Varieté der Unmöglichkeiten

"Technik/Magie" heißt eine Ausstellung mit umfangreichem Begleitprogramm, die am Sonntag in Freiberg eröffnet werden soll. Eigentlich.

Freiberg.

Immerhin: Die Workshops im Hort der Kita in Halsbrücke haben schon mal angefangen. Während sich Tobias Tanneberger, auch bekannt als Rapper Tanne M.C., mit einem knappen Dutzend Kindern den Zusammenhang zwischen "Technik/Magie" per Bewegungstheater auslotet, erkundet Musiker Benjamin Stache mit seiner Gruppe das Thema musikalisch. Mit RFID-Chips versehene Buchstaben, mit Sensoren ausgestattete Schwingstäbe, Glühbirnen, die bei Annäherung Sounds von sich geben, Klangkisten, die beim Öffnen Geräusche machen: Aus derart seltsamem Instrumentarium basteln die Kinder unter Staches Anleitung an eigenen kleinen Musikstücken.

Wem all das und der Name Benjamin Stache nun bekannt vorkommen, der liegt richtig. Benjamin Stache ist der Sohn des Klangkünstlers Erwin Stache, und der wiederum hat in Freiberg bereits für einige ungewöhnliche Klangerlebnisse gesorgt. 2016 etwa mit einem Orchester aus Kuckucksuhren im Schlosshof. Nun soll die neumodische Klangkunst von Erwin Stache, dem Vater also, abermals in der Stadt zu erleben sein, die sich sonst vornehmlich dem Erbe des ehrwürdigen Orgelbaumeisters Gottfried Silbermann verschrieben hat. "Technik/Magie", so lautet nicht nur das Thema der Workshops, sondern auch der Titel einer von einem umfangreichen Programm begleiteten Ausstellung, die ab Sonntag für eine Woche in der Nikolaikirche in Freiberg einen Überblick über Erwin Staches vor Ideen nur so strotzendes Schaffen liefern soll. Eigentlich. Denn ob die Aktion über die bereits gestarteten Workshops in Halsbrücke hinauskommt, das steht mehr und mehr in den Sternen.

Carsten Kohlschmidt jedenfalls nimmt es, wie es kommt. Kohlschmidt ist Chef und Macher des soziokulturellen Vereins Epi-Zentrum in Freiberg und organisiert Ausstellung wie Begleitprogramm. Bisher, Stand Dienstagabend also, ist er noch nicht zurückgepfiffen worden. Nun wartet er, ob und wenn ja wie nach den anberaumten Sitzungen von Kanzlerin, Ministerpräsidenten, Landräten und Bürgermeistern kulturelle Aktivitäten noch möglich sind. Er plädiert dafür. Sämtliche denkbaren Auflagen wie Abstandsgarantien, Beschränkung der Besucherzahlen, Erhebung der Kontaktdaten für Nachverfolgung, Maskenpflicht notfalls selbst während der Veranstaltung könnten umgesetzt werden, versichert er. Und doch pocht er nicht darauf, unter allen Umständen an allen Veranstaltungen festzuhalten. "Natürlich wäre es blöd, wenn sich bei uns tatsächlich jemand infizieren würde und es ihm dann schlecht ginge", sagt er. "Da macht man sich schon Gedanken."

Vor allem aber die Ausstellung, sagt Kohlschmidt, sollte nach seinem Dafürhalten auch in der jetzigen Lage möglich sein, mit einer streng regulierten Besucherzahl sowie einem genau markierten Rundweg durch die Nikolaikirche. Ursprünglich wollte er zusammen mit Stache, Tanneberger und anderen Mitstreitern dort eine Neuauflage des Varietés der Möglichkeiten auf die Beine stellen. Doch die dafür nötigen Fördermittel wurden nicht bewilligt.

So wurde um die Ausstellung ein Begleitprogramm mit Konzerten, Film und Vorträgen gestrickt. Angesichts der Unsicherheit weniger Tage vor Beginn lässt sich die Aktion "Technik/Magie" nun mit einigem Recht auch als Varieté der Unmöglichkeiten bezeichnen.

Manche Pläne hat die Pandemie sowieso schon durchkreuzt. So wollte Schauspieler Markus Gille mit der Freiberger Bürgerbühne das Stück vom "Kohleschädel von Freiberg" auf die Bühne bringen. Eine Darstellerin wohnt mittlerweile in der Schweiz. Die aber ist nun Corona-Risikogebiet - mit den bekannten Folgen für eine problemfreie Einreise. Als Ersatz ist ein Ein-Personen-Stück im Gespräch.

Technik/Magie: Ausstellung und Aktionswoche in der Nikolaikirche Freiberg, Eröffnung: Sonntag 17 Uhr, zuvor 15 Uhr Präsentation des Schülerprojekts, 19 Uhr dann Theater. Weitere Programmpunkte (Auswahl): Montag, 2. November, 19 Uhr: Jazzkonzert Vincent Meißner Trio. Dienstag 3. November, 19 Uhr: Film "Metropolis". Mittwoch, 4. November, 19 Uhr: Jazzkonzert Paul Peukert und Freiberger Bürger. Freitag, 6. November, 17 Uhr: Finissage mit Vortrag über Kunst im öffentlichen Raum. Wegen der Pandemie stehen alle Termine noch unter Vorbehalt.

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