Keine Kamera am Freiberger Bahnhof

Hürden für Installation - Datenschutz geht vor

Freiberg.

Eine junge Frau aus Afghanistan ist im April am Bahnsteig 2 auf dem Freiberger Bahnhof geschlagen und bepöbelt worden. Weil es auf den Bahnsteigen in Freiberg - genauso wie in Chemnitz oder Glauchau - keine Videoüberwachung gibt, ist die Körperverletzung nicht aufgezeichnet worden.

Zuständig für die Bahnsteige in Deutschland ist die Deutsche Bahn AG. Auf Nachfrage, warum es auf Freibergs Bahnsteigen keine Kameras gebe, erklärte ein Sprecher: "Eine flächendeckende Videoüberwachung ist aus Gründen des Datenschutzes nicht möglich. Videotechnik ist nur dann zulässig, wenn sie erforderlich, angemessen und verhältnismäßig ist." DB und Bundespolizei planen die Installation von Videotechnik gemeinsam nach bestimmten Kriterien. Am Bahnhof Freiberg sei derzeit keine Installation von Kameras geplant, so der Sprecher.

Die Bundespolizei ordnet jeden Bahnhof in Kategorien von eins bis drei ein, erläutert eine Sprecherin der Bundespolizei in Chemnitz. Kriterien dafür sind zum Beispiel die Einwohnerzahl, die Kriminalitätsrate, der bauliche Zustand des Bahnhofes, die Anzahl der Reisenden, die Frequenz der einfahrenden Züge, die Nähe zu gefährdeten Objekten. "Freiberg, Chemnitz und Glauchau beispielsweise gehören zur Kategorie 3", so die Sprecherin. Die Hauptbahnhöfe in Hamburg und Berlin gehören zur Kategorie 1; Kameras zeichnen dort in "Full HD" auf. Bis 2021 will die DB alle Bahnhöfe der Kategorie 1 mit Videotechnik ausstatten, ab 2021 dann auch Bahnhöfe der Kategorie 2. Vor 2025 werde sich an den Bahnsteigen in Freiberg, Glauchau und Chemnitz in Sachen Videoüberwachung nichts tun, so die Sprecherin.

Bitter ist im Fall der Afghanin, dass die mutmaßliche Täterin gleichzeitig mit ihr in den Zug nach Dresden gestiegen war; die Kameras im Zug haben aber zu diesem Zeitpunkt nichts aufgezeichnet. "Leider war die Kassette vom Tattag, warum auch immer, leer", sagte die Polizeisprecherin. Als Polizisten nach Ankunft des Zuges in Dresden die mutmaßliche Täterin befragen wollten, war diese bereits ausgestiegen. Bis heute habe sich niemand auf den Zeugenaufruf gemeldet. (cor)

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