Erstmals Nachwuchs im Storchennest

Eine Hobbyfotografin hat drei Jungtiere in Burgstädt gesichtet. Doch ein Experte hat nachgezählt und spricht von einem Rekord in Mittelsachsen.

Burgstädt.

Eigentlich wollte Susann Wendler nur ihre neue Kamera ausprobieren. Doch dann entdeckte sie auf dem alten Schornstein an der Chemnitzer Straße eine kleine Sensation: "Im Nest des Storchenpaares lagen drei Junge." Sie habe das Trio herangezoomt. Sie wohne ganz in der Nähe und sei öfter in der Natur unterwegs, um Tieraufnahmen zu machen, sagt die 33-Jährige.

Was die junge Frau aber nicht weiß: Es liegen vier Junge im Nest, sagt Mittelsachsens Storchenbeauftragter Kai Schaarschmidt. "Das ist Rekord im Landkreis und hat es noch nicht gegeben", fügt er hinzu. In der Regel kämen zwei bis drei Junge zur Welt. Die Vögel seien vor knapp drei Wochen geschlüpft. Er sei auf den Schornstein geklettert und habe vor wenigen Tagen das Quartett gesehen. Nächste Woche sollen die Kleinen beringt werden, damit der Werdegang verfolgt werden kann. Aber er dämpft die Euphorie: "Da kann noch viel passieren." Um so eine hohe Jungenanzahl durchzubekommen, bedürfe es erfahrener Eltern und eines guten Nahrungsangebotes in der Umgebung. Es bestehe die reelle Chance, dass noch ein oder zwei Jungvögel bei entsprechend schlechter Versorgungsmöglichkeit umkommen. Am Anfang würden sich die Eltern mit dem Brüten und der Nahrungssuche abwechseln. "Aber mit etwa vier Wochen müssen Vater und Mutter beide Nahrung heranschaffen, weil der Bedarf steigt", erklärt er.


Im gesamten Landkreis sieht es mit Storchennachwuchs gut aus: In den Horsten, wie die Nester genannt werden, in Altmittweida und Penna ist je dreimal Nachwuchs zu verzeichnen. Weiterhin gibt es noch zwei Zweierbruten. "Einige Paare brüten noch", sagt Schaarschmidt. Bei diesen in Rochlitz und Frankenberg handele es sich sehr wahrscheinlich um junge Störche, welche teilweise zum ersten mal brüten und dazu recht spät gestartet haben. Insgesamt gibt es in Mittelsachsen zehn Brutpaare. "Auch das ist Rekord." In den letzten Jahren sei der Bestand des Weißstorches kontinuierlich gestiegen. Die Region profitiere vom Zuzug aus Südwesten wie Spanien, Portugal sowie Bayern und Baden-Württemberg. Dort seien die Bestände so groß, dass die Tiere dann neue Brutplätze suchen, so Schaarschmidt. Um eine sich selbst erhaltende Population zu gewährleisten, bräuchte es etwa zwei ausfliegende Jungvögel pro anwesendem Brutpaar. Das hieße bei zehn Paaren also zwanzig Junge. Spätestens im August wisse er mehr, sagt der Experte.

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