Willkommen im Kantoratslehen

Am Sonntag findet der Tag des offenen Denkmals statt. Allein in Mittelsachsen stellen sich knapp 80Gebäude vor. Eines davon steht in Langhennersdorf.

Langhennersdorf.

Kristin Boblenz steht vor ihrem Haus und begutachtet eine der frisch gestrichenen Türen, die dort im Carport auf Böcken ruhen. Vorsichtig probiert sie, ob ein altes Schloss in die vorgefertigten Öffnungen passt und wo die noch originalen Beschläge angebracht werden können.

Sowohl mit den Türen als auch mit dem ganzen Haus hat es seine besondere Bewandtnis. Bei dem Gebäude handelt es sich um das ehemalige Kantoratslehen, wahrscheinlich errichtet im Jahr 1788 als Kirchschule mit einer dazugehörigen Lehrerwohnung im Obergeschoss. "Wir haben erfahren, dass 1785 in Sachsen die Schulpflicht eingeführt wurde", erzählt Kristin Boblenz. "Deshalb wurde eine größere Schule im Ort nötig." Es gibt wohl im Pfarrarchiv eine Urkunde, die den entsprechenden Beschluss bezeugt.

Auf das Erbauungsjahr weisen noch andere Indizien hin. "Vor allem das Gewölbe lässt das vermuten", so Boblenz. "Das wurde in seiner besonderen Form nur zu jener Zeit hier in der Gegend so gebaut." Vermutet wird ein umfangreicherer Umbau um die Wende zum 20. Jahrhundert. Unter der Tapete fanden sich Schablonen-Kanten mit Elementen des Jugendstil, und auch die Fenster stammten wohl von 1910.

Es war 2012, als das ehemalige Kantoratslehen Kristin Boblenz und ihrem Mann Ive Borrmann sozusagen über den Weg lief. Von Berufs wegen waren die Thüringer damals zunächst nach Freiberg gezogen, suchten aber im Umland nach einem Heim. Bekannte wiesen sie auf das lange leer stehende Haus hin. "Erst haben wir nur mal interessehalber geguckt", erzählt Kristin Boblenz, die als Diplom-Ingenieurin für Verfahrenstechnik auf der Reichen Zeche am Institut für Energieverfahrenstechnik und Chemieingenieurwesen arbeitet. Schließlich entschlossen sie sich zu Kauf und Sanierung. Ohne die anteilige Förderung über das europäische Integrierte ländliche Entwicklungskonzept (ILE) wäre das finanziell unmöglich gewesen. Vorgaben des Denkmalschutzes gab es vor allem für die Außengestaltung.

Heute, fünf Jahre später, stehen noch immer letzte Arbeiten an. Und damit sind wir bei den Türen, deren Farbe nun inzwischen trocken ist. Eine davon ersetzt die alte Klassenzimmertür. Dort, wo noch bis vor etwa 40 Jahren gelernt wurde, findet sich jetzt immer noch ein großer Raum, der nun Küche, Ess- und Wohnbereich umfasst. Die vom Holzwurm arg mitgenommene alte Tür hatte ihren Dienst getan. Um sie wieder herzurichten, wäre der Aufwand deutlich zu groß gewesen. Zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag, an dem auch das frühere Kantorat von 11 bis 17Uhr teilnimmt, soll die neue Tür, die sich im Stil dem Original anpasst, bereits eingesetzt sein.

Die Besucher können große Teile des Hauses kennenlernen. Kristin Boblenz freut sich vor allem auf das Gespräch mit den Gästen. "Ich lerne dabei sehr viel dazu", sagt sie. Als sie 2013 sanierten, wären viele Neugierige gekommen, hätten gefragt und geschaut. Deshalb entschloss sich das Ehepaar, damals am Tag des offenen Denkmals teilzunehmen. 2014 und 2016 wiederholten sie das, in diesem Jahr nun ein weiteres Mal.

Neben Rundgängen gibt es ab 14.30 Uhr Livemusik mit der Gruppe holderFOLK. Kinder können Pausenhofspiele der Vergangenheit spielen. Viel zu erfahren gibt es über die regenerative Beheizung und die Orgelpfeifen aus dem Keller.


Friedrich-August-Schmiede

Schon zum 6. Mal öffnet die Friedrich-August-Schmiede in Rothenfurth zum Denkmaltag ihre Türen. Im Bild Mitbetreiber Tim Meyer an einer Kartoffelsortiermaschine. Von 11 bis 17Uhr können Besucher historische Handwerkskunst erleben und ausprobieren. Die nach alter Tradition angebaute "Friedrich-August-Kartoffel" kann probiert werden. Auf dem Außengelände werden Traktoren, Oldtimer und landwirtschaftliche Geräte ausgestellt, auch das Schmiedefeuer wird geschürt, und eine Medaillenpresse ist in Aktion zu erleben. (mer)


Hof am Alten Fernweg

Felicitas und Michael Trinkler laden am Sonntag von 10 bis 18 Uhr Besucher dazu ein, den Hof am Alten Fernweg an der Talstraße 29 in Niederbobritzsch kennenzulernen. Vermutlich Ende des 16.Jahrhunderts erbaut, zeugt vor allem der Keller von der ältesten Vergangenheit des früheren Gasthofes. Am Tag des offenen Denkmals wird mit einem Hoffest das 10-jährige Bestehen der sanierten Anlage gefeiert. Neben Pferde- und Tanzvorführungen ist eine Podiumsdiskussion zu Landwirtschaft und Artenvielfalt geplant. (wjo)


Bahnhof Niederschöna

Schon seit 1971 ist der Schmalspurbahnverkehr in Niederschöna eingestellt. Schienen sind nicht mehr zu finden. Auf ihrer Spur wurde inzwischen ein Rad- und Fußwanderweg angelegt. Das Wasserhaus mit Wasserkran und ein Güterwaggon erinnern allerdings noch an jene Zeit, als ab 1923 hier Züge zwischen Klingenberg und Oberdittmannsdorf verkehrten. In der Zeit von 10 bis 17 Uhr können am Sonntag sowohl Gebäude als auch Waggon besichtigt werden. Zum Ausruhen gibt es seit diesem Jahr eine Sitzbank. (wjo)

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