Virtuelle Kaffeetafel mit Zug

Heimarbeit: Die Feste feiern wie sie fallen

Freiberg.

Zum vierten Geburtstag hatte sich der Mittlere 15 Kuchen gewünscht. Glücklicherweise ist ein Muffin auch ein Kuchen. Außerdem gab es schottisches Shortbread. Das sind Kekse, die stets gelingen, wenn man beim Backen einen Kilt trägt. Unter den Geschenken war ein Templo-drei-Player, ein Gerät, mit dem man MP3-Dateien abspielen kann. Etwa Hörspiele. Nach dem Frühstück setzte sich das Geburtstagskind also aufs Sofa und "hörte Zug an".

Unterdessen brachten die Eltern das Wohnzimmer in Ordnung, denn zum Kaffee waren 14 Gäste eingeladen. Aus sechs Hausständen! Die Familie war aber nur per Videokonferenz zugeschaltet, aus Bayern, Trier, Saarbrücken und Zypern. Einige hatten Kuchen gebacken, sogar in Zug-Form. Auch Kerzen gab es mehrfach. Das Geburtstagslied gelang mit leichter Zeitverzögerung, weil das Internet Kurzarbeit hatte. In Ruhe unterhalten konnte man sich natürlich nicht. Doch auch analog geht es manchmal unruhig zu, wenn acht kleine Kinder zusammen sind. Übrigens war es das erste Mal, dass wir alle - mein Mann, ich und unsere Geschwister mit Anhang, plus Oma und Patentante - gemeinsam Geburtstag feierten. Warum musste dafür eigentlich erst eine Pandemie kommen?

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