Ungewissheit plagt die Abiturienten

Nach Wochen im Homeschooling bereiten sich die Abschlussklassen am Freiberg Kolleg auf die Prüfungen vor. Der Schulleiter ist optimistisch.

Freiberg.

Der Chemie-Unterricht bei Fachlehrer André Schneider hat gerade begonnen. 13 Schüler sitzen, über den ganzen Raum verteilt, auf ihren Stühlen, jede Menge Unterlagen und Schreibblöcke vor sich auf dem Tisch. Sie alle tragen medizinische Schutzmasken, ebenso der Lehrer, und konzentrieren sich auf den Schulstoff. Deutsche sitzen gemeinsam mit jungen Frauen und Männern, die einen Migrationshintergrund haben. Stippvisite im Freiberg-Kolleg, einer staatlichen Einrichtung des zweiten Bildungswegs in Sachsen in Trägerschaft des Landkreises.

Erwachsene können in der Vollzeitschule die Allgemeine Hochschulreife erlangen. Und weil auch hier demnächst die Abiturprüfungen anstehen, wird nicht nur im Chemieunterricht intensiv gepaukt. In Corona-Zeiten ist das keine leichte Aufgabe, weder für Lehrer noch für Schüler.

Artur Milke ist einer von denen, die in der Chemieklasse sitzen. Das Haar des 28-Jährigen ist am Schopf türkis gefärbt, und er macht einen gut gelaunten Eindruck. Was er aber sagt, stimmt nachdenklich. "Es ist im Moment sehr anstrengend. Nicht wegen des Unterrichts, aber wir wissen nicht genau, wie es weitergeht."

Nach einer längeren Phase, in der man vor allem zu Hause den Stoff per Homeschooling bewältigen musste, sitzen die Abschlussklassen nun wenigstens wieder dem Lehrer direkt gegenüber. Für Milke eindeutig der bessere Zustand. "Das ständige Stillsitzen zu Hause vor dem Monitor, das ist überhaupt nicht mein Ding", sagt er und erhält ein unterdrücktes, zustimmendes Kichern von den Mitschülern.

Die Ungewissheit nach der Unterbrechung ist eines der Probleme, mit denen die Lernenden auch am Freiberg-Kolleg zu kämpfen haben. "Wir wissen nicht, ob wir es schaffen werden", bringt es Artur Milke auf den Punkt.

Schulleiter Frank Triebsch ist allerdings sehr optimistisch. Schon die Prüfungen nach dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 seien erfolgreich verlaufen, erzählt er. "Um nur ein Beispiel zu nennen: Von den damals 17 Migranten in der Abiturklasse haben auch 17 bestanden", sagt er.

Damit an seiner Einrichtung an der Bergstiftsgasse die besten Hygienevoraussetzungen herrschen, haben Triebsch und sein Team bereits frühzeitig gehandelt. "Wir hatten von Anfang an härtere Maßnahmen als gefordert", berichtet er. "So wurde die Maskenpflicht bei uns sofort eingeführt." Insgesamt gibt es derzeit 240 Schüler am Kolleg, 52 von ihnen stehen vor dem Abitur. 25Lehrer sind im Einsatz.

Präsenzunterricht gab es zunächst nur für die Zwölftklässler. Seit vergangener Woche dürfen auch die Elftklässler wieder vor Ort lernen, womit im Idealfall 110 Lernende im Gebäude sind. Maximal 13 dürfen in ein Klassenzimmer, die Unterrichtszeit wurde von 90 auf 80Minuten reduziert, damit nach gut einer halben Stunde ausgiebig gelüftet werden kann. Die Vorbereitungskurse und Einführungsklassen müssen derweil weiter vom heimischen Schreibtisch aus arbeiten.

Schon im vergangenen März habe man nicht darauf gewartet, dass irgendwann mal Sonnenschein kommt, sondern sich bei der Apotheke an der nahen Bahnhofstraße Desinfektionsmittel, Handschuhe und Kittel besorgt. "Außerdem haben wir eine Lehrerin und einen Schüler, die ausgebildet sind, Schnelltests zu machen", berichtet Triebsch. 60 Prozent aller Schüler haben sich testen lassen. Ihn freue besonders, dass alle - Lehrende wie Lernende - mitziehen, diszipliniert sind, auch wenn vor allem die Organisation von Homeoffice nicht immer ganz einfach ist. Gearbeitet wird mit der Plattform Lernsax, wenn diese läuft.

Von Corona-Fällen verschont blieb man bei aller Vorsicht nicht. "Wir hatten sieben Fälle", erzählt Frank Triebsch. "Die fanden alle außerhalb der Schule statt und verliefen gut." Dennoch blickt er sorgenvoll nach vorn. "Die zwei Wochen Osterferien werden nicht gut tun", vermutet er. Ob er das hohe Gesundheitsniveau, das herrscht, danach wird halten können, wagt Triebsch nicht zu prophezeien. Den Willen dazu hat er. Und er weiß, dass sein Team und die Schüler wissen, worauf es ankommt.

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