des Bürgermeisters ist es wie im Leistungssport - man muss permanent mehr als 100 Prozent geben. Nach knapp 29 Jahren - ich bin fünfmal als haupt- und zweimal als ehrenamtlicher Bürgermeister gewählt worden - ist es Zeit, dass ein Nachfolger mit neuer Energie und Sichtweise das Ruder übernimmt.

Und wovon werden Sie in Zukunft leben?

Finanziell bin ich durch Pensionsansprüche abgesichert, davon kann ich leben. Falls ich eine neue Tätigkeit aufnehme, werden die Einkünfte aber gegengerechnet.

Was fangen Sie da jetzt mit der neu gewonnenen Freizeit an?

Ich lasse das auf mich zukommen und habe keine großen Pläne. Ich will mich jetzt mehr um Haus und Hof kümmern; da ist einiges liegen geblieben. Irgendeine große Reise oder so ist derzeit nicht geplant - ich freue mich vor allem auf einen entspannten Sommer.

Wollen Sie politisch weiter mitmischen?

Ich kandidiere bei der Kreistagswahl für die CDU. Aber ich möchte nicht in den Gemeinderat. Ich will da nicht als Besserwisser reinreden. Wenn mein Rat gefragt ist, werde ich den natürlich gern geben.

Sie gehören zahlreichen Vereinen an - da sind die Erwartungen der Mitglieder an Sie doch sicher groß, oder?

Gewiss. Ich werde mich aber vorwiegend auf meinen Heimatort Niederbobritzsch konzentrieren. Und natürlich auf den Hilliger-Verein - der Glockenguss hat meiner Meinung nach großes Potenzial in der Region.

Sie sind jetzt im einstweiligen Ruhestand - das Gefühl kennen Sie doch schon?

Stimmt: Ich hatte vom 1. Januar bis 23. April 2012 Pause. Ich wollte bei der Fusion von Bobritzsch und Hilbersdorf nicht als Amtsverweser arbeiten - das hat damals unser heutiger Kämmerer Sven Stebel übernommen. Ich war auch im April 1994 bei der Bildung der Gemeinde Bobritzsch als Bürgermeister von Niederbobritzsch ausgeschieden und war damals bis Ende Juli als Bauamtsleiter tätig, ehe ich wieder Gemeindeoberhaupt geworden bin.

Wenn Sie zurückblicken auf die vergangenen fast drei Jahrzehnte - worauf sind Sie stolz?

Da gibt es vor allem drei Dinge. Erstens, unsere Schullandschaft und dass uns die Ansiedlung des Ausbildungszentrums in Niederbobritzsch gelungen ist. Das war schon ein Husarenstück - auf dem ehemaligen Agrarflugplatz gab es nicht einmal eine Wasserleitung. Zweitens der Ausbau der Infrastruktur. Ohne diese Basis geht es nicht, auch wenn uns beispielsweise der Kanalbau über Jahre hohe Schulden gebracht hat. Und drittens das Zustandekommen der Gemeinde Bobritzsch-Hilbersdorf. Das war eine langfristig gute Entscheidung, mit stabil mehr als 5000 Einwohnern sind wir zukunftsfähig. Nach Frauenstein zu gehen war ja keine Alternative.

Und wo haben Sie Lehrgeld zahlen müssen? Was ist nicht so gut gelungen?

Ein kluger Kopf hat mal gesagt, Prioritäten zu setzen heiße festzulegen, was liegen bleibt. Ich hätte beispielsweise mehr für Ordnung und Sauberkeit machen können, auch die Straßenbeleuchtung könnte besser sein. Dafür hat jetzt mein Nachfolger Zeit. Auch für die veränderten Anforderungen; beispielsweise sind Spielplätze und Tourismus jetzt viel stärker ein Thema in der Gemeinde.

Aber aus Naundorf sind auch Stimmen zu hören, der Ort werde vernachlässigt ...

Der Ort war eine harte Nuss, die mir hinterlassen worden ist, und ich habe es nicht geschafft, überwiegende Zufriedenheit zu schaffen. Die Sparkasse wurde geschlossen, das ehemalige Kulturhaus verfällt. Aber es gibt auch Positives wie zum Beispiel die Schule, das Feuerwehrgerätehaus und das Freibad.

Wie groß sind die Fußstapfen, die Sie Ihrem Nachfolger und Parteifreund René Straßberger hinterlassen?

Um im Bild zu bleiben: Ich habe Bahn getreten, damit es mit neuem Elan weitergehen kann. Wobei ich auch weiß, dass in Umbruchzeiten wie nach der Wende immer mehr möglich ist als unter normalen Umständen. Ich bin jeden Tag gern auf Arbeit gegangen. Ganz wichtig war mir dabei immer der Rückhalt durch meine Familie. jan

Zur Person: Volker Haupt , geboren am 20. Oktober 1960, ist gelernter Metallurge, hat Maschinenbau studiert und später den Verwaltungswirt nachgeholt. Von 1987 bis 1989 hat er als Aspirant an der Uni Dresden gearbeitet, am 1. Juni 1990 wurde er Bürgermeister von Niederbobritzsch. Der verheiratete Vater zweier Söhne hat fünf Enkel.

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