Malimo hat Weltniveau - Schau über den Mann mit dem Koffer

Vor 50 Jahren entwickelte der Erfinder Heinrich Mauersberger das Nähwirkverfahren. Was seine Frau damit zu tun hat, erfahren Besucher in der neuen Sonderschau des Esche-Museums.

Limbach-Oberfrohna.

Die erste Wirkschule der Welt wurde vor 150 Jahren in Limbach gegründet. Und vor 50 Jahren hat Heinrich Mauersberger ein Nähwirkverfahren patentieren lassen, das noch heute Anwendung findet und eine Technologie mit Weltniveau darstellte. Diese beiden Jubiläen nimmt das Esche-Museum Limbach-Oberfrohna zum Anlass der aktuellen Sonderausstellung "... hat Weltniveau. Wirkschule und Malimo!", die bis zum 20. Oktober zu sehen ist.

Die für die Stadt bedeutenden Ereignisse sollen in der neuen Schau begreifbar gemacht werden - im Wortsinn. So bekommt der Besucher bereits am Eingang eine Art Fühlkoffer geboten. Darin befinden sich verschiedene Stoffe, darunter Vlies. "Das sind Materialproben, die Heinrich Mauersberger immer bei sich hatte", erklärt Museumschefin Barbara Wiegand-Stempel. Mauersberger, 1909 in Neukirchen/Pleiße geboren und 1982 in Bestensee bei Berlin gestorben, war also nicht nur ein Erfinder, Visionär und Tüftler, sondern er war auch als der Mann mit dem Koffer bekannt.


Bis es dazu kam, dass er mit Materialproben für Malimo werben konnte, war allerdings erst einmal eine zündende Idee nötig. Und die kam dem Erfinder im Jahr 1947 in seinem damaligen Zuhause in Burgstädt, wie eine Infotafel in der Ausstellung informiert. Ehefrau Elsbeth Mauersberger arbeitete an einer Nähmaschine und besserte eine verschlissene Tischdecke aus. Ihr Mann beobachtete sie und hatte plötzlich den genialen Einfall: Wenn man mit einer Nadel und Hin- und Hernähen ein Loch im Stoff schließen kann, dann müsste man doch mit vielen Nadeln gleichzeitig viele Meter Stoff herstellen können. Im Februar 1949 ließ Heinrich Mauersberger sein "Verfahren zur Herstellung eines Kettelwebstoffes" bei der Deutschen Wirtschaftskommission patentieren.

1962 wurde das Warenzeichen Malimo gegründet. Es wurde mit dem Spruch "Textiltechnik mit Perspektive" beworben, wie in einem weiteren Schaukasten in der Ausstellung, in dem unter anderem auch die kleine Malimo-Werbefigur sitzt, zu sehen ist. In einer großen, flachen Vitrine ist eine bunte Collage verschiedener Warenproben zu entdecken, die zeigt, dass mit den im Laufe der Jahre entwickelten Malimo-Varianten die meisten Bereiche der Stoffherstellung abgedeckt werden konnten. Von Bademänteln über Blusen und Handtücher bis hin zu Gardinen war alles möglich. Und heute? "Kein Auto ohne Malimo", sagt Barbara Wiegand-Stempel schmunzelnd. Besonders für technische Textilien, wie Unterpolsterungen im Auto oder Dämmmaterialien, kommt die Malimo-Technologie nach wie vor zum Einsatz.

Der Erfindung Mauersbergers ging 1869 aber ein anderes bedeutsames Ereignis voraus. Die sich im 19.Jahrhundert rasch entwickelnde maschinelle Fertigung stellte immer höhere Herausforderungen an das Personal - ähnlich wie heute waren Fachleute gefragt. Unternehmer aus dem Textil- und Maschinenbaubereich engagierten sich dafür, dass im Dorf Limbach, das damals kaum 6000 Einwohner zählte, die erste Wirkschule der Welt errichtet wurde. Nach nur vier Monaten Bauzeit war das Gebäude bezugsfertig, in dem sich heute der Hort der Goetheschule befindet. Der Ingenieur Gustav Willkomm, der damals erst 29Jahre alt war, wurde zum Direktor ernannt. "Plötzlich kamen Schüler von überall her hier nach Limbach", so Barbara Wiegand-Stempel. In der Ausstellung ist zum Beispiel die Urschrift des Lehrbuchs "Technologie der Wirkerei" von Gustav Willkomm aus dem Jahr 1875 zu sehen. Außerdem werden Kinder- und Puppenstrümpfe gezeigt, die vermutlich als Probestücke in der Wirkschule gefertigt wurden.

Eine komplexe Landkarte mit alten Fotos und Ortsnamen, die sowohl für die Wirkschule als auch für die Entwicklung der Malimo-Technologie eine Rolle spielten, ist derzeit auf dem Boden des Ausstellungsraumes im Esche-Museum zu erkunden. Mit Pfeilen und Linien soll die enge Verbindung zwischen Theorie und Idee, Produktion und Maschinenbau beleuchtet werden. Besonders Schülergruppen sollen sich davon angesprochen fühlen, so die Museumschefin. In Arbeit sei zudem ein Lernspiel zum Thema.

Die Ausstellung "... hat Weltniveau" ist bis zum 20. Oktober dienstags bis sonntags von 13 bis 17 Uhr im Esche-Museum an der Sachsenstraße zu sehen. Öffentliche Führungen finden am 25. August, 28. September und 20. Oktober jeweils ab 14 Uhr statt. Am 19.September ist zudem ein Gespräch mit Zeitzeugen geplant.

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