Wie die Bergleute einst lebten

Regisseur Bert Fröbe hat über seinen Opa, einen hochgeehrten Bergdirektor, ein Buch geschrieben. Freiberger zückten einen Preis.

Halden, Gruben,markante Gebäude und historische Technik erinnern in der Region unübersehbar an den Bergbau und das Hüttenwesen. Jahrhundertelang prägten sie den seit dem Wochenende zum Welterbe der Unesco gehörenden Landstrich. Doch wie lebten die Bergleute einst? Darüber ist weniger bekannt. Das will Regisseur und Filmemacher Bert Fröbe, der Enkel eines im Erzgebirge hochgeehrten Bergdirektors, mit seinem Buch "So oft ihr in die Tiefe steigt - Aus dem Leben des Bergmannes Ernst Julius Fröbe und seiner Familie" ändern. Am Sonntag würdigte die Saxonia-Freiberg-Stiftung zur Eröffnung des Tages der Schauanlagen die Arbeit mit einem Anerkennungspreis.

Das Buch lebt von authentischen Notizen, denn der Autor bekam von seinem Schwarzenberger Patenonkel eine Kladde mit rund 200 alten Briefen. Geschrieben in über zehn Jahren von den Eltern seines Großvaters, ihren Söhnen und weiteren Verwandten. Sie berichten sich darin gegenseitig von ihrem Alltag. Als Bert Fröbe, der in Budapest und Berlin lebt, jüngst schwer erkrankte, beschloss er, aus dem wertvollen Material ein Buch zu machen. Mit höchstem Respekt gegenüber seinen Vorfahren schrieb er die Familiengeschichte auf, die im hiesigen Conradsdorf beginnt. Hauptheld ist sein Großvater Ernst Julius Fröbe, der hier 1851 geboren wurde, Bergschüler und Student in Freiberg war und später als Bergdirektor zwischen Schwarzenberg und Johanngeorgenstadt mehrere Gruben führte. Die in Sütterlinschrift verfassten Briefe übersetzte eine 87-Jährige, die Mutter von Herausgeberin Irina Ries von Wilsbergedition-berlin. Hagen Winter, ein Bergbaubegeisterter aus Schwarzenberg, half beim Entziffern der Aufzeichnungen von Ernst Julius Fröbe, der sein ganzes Leben handschriftlich festgehalten hat.


Das über 300 Seiten starke Buch gewährt Einblicke in das einfache und oft entbehrungsreiche Dasein der erzgebirgischen Bergmannsfamilien. Nur zu Festen backten die Frauen richtigen Kuchen, zum Beispiel Eierschecke. Wenn die Dorfbewohner Pech hatten, kam dann noch die Verwandtschaft aus Freiberg und aß alles oder den größten Teil davon auf. Oder: Der Vater von Ernst Julius Fröbe nahm einen fünftägigen Fußmarsch auf sich, um in Hohenstein-Ernstthal seinen Sohn zu besuchen, der dort nach dem Studium an der Bergakademie seine erste Stelle erhalten hatte. Vorher war Ernst Julius von Conradsdorf nach Freiberg zu Ausbildung und Studium marschiert.

Buchautor Bert Fröbe, der wie seine Vorfahren in Sachsen aufwuchs und immer noch stolz sächselt, studierte in Berlin Regie und Filmwissenschaft. Mit dem bekannten deutschen Schauspieler Gert Fröbe hat er nicht nur gemeinsame familiäre Wurzeln. "Die Bühne und der Film wurden zu unser beider Lebenselixier", so Fröbe. Derzeit bereitet er mit der Herausgeberin seines Buches zum 100. Todestag des Bergrates Ernst Julius Fröbe am 2. Januar eine Jubiläumsausgabe vor.

Zwei seiner Bücher brachte Bert Fröbe am Sonntag extra für zwei Schwarzenberger Jungen mit - den neunjährigen Alexander Ernst Julius und den siebenjährigen Maximilian Winter. Die Geschichte dahinter ist einfach. Das Buch von Vater Hagen, der aktives Mitglied im Bergbauverein "Gottes Geschick Vereinigt Feld" ist, wollten die Brüder nicht lesen. Sie wünschten sich beide ihr eigenes Buch über Ernst Julius Fröbe, den ihr Vater als Hobbybergmann und -mineraloge sehr verehrt, weil er nach seinen Worten ungewöhnlich viel für die Bergleute in Schwarzenberg und Umgebung getan hat. Deshalb trägt der erstgeborene Sohn der Familie Winter auch die Vornamen Fröbes. (an)

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1Kommentare
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  • 1
    0
    wilsbergeditionberlin
    10.07.2019

    So wunderbar! Es hat mich zu Tränen gerührt, den so liebevoll und anerkennend geschrieben Artikel zu lesen und ich habe mir alles bildlich vor Augen geführt. Das Buch ist wirklich sehr wertvoll und ich habe eine Menge gelernt beim lesen, nicht nur über die Familie und deren Leben oder den Bergbau selbst. Es ist eine unglaublich wertvolle „Lektion“ in Achtung und Anerkennung unserer Eltern, Großeltern, Urgroßeltern und eben deren Vorfahren. Alle haben ihr bestes gegeben, haben gelitten und geopfert, sich selbst aufgeopfert und lebten so einfach aber mit tiefer Würde und Liebe, so dass die nächste Generation ein leichteres und besseres Leben haben kann...genau das was unsere Eltern für uns getan haben und wir für unsere Kinder...und so geht es fort und fort. Diese Hochachtung vor den Vorfahren, ohne sie zur Schau zu stellen, war sehr deutlich und liebevoll zu spüren und zu lesen im Buch. Das hat mein Herz besonders berührt. So wertvoll zu erleben dass diese Hochachtung besonders in der heutigen Zeit (viel Egoismus und nicht so viel Gemeinsamkeit in Familien) noch gewürdigt wird und for allem geachtet, gelebt, und an nächste Generationen gegeben wird.

    übersendet per Mail von V.Sager aus Edmonton/Kanada



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