Frankenberg setzt Sozialarbeiter für Kitas und Grundschulen ein

Kinder so früh wie möglich zu fördern und Eltern in schwierigen Alltagssituationen zu helfen, ist die Aufgabe von Eric Nicolai. Denn nur ein Streetworker für die Jugendlichen reicht der Stadt nicht.

Frankenberg.

Schulsozialarbeit wird in Mittelsachsen groß geschrieben. Erst im Mai dieses Jahres hatte der Jugendhilfeausschuss beschlossen, fünf weitere Schulen in die Prioritätenliste für Schulsozialarbeit aufzunehmen. Frankenberg geht noch einen Schritt weiter: Dort gibt es jetzt einen Sozialarbeiter für Kitas und Grundschulen, kurz Sokig.

Zunächst für zwei Jahre bis Ende Mai 2020 berät Eric Nicolai Eltern mit ihren Kindern im Alter von drei bis zehn Jahren. Finanziert wird er aus Fördermitteln aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF). Knapp 70.000 Euro erhielt die Stadt Frankenberg, etwa 3600 Euro kommen als Eigenmittel hinzu. Träger der Maßnahme ist das Gemeinschaftswerk. Ziel: Kindern und deren Eltern möglichst frühzeitig bei Alltagsproblemen und in schwierigen Lebenssituationen zu helfen.

Das Projekt Sokig ist laut Sandra Saborowski, Bildungsmanagerin der Stadt Frankenberg, Bestandteil des "Gebietsbezogenen integrierten Handlungskonzepts" innerhalb der ESF-Förderung. Einen Streetworker für Jugendliche gebe es in der Stadt bereits. "Was fehlte, war ein zusätzlicher Sozialarbeiter für den Bereich vom Kindergarten bis zur Grundschule, welcher zum einen Kinder bereits in diesem frühen Entwicklungsstadium fördert. Zum anderen kommuniziert er jederzeit mit den Eltern der Kinder, um eine gute Basis für die Zusammenarbeit zu schaffen", sagt Sandra Saborowski. Aufgabe für den Sozialarbeiter für Kitas und Grundschulen sei es, betroffene Familien und deren Kinder zu begleiten und unterstützend zu helfen, damit der nächste Schritt zur Veränderung selbst gegangen werden könne.

"Die Stadt hat erkannt, dass der Bedarf auch in Grundschulen und Kindereinrichtungen besteht", erklärt Eric Nicolai. Auch die Jüngsten müssten so früh wie möglich gefördert, rechtzeitig sprachliche, motorische oder soziale Defizite behoben werden, sagt der 37-Jährige. Im Jugendalter könnte das oft schon zu spät sein.

Das beweist auch einer seiner aktuellen Fälle. "Es geht um ein Kindergarten-Kind, das aus finanziellen Gründen nur sporadisch in die Einrichtung gebracht wurde. Es hat sprachliche und motorische Probleme, wird teilweise von den anderen Kindern ausgegrenzt", berichtet Nicolai. Die Einrichtung hatte sich an den Sozialarbeiter gewandt. "Ich habe mir dann einen Termin mit der Mutter gemacht und mein Projekt vorgestellt", erzählt er weiter. "Alles ist freiwillig, die Eltern müssen keine Angst haben, mit mir in Kontakt zu treten. Es werden keine Zwangsmaßnahmen durchgeführt", betont er. Jetzt berate er die Mutter ganz individuell, es wurde nach Lösungen gesucht, damit das Kind wieder regelmäßig in die Einrichtung geht. Logopäden und Ergotherapeuten kämen in die Kita.

"Meine Tätigkeit ist vielseitig", erklärt Nicolai. Da sei zunächst die Arbeit mit den Eltern. Einige hätten Probleme, die Elternbeiträge oder das Mittagessen zu finanzieren. Er helfe, entsprechende Förderstellen zu finden. Doch die finanziellen Probleme seien meist nur die Spitze des Eisberges. "Bei den Gesprächen stellt man dann fest, dass auch psychische Erkrankungen eine Rolle spielen können, die Eltern nicht in der Lage sind, eine Struktur in die Erziehung zu bekommen", erklärt der Sozialarbeiter. Unter psychische Erkrankungen fallen für ihn auch Suchtverhalten oder Depressionen. In speziellen Workshops möchte er solche Familien zusammenbringen, damit sie sich austauschen, Probleme ansprechen.

Hinzu käme die Arbeit mit den Kindern. Dazu geht Nicolai in die Einrichtungen oder wird von ihnen angefordert. Er beobachte die Mädchen und Jungen in verschiedenen Situation, erkenne Verhaltensauffälligkeiten oder Entwicklungsstörungen, berichtet der Chemnitzer, der derzeit eine Zusatzausbildung zum Psychotherapeuten für Kinder und Jugendliche absolviert.

Und auch die Netzwerkarbeit gehört zu seinen Aufgaben. So hält Nicolai den Kontakt zu sozialen Einrichtungen, Jugendamt oder Streetworker. Je nach Fall bekommt er so Informationen, um alternative Lösungen anbieten zu können.

Sprechzeiten: Eric Nicolai ist dienstags von 8 bis 12 Uhr und freitags von 12 bis 15 Uhr sowie nach Vereinbarung unter Ruf 037206 885445 beziehungsweise 01525 7474907 zu erreichen.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...