Kultus zerrt Personaldecke zurecht

Für knapp 26.200 junge Mittelsachsen beginnt am Montag wieder die Schule. Dass alle einen Direktor haben, gelingt nur durch Doppelfunktionen.

Mittweida.

Im neuen Schuljahr wird es in Mittelsachsen offene Schulleiterstellen "so nicht geben; an jeder Schule nimmt eine Person die Schulleitungsaufgaben wahr und vertritt die Schule nach außen". Das erklärt Michaela Bausch vom Landesamt für Schule und Bildung. Allerdings würden dabei, so die Sprecherin weiter, mehrere Bildungseinrichtungen durch die Vize- beziehungsweise die Direktoren anderer Schulen geleitet: "Es fällt, gerade im Grundschulbereich, zunehmend schwer, Kolleginnen und Kollegen zu finden, die sich auf stellvertretende beziehungsweise Schulleitungsstellen bewerben."

Dazu komme, dass im Bereich Chemnitz des Landesamtes von 186freien Lehrerstellen nur 132 besetzt werden konnten. Etwa ein Drittel der Vakanzen betreffe Mittelsachsen. Jedoch würden "immer noch täglich neue Bewerbungsgespräche" geführt. Zusätzlich würden 88 Seiteneinsteiger ihren Dienst beginnen. "Diese Neueinstellungen tragen dazu bei, den Unterricht abzusichern", so Bausch. Bei unvorhersehbaren oder längerfristigen Ausfällen von Lehrkräften jedoch "sind wir immer weniger flexibel". Obwohl Stellen und Geld vorhanden seien, würden häufig keine geeigneten Vertretungslehrkräfte mehr gefunden. An den Oberschulen gehe dabei vor allen um die naturwissenschaftlichen Fächer, Mathematik, Deutsch und Englisch. Auch an Förderschulen fehlten Fachkräfte.

Für Michael Jung vom Sächsischen Lehrerverband steht fest, dass es an einigen Schulen im Landkreis einen eingeschränkten Stundenplan geben wird. "Es werden nicht ganze Fächer, aber doch Stunden gestrichen werden müssen", urteilt der Vize-Landeschef der Gewerkschaft. Er sehe auch kein Licht am Ende des Tunnels, so der Lehrer an der Oberschule "Clemens Winkler" in Freiberg, weiter: "Bis 2030 scheiden drei Viertel aller Lehrer in Sachsen altersbedingt aus - so viel Nachwuchs bilden wir gar nicht aus."

Landesamtssprecherin Bausch dagegen konstatiert, dass die sächsische Politik "nun Weichen gestellt" habe. So mache die Möglichkeit der Verbeamtung den Standort Sachsen für Lehramtsabsolventen attraktiver. Gleiches gelte für Referendare. Ihr Amt werbe intensiv für den Lehrerberuf, sei es auf Ausbildungsmessen oder in Schüler-Workshops "Traumberuf Lehrer". Dennoch erweise sich die Besetzung der freien Stellen als sehr schwierig, bestätigt Bausch: "Deshalb sind uns auch noch zu Beginn des neuen Schuljahres Bewerber für den Schuldienst, vor allem für Grund-, Förder- und Oberschulen, herzlich willkommen!" (jan)

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