100 Transporte pro Tag sorgen für Ärger

Die Betreiberfirma der Lehmgrube holt Aushub vom Bau der Erdgastrasse aus der Region Sayda bis nach Hainichen. Das ist eine Gefahr für Fußgänger. Dreck auf den Straßen schürt weiteren Unmut.

Hainichen.

Bürgermeister Dieter Greysinger (SPD) hat seinem Ärger am Mittwoch auch zur Kreistagssitzung in Freiberg Luft gemacht. Schon seit Wochen fahren täglich bis zu 100 Lkw quer durch die Gellertstadt. Ihr Ziel ist die ehemalige Lehmgrube mit Zufahrt an der Frankenberger Straße. Vor allem in diesem Bereich kommen so Erde und Lehm auf die Fahrbahn. Greysinger hat bereits zahlreiche Eingaben von Bürgern auf seinem Tisch liegen, und auch er selbst findet die Situation inzwischen untragbar.

Die Lastkraftwagen transportieren Erdaushub aus der Region Sayda und Neuhausen in die stillgelegte Lehmgrube und fahren leer zurück. Es handelt sich um Erde, die vom Bau der Erdgastrasse Nord-Stream stammt. Das bestätigt Enrico Böhme, Geschäftsführer der Firma Bö-Fi Transporte in Lichtenberg, die auch die Lehmgrube in Hainichen betreibt. Er spricht von maximal 100 Ladungen pro Tag. "Pro Stunde sind es aktuell acht bis zehn Fahrzeuge, sagt Böhme.

Greysinger meint, dass es deutlich mehr Lkw sind. "Gefühlt sind es nicht rund 80 Autos pro Tag, sondern pro Stunde", so der Bürgermeister. "Nicht nur aus meiner Sicht sind die Zustände unhaltbar. Bei mehreren hundert Lkw seit mehreren Wochen ist unsere Geduld eindeutig überstrapaziert." Vor allem im Bereich Riechberg und Cunnersdorf würden bei diesem enormen Verkehrsaufkommen die engen Fahrabschnitte Gefahren im Gegenverkehr mit sich bringen. Viel schwerer wiege die Gefahr für Fußgänger, insbesondere Schüler. Zudem seien verschmutzte Straßen ein Problem, weil die Erde auf der Fahrbahn in den Morgenstunden für zusätzlich Glätte bei Frost sorge.

Die Rutschgefahr sieht Böhme nicht gegeben. "Es gibt keine Schlammbatzen, die Fahrbahn ist auch nicht glatt", entgegnet er. "Es gibt auch keine Auflagen zur Straßenreinigung. Das machen wir in eigeninitiative." Greysinger hatte bereits beim Landkreis angefragt, ob hinsichtlich der Verschmutzungen Auflagen gemacht worden seien. Landkreissprecher André Kaiser erklärte gegenüber "Freie Presse", man sei noch in der Prüfung, eine Aussage zu etwaigen Auflagen oder Einschränkungen dauere noch.

Was den Zustand der Straßen angeht, so sieht Böhme auch kein Problem: "Es sind nun mal Staatsstraßen, die wir befahren. Die sind auch nicht zu eng." Nur wenn sich im Bereich zwischen Riechberg und Bräunsdorf zwei Lkw begegneten, müsse man aufpassen. Seine Fahrer nimmt er in Schutz: "Die halten sich alle an Tempolimits." Beschwerden habe die Firma erhalten. Einige seien aber aus der Luft gegriffen, erklärt der Geschäftsführer: "Wir fahren zwar durch Freiberg, aber eben nicht durch Brand-Erbisdorf, wo wir die Straße verdreckt haben sollen."

Warum der Erdaushub quer durch den Landkreis gefahren wird, kann Böhme erklären: "Vor Ort muss die Erde weg, und ich brauche sie in Hainichen, um einen Recyclingplatz zu errichten. Mit der Erde wird der Rand der Lehmgrube verfüllt, auf der die Brecheranlage für unser Betonrecycling entstehen soll. Das soll Mitte oder Ende 2020 erfolgen, ich muss also Gas geben"

Wie viele Kubikmeter Erde insgesamt bewegt werden, wollte er nicht sagen. "Es ist aber besser, viel in kurzer Zeit zu machen, als es auf einen längeren Zeitraum zu verteilen." Laut Böhme sind es aktuell zwei intensive Woche gewesen. Ab dem heutigen Donnerstag sollen die Transporte zunächst ruhen, da die beteiligten Betriebe in die Weihnachtspause gehen. Im neuen Jahr wird es laut Böhme nochmals etwa drei Wochen mit hohem Transportaufkommen geben.

Danach soll es noch maximal zehn bis 15 Fuhren mit Erde pro Tag Richtung Lehmgrube geben. Zudem sichert er zu, die Zufahrt von der Frankenberger Straße in Hainichen bis zur Lehmgrube im nächsten Jahr zu asphaltieren, um Staub und Dreck zu vermeiden. Das soll im April erfolgen. Auch eine Sickergrube soll auf dem Gelände angelegt werden. Die Rennstrecke des Motorsportvereins Hainichen in der Lehmgrube bleibe von den aktuellen Erdbewegungen unberührt. "Das wird auch in den nächsten 15 bis 20 Jahren so sein", sagte Böhme.

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