Weltgrößte Mineralienschau steht vor einem Umbruch

Nach Anna Dziwetzkis Weggang hat die Terra mineralia in Freiberg keine neue Spitze. An einem Gesamtkonzept wird gearbeitet, heißt es. Indes sinken die Besucherzahlen - auch wegen Corona.

Freiberg.

Ende Januar hat sich die damalige Chefin der Freiberger Terra mineralia, Anna Dziwetzki, aus der Bergstadt verabschiedet. Zehn Jahre lang leitete die studierte Kunsthistorikerin die weltgrößte Mineralienausstellung im Schloss Freudenstein. Per 1. Februar wechselte die gebürtige Polin als Direktorin zum Porzellanikon in Franken, Europas größtes Spezialmuseum für Porzellan, mit Standorten in Selb und Hohenberg an der Eger. Doch acht Monate später gibt es noch keinen Nachfolger in der Terra mineralia. Und offenbar steht die Sammlung der TU Bergakademie Freiberg vor einem Umbruch.

Denn auf eine Anfrage von "Freie Presse", wie es mit der Nachfolge aussieht und ob die Stelle des Leiters ausgeschrieben ist, teilt TU-Sprecherin Luisa Rischer lediglich mit: "Wir befinden uns gerade in Gesprächen zu einer Gesamtlösung hinsichtlich der zukünftigen Aufstellung und Leitung der Terra mineralia und wollen deshalb derzeit keine weitere Stellungnahme hierzu abgeben." Voraussichtlich werde noch im Herbst eine weiterführende Entscheidung getroffen. Auf Nachfrage ergänzt Rischer: "Die Terra mineralia bleibt aber eine wissenschaftliche Ausstellung der TU Bergakademie Freiberg mit dem Ziel, die breite Öffentlichkeit anzusprechen."

In der Zwischenzeit werde die Terra von Gerhard Heide, Professor für Allgemeine und Angewandte Mineralogie, und Kustos Andreas Massanek geleitet. Heide sei der wissenschaftliche Direktor, Massanek der Geschäftsführer - ebenso wie bei den Geowissenschaftlichen Sammlungen der TU. Massanek hat die Terra mineralia und die Mineralogische Sammlung Deutschland im 2012 eingeweihten Krüger-Haus laut der Sprecherin "entscheidend mitkonzipiert und aufgebaut". Er sei der Kustos für die Sammlungen der Pohl-Ströher-Mineralienstiftung und der Stiftung Mineralogische Sammlung Deutschland, die er neben der wissenschaftlich-systematischen Sammlung mit ihrer Ausstellung im Abraham-Gottlob-Werner-Bau betreue. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter sei er aktiv in die Lehre eingebunden und publiziere regelmäßig Artikel und Buchbeiträge. Zu all dem kommt jetzt die Terra.

In der Sammlung im Schloss Freudenstein sind "je nach Saison, Sonderausstellung und Schließzeiten" 20 bis 30 Mitarbeiter beschäftigt, sagt Luisa Rischer. Dazu gehörten auch Studierende, die als wissenschaftliche Hilfskräfte Führungen in der steinreichen Ausstellung übernehmen.

Als die weltgrößte Mineralienschau im Oktober 2008 eröffnet wurde, rechneten ihre Gründer mit 30.000 Besuchern im Jahr. Das sagte der frühere Rektor der Freiberger TU, Georg Unland, im April 2019. Über eine Million Besucher strömten in den ersten zehn Jahren in die Schau - im Schnitt jährlich etwa 100.000. Doch 2019, im elften Jahr ihres Bestehens, verzeichnete die Terra einen Knick bei den Besucherzahlen. Noch knapp 70.000Gäste konnten laut TU begrüßt werden. Und in diesem Jahr zeigen "die Schließungen und besonderen Maßnahmen der Besucherreduzierung in der Covid-19-Krise ihre Auswirkungen", so Sprecherin Rischer. Bis Ende September seien rund 30.000 gezählt worden. Zum Vergleich: Ende September 2019 waren es rund 45.000 Gäste.

Ein Zugpferd sind die Sonderausstellungen. Noch bis zum 1. November läuft "Kunstwerk Alpen". Für die Sonderausstellungen im nächsten Jahr laufen laut Rischer noch die Abstimmungen. 2022 werde es voraussichtlich um Achate gehen.

Unterdessen sagte Anna Dziwetzki auf "Freie Presse"-Anfrage: "Es war eine schöne Zeit in der Terra mineralia. Aber mein geheimer Wunsch war immer, zur Kunstgeschichte zurückzukehren. Das habe ich getan - und meine Arbeit im Porzellanikon gefällt mir super." Zur derzeitigen Situation in der Terra könne sie "von außen" nichts sagen.


Kommentar: Gesicht zeigen

Bis Ende Januar hatte die Freiberger Terra mineralia ein Gesicht: Anna Dziwetzki. Doch seit dem Weggang der engagierten Chefin nach zehnjähriger Tätigkeit in der Bergstadt sieht das anders aus. Die weltgrößte Mineralienschau hat keine Leiterin oder keinen Leiter mehr, der sein ständiges Büro im Schloss Freudenstein hat.

Dabei sollten gerade jetzt, da die Besucherzahlen sinken, alle Möglichkeiten genutzt werden, um die Touristenströme wieder in Richtung Terra zu lenken. Das beliebte Angebot "Nachts durchs Museum" ist ein erster Schritt. Und eine neue Terra-Leiterin oder ein Leiter könnten weitere Impulse geben. "Nebenbei" ist das eher schwierig.

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