Radweg nach Hilbersdorf: Stadt und Gemeinde preschen vor

Der Freistaat will das komplette Projekt erst in Angriff nehmen, wenn die Freiberger Ortsumgehung steht. Doch die Geduld der Radfahrer ist über-strapaziert. Die in den Rathäusern nun auch.

Freiberg/Hilbersdorf.

Undenkbar schien vor wenigen Monaten, was jetzt konkrete Formen annimmt: der Bau eines Radwegs von Freiberg nach Hilbersdorf. Lange Zeit hatte es geheißen, der erste Abschnitt solle erst 2025 fertig sein. Der komplette Weg sogar erst nach dem Bau der Ortsumgehung Freiberg. Nachdem aber fast 1500 Menschen eine Internet-Petition für den Weg unterzeichneten und bei einer Rad-Demo mehr als 400 Teilnehmer gezählt wurden, wollen sich die Stadt Freiberg und die Gemeinde Bobritzsch-Hilbersdorf nun selbst um die Sache kümmern.

Dafür müssten sie die Zuständigkeit vom Freistaat übernehmen. Deshalb sprachen Freibergs Baubürgermeister Holger Reuter (CDU) und CDU-Landtagsmitglied Steve Ittershagen gestern im Dresdner Wirtschaftsministerium vor. Mit dabei auch: die Hilbersdorfer Heiko Dreyer und André Melzer, Organisatoren der Petition wie der Demo. Der Bedarf des Wegs ist unstrittig, viele Radfahrer, die notgedrungen die Staatsstraße nutzen, berichten über kritische Situationen auf der viel befahrenen Route.

Aber die kreuzt den bislang nur auf dem Papier vorhandenen Ostabschnitt der Ortsumgehung Freiberg. Ab deren Fertigstellung müsste der Autoverkehr aus Richtung Hilbersdorf auf die Umgehungsstraße abbiegen. Die jetzige Staatsstraße würde stadteinwärts zum Radweg umfunktioniert. Ab wann das soweit sein könnte, steht weiter in den Sternen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat auch gegen die nunmehr dritte Planänderung der Ortsumgehung Klage eingereicht. Die Dauer des Verfahrens ist völlig offen.

Inzwischen ist nicht nur die Geduld der Radler erschöpft. Auch in den Rathäusern reifte die Einsicht, dass es so nicht weitergehen kann. Also feilten Stadt und Gemeinde am Plan B: Der gemeinsame Zweckverband "Gewerbegebiet Freiberg Ost" soll beauftragt werden, den Wegebau zu übernehmen. Bobritzsch-Hilbersdorfs Gemeinderäte sagten bereits ja, der Stadtrat Freiberg wird am Donnerstag um Zustimmung gebeten. Am 7. November steht das Thema bei der Verbandsversammlung im Kornhaus Freiberg auf der Tagesordnung. Ziel beider Kommunen: Den Radweg komplett zu bauen - ungeachtet der Frage, wie es mit der Umgehung weitergeht. Auch wenn zunächst der Abschnitt entlang des steilen Talhangs im Mittelpunkt steht.

Dass ein Teil des neuen Radwegs überflüssig werden könnte, falls die Umgehungsstraße wirklich kommt, ist für die Beteiligten kein wirkliches Hindernis. "Wenn der Weg nur einen Unfall verhindert", sagt Bobritzsch-Hilbersdorfs Bürgermeister Volker Haupt (CDU), "dann hat er sich schon gelohnt." (mit wjo)


Kommentar: Die sich nicht einlullen lassen

Heiko Dreyer und André Melzer, Initiatoren einer Internet-Petition sowie einer Rad-Demo für den Bau eines Radwegs von Freiberg nach Hilbersdorf, dürfen sich auf die Schultern klopfen. Mit ihren Aktivitäten brachten sie den nötigen Schwung in die Angelegenheit. Und zeigten, was mit Bürgerengagement möglich ist in Deutschland.

Da sagte der Staat, der Radweg muss leider, leider bis zur Ortsumgehung warten. Davon ließen sich die Hilbersdorfer nicht einlullen. Sie erzeugten vielmehr Druck, der die Lokalpolitik vor Ort beflügelte, sich ebenfalls nicht mit dem lapidaren Verweis auf die Ortsumgehung abspeisen zu lassen.

Wenn wir alle ein bisschen nachdenken, fallen uns bestimmt noch viele Ärgernisse ein, bei denen mehr möglich ist, als wir glauben. Es braucht nur jemanden, der sich nicht einlullen oder abspeisen lässt.

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