Bananen wachsen in Madagaskar und in Hainichen

Eine Lehrerin aus der Hauptstadt Antananarivo ist noch bis Sonntag bei der Familie Zwinzscher zu Gast. Die 30-Jährige liebt die Ruhe der Kleinstadt, wundert sich aber, dass das Leben so wenig auf der Straße stattfindet.

Hainichen.

Wenn Mirana Randrianarisoa die Bananenstaude im Garten ihrer Hainichener Gastfamilie sieht, fühlt sie sich fast wie zu Hause. "Bananen gibt es bei uns auch jede Menge", sagt die 30-Jährige. Die Deutschlehrerin aus Antananarivo, der Hauptstadt von Madagaskar, ist über das Austauschprogramm des Vereins "Experimente" zu Ursula und Volkmar Zwinzscher vermittelt worden. 14 Tage lang, noch bis diesen Sonntag, weilt sie in der Gellert-Stadt.

"Ich unterrichte in Antananarivo Deutsch am Gymnasium, habe zwischen zehn und 40 Schüler in einer Klasse", erzählt die junge Frau. "Um eine Sprache lebendig werden zu lassen, muss man üben, seine Kenntnisse erweitern und auch die Kultur des Landes besser verstehen lernen", begründet sie ihren Aufenthalt in Deutschland - der dritte mittlerweile. In Hainichen ist sie allerdings das erste Mal.

Und bis auf die Bananenstaude gebe es nicht viel Gemeinsamkeiten mit ihrem Heimatort Antananarivo. Dort herrschen derzeit Temperaturen von angenehmen 20 Grad. Und auch das unterschiedliche Essverhalten ist ihr aufgefallen: "Wir essen dreimal am Tag warm, hier gibt es nur einmal am Tag eine warme Mahlzeit." Und während für die Hainichener das Stück Kuchen am Nachmittag ganz selbstverständlich ist, verspeisen die Madagassen die süße Leckerei nur zu besonderen Feiertagen. Und versteht sie den sächsischen Dialekt? "Ja", sagt die Deutschlehrerin und lacht. "Bis jetzt habe ich alles verstanden." Auch in den 22 Regionen in Madagaskar gebe es sechs unterschiedliche Dialekte. "Die Amtssprache ist aber madagassisch und französisch", berichtet sie.

"Aber Hainichen ist eine sehr hübsche und ruhige Stadt", sagt Mirana Randrianarisoa. Manchmal sogar etwas zu ruhig. "Meine Gastfamilie hat mir die Stadt gezeigt. Am Anfang habe ich mich aber gefragt, wo sind die Menschen? Es waren keine Leute auf den Straßen", berichtet die Lehrerin. Erst beim Stadtparkfest habe sie dann viele Menschen gesehen. Ein typisch deutsches Phänomen. "Hier leben die Leute mehr für sich, bei uns wird viel zusammen gemacht", sagt die junge Frau.

Neben den Sehenswürdigkeiten in Hainichen wie die Camera obscura hat Mirana Randrianarisoa mit Ursula und Volkmar Zwinzscher auch viele andere Orte besucht. So zum Beispiel die Altstadt von Dresden, die Frauenkirche, das Grüne Gewölbe und die Gläserne Manufaktur. Auch im Schlosspark Lichtenwalde waren die Drei. "Es war wie im Märchen", schwärmt Mirana Randrianarisoa. Viele Fotos habe sie gemacht und ihren Schülern allerhand zu berichten. Zum Beispiel über die Leute hier, die "freundlich, hilfsbereit und nett sind", sagt sie. Oder über die Sauberkeit in der Stadt, die deutsche Ordnung und Pünktlichkeit, die sie sehr schätze. Auch die Architektur und Infrastruktur habe ihr sehr gut gefallen.

Doch bevor es in das 1,8 Millionen Einwohner zählende Antananarivo zurückgeht, reist Mirana Randrianarisoa noch für 14 Tage nach Berlin. Dort will sie an einem Deutsch-Seminar teilnehmen. "Danach hänge ich noch ein paar Tage Urlaub in Frankreich ran", erzählt sie. "Die Familie Zwinzscher ist wirklich sehr nett", bedauert sie etwas den Abschied. Und auch Ursula Zwinzscher ist ihr Gast ans Herz gewachsen. "Mirana ist wirklich sehr angenehm, wir verstehen uns prächtig", sagt sie.


Verein fördert das friedliche Miteinander der Kulturen

Der Verein "Experimente" ist laut Pressesprecherin Hanna Sobotka eine gemeinnützige Organisation, die sich den Austausch zwischen Menschen aller Kulturen, Religionen und Altersgruppen zum Ziel gesetzt hat. "Indem wir das Zusammenleben von Menschen verschiedener Herkunft ermöglichen, wollen wir zum gegenseitigen Verständnis und dem friedlichen Miteinander der Kulturen beitragen", erklärt sie. Mirana Randrianarisoa war speziell über das Austausch-Programm für Deutschlehrer in die Gellert-Stadt vermittelt worden. "Die Teilnehmenden sind in der Regel zwischen 25 und 50 Jahren alt", so Hanna Sobotka. Sie kämen aus Ländern südlich der Sahara, zum Beispiel Kamerun, Côte D'Ivoire, Kenia und Madagaskar. "Die Gastfamilien bieten ihre Gastfreundschaft aus ideellen Gründen an und erhalten keine Bezahlung. Die Teilnahme ist kostenfrei", erklärt die Pressesprecherin. Die Teilnehmenden erhielten lediglich vom Goethe-Institut einen Kulturzuschuss in Höhe von 50 Euro für Unternehmungen in der Region. Die Gastfamilie bekäme ebenfalls einen Kulturzuschuss für gemeinsame Unternehmungen. (ug) www.experimente-ev.de

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