Waschbrett ist lang schon passé

Der Azubi-Mangel macht sich auch bei Steyer Textilservice bemerkbar. Die Firma tut viel - aber eine Lösung ist noch fern.

Halsbrücke.

Die Steyer Textilservice GmbH mit Sitz im Halsbrücker Gewerbegebiet "Schwarze Kiefern" kann auf eine Unternehmensgeschichte zurückblicken, die bis in das Jahr 1763 reicht. Seinerzeit als Lohgerberei gegründet und an der heutigen Meißner Gasse in Freiberg ansässig, kam 1957 eine Wäscherei für Haushalte und kleinere Unternehmen der Region hinzu. Nach der Reprivatisierung 1990 orientierte sich der Betrieb komplett auf diesen Dienstleistungsbereich, gab das Gerberhandwerk auf und wurde Mitglied im Verbund der DBL - Deutsche Berufskleider-Leasing GmbH.

Zeiten des Wandels bedeuteten für die Firma Herausforderungen, denen man sich stellen musste. Ein Arbeitsprinzip, so Geschäftsführerin Christiane Babatz, die das Unternehmen gemeinsam mit Ehemann Udo Babatz leitet, sei es bis heute geblieben, auf Veränderungen flexibel und angemessen zu reagieren.

Für ein Problem jedoch, welches in den letzten Jahren immer größer wurde, hat man auch beim Textilservice Steyer noch keine Antwort gefunden. Es mangelt an jungen Leuten, die im Unternehmen eine Ausbildung machen möchten. In sechs verschiedenen Berufsbildern bilde die Firma aus - Textilreiniger, Servicefahrer, Fachkraft für Lagerlogistik, Fachlagerist, Industriekaufmann sowie Kaufmann für Büromanagement. 60 bis 70 Bewerbungen habe man konstant jedes Jahr, doch sei dabei inzwischen eine Unwucht entstanden. "Gab es früher 15 Interessenten für den Textilreiniger, so haben wir in diesem Jahr nicht eine einzige Bewerbung", so Personalreferentin Jacqueline Klömich.

Die jungen Leute konzentrieren sich auf den kaufmännischen Bereich. Noch vor fünf Jahren habe es 20 bis 30 Bewerbungen für den Logistikbereich gegeben. Jetzt seien es zehn gewesen. Unter den derzeit sieben Azubis seien gerade einmal zwei Servicefahrer. Doch seien diese ein gutes Beispiel dafür, warum die Nachfrage unter anderem so gering wurde. "Die Beschulung findet nicht mehr hier in der Region, sondern in Hessen statt", sagt Klömich. Das wäre schon wegen der Kosten unattraktiv. Und es habe noch einen Nachgeschmack, denn dort merkten die Azubis schnell, dass sich woanders mehr Geld verdienen lässt und knüpften schnell erste Verbindungen zu anderen Arbeitgebern.

Ihre Firma tue sehr viel, um an neue Lehrlinge zu kommen, bestätigt Christiane Babatz. So sei man auf entsprechenden Messen präsent, werbe aber auch abseits davon für die Berufe, biete Praktika und Ferienarbeit an, gehe an Schulen zur Berufsorientierung. Im Unternehmen kümmere man sich intensiv um die Auszubildenden, helfe ihnen in Hinblick auf die Berufsschule oder bei der Prüfungsvorbereitung.

Elisa Helfert hat gerade den Abschluss zur Industriekauffrau gemacht und wurde übernommen. "Mich überzeugten die flexiblen Arbeitszeiten", sagt sie. Und Lisa Marie Vogel, im ersten Lehrjahr zur Bürokauffrau, fühlt sich sehr gut aufgehoben und integriert. Nach einer schlechteren Erfahrung in einem anderen Betrieb sei sie hier genau richtig, sagt sie. Dass jedoch in einer Kernsparte der Firma, der Textilreinigung, der Nachwuchs fehlt, macht allmählich Sorgen. Es existiere wohl noch ein zu angestaubtes Bild von diesem anspruchsvollen Beruf, so die Geschäftsführerin. Mit dem Waschbrett arbeite hier doch schon seit langem keiner mehr.


Ausbildungsmarktbilanz zeigt nur leichte Veränderungen zum Vorjahr

Laut der Agentur für Arbeit Freiberg weicht die Bilanz für das Ausbildungsjahr vom 1. Oktober 2018 bis 30. September 2019 kaum von der des Vorjahres ab. Mit 1803 Bewerbern und 1704 Ausbildungsstellen bewege man sich annähernd auf dem Niveau von 2017/18, stellte Jens Burow, Geschäftsführer Operativ, fest. Das

Verhältnis von Bewerber zur Ausbildungsstelle sei etwa 1 zu 1.

Rund 80 Prozent der Bewerber seien jünger als 20 Jahre, vier Prozent älter als 25 und somit sogenannte Spätstarter. Rund elf Prozent verfügen über die Allgemeine Hochschulreife - im Jahr zuvor waren es lediglich 8,6 Prozent. Das Interesse von Abiturienten oder Fachoberschülern an einer Berufsausbildung steige.

Die Ausbildungswünsche der Jugendlichen haben sich kaum verändert. Verkäuferin und Kaufmann für Büromanagement oder im Einzelhandel stehen ganz oben. Aber: Bei Verkäufern standen 231 Bewerbern nur 181 Stellen gegenüber. Anders ist es bei manchem Handwerksberuf. So verdoppelte sich zwar das Interesse, Tischler zu werden, auf 41 Bewerber, doch stehen dem noch 102offene Ausbildungsstellen gegenüber.

Bei noch unbesetzten Stellen gibt es kaum Veränderungen. Waren es vor einem Jahr 184, so sind es jetzt 187. Bei den unversorgten Bewerbern stieg die Anzahl allerdings von 57 auf 72 an, darunter Interessenten für

die Berufe Verkäufer, Kaufmann im Einzelhandel oder Kfz-Mechatroniker.

Im Bereich von ausländischen Bewerbern kläre sich zunehmend das Sprachproblem, so Jens Burow. Das sei "ein Marathonlauf, der zu einem Drittel geschafft" sei. (wjo)

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