Prozess gegen mutmaßlichen Dealer vorerst ausgesetzt

Verteidiger beantragt beim Amtsgericht vollständige Vorlage der Akten

Freiberg.

Der junge Mann, der am Dienstagmorgen im Amtsgericht Freiberg auf der Anklagebank Platz nehmen musste, wirkte nicht wie ein Drogendealer. Mit seiner schlanken Gestalt, dem freundlichen Auftreten und einem faltenfreien, hellblauen Hemd mit langen Ärmeln erinnerte der 24-Jährige eher an einen Klassenprimus. Dennoch warf ihm Oberstaatsanwalt Nils Schellenberg vor, unerlaubt Betäubungsmittel "in nicht geringer Menge" erworben und verkauft zu haben.

Laut Anklage soll der junge Mann im Zeitraum von Januar bis März 2016 einem Zeugen in der Region Flöha sechsmal 20 Gramm Marihuana verkauft haben - für 8Euro pro Gramm. Zudem soll er im März oder April im gleichen Ort oder in der Stadt Chemnitz von einem weiteren Zeugen zweimal 500 Gramm Marihuana erworben und an unterschiedliche Abnehmer weiter veräußert haben.

Offenbar war da eine regelrechte Kifferrunde aufgeflogen. Mehrere Beteiligte sind bereits zur Rechenschaft gezogen worden, die beiden Hauptbelastungszeugen machten ihre Aussagen im Gefängnis.

Verteidiger Jörg Neuber rügte zu Prozessbeginn, dass ihm die Akten unvollständig und "nur scheibchenweise" zur Verfügung gestellt worden seien. So sei beispielsweise vermerkt worden, dass in einer Vernehmung Lichtbilder vorgelegt worden seien. Angaben darüber, welche Fotos das waren, fehlten aber. Der Freiberger Rechtsanwalt beantragte daher, die vollständigen Unterlagen einsehen zu können. Bis dahin solle die Verhandlung ausgesetzt werden.

Oberstaatsanwalt Schellenberg bezeichnete die Argumente des Verteidigers als plausibel: "Das sind ja keine Peanuts, über die wir hier reden." Das Betäubungsmittelgesetz sieht für den unerlaubten Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge eine Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr vor; in minder schweren Fällen von drei Monaten bis zu fünf Jahren.

Als Vorsitzende des Jugendschöffengerichts sagte Richterin Irina Pietzko, aus ermittlungstaktischen Gründen seien bislang wohl nur die Passagen vorgelegt worden, die direkt mit dem Angeklagten zu tun haben. Das Gericht gab dem Antrag des Verteidigers statt. Das Verfahren soll fortgesetzt werden, wenn ihm die Akten vollständig vorliegen.

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