Von Siegern und Verlierern

Nicht nur in den Städten Hainichen und Mittweida haben etablierte Parteien Federn lassen müssen. In der Gemeinde Kriebstein haben sich die Mehrheitsverhältnisse im Rat geändert.

Hainichen.

Obwohl der Hainichener Bürgermeister Dieter Greysinger (SPD) auch nach der Kommunalwahl am Sonntag auf die Mehrheit der gemeinsamen Fraktion aus SPD, Linke und Freie Wähler setzen kann, ringen vor allem die Ortsverbände der etablierten Parteien mit Erklärungen für das gute Abschneiden der AfD in der Stadt.Deren Kandidat Danilo Junghans hat mit 2051 Stimmen das mit Abstand beste Ergebnis erreicht. Weil er der einzige Name auf AfD-Liste war, gelten die anderen beiden errungenen Mandate als "nicht zustellbar". Das heißt in Praxis, diese beiden Sitze bleiben im neuen Stadtrat unbesetzt.

Die gemeinsame Fraktion aus SPD, Freien Wählern und Linkspartei will, wie vor der Wahl schon angekündigt, diese Koalition fortführen und kommt insgesamt auf neun Stimmen. Die Grünen haben entgegen der Meldung vom Montag kein Mandat errungen. Jeweils fünf Sitze haben künftig CDU (minus 2) und SPD (minus 1), vier Mandate halten nun die Freien Wähler (plus 1), nur noch einen Sitz hat die Linkspartei (minus 1) im neuen Stadtrat.


"Es ist zunächst gut, dass der Bürgermeister weiterhin eine Mehrheit im Stadtrat hinter sich weiß", sagte am Montag SPD-Spitzenkandidat Kay Dramert. "Erschreckt hat mich das Ergebnis der AfD." Das sei wohl nur durch die gesamtpolitische Lage zu erklären. "Mit Kommunalpolitik hat das nichts zu tun. Hier zieht ein Mann in Fraktionsstärke in den Stadtrat ein, den kaum jemand in Hainichen kennt. Ich bin gespannt, wofür er steht", sagte Dramert.

CDU-Stadtrat Joachim Fänder, der die Liste seiner Partei anführt, bezeichnete den Wahlausgang als große Überraschung: "Es gibt Dinge, die man nicht planen kann. Dass Leute AfD wählen, ist klar. Aber das die Formel einer Personenwahl ausgehebelt wurde, war neu. Für uns heißt das, dass wir weiter mit den Bürgern im Gespräch bleiben." Mit dem CDU-Ergebnis könne er gut leben, man habe kaum Stimmen abgegeben, einen sechsten Sitz nur knapp verpasst.

Maximilian Kermes ist mit dem Ergebnis für seine Freien Wähler zufrieden: "Mit so viel Zuspruch hatte ich gar nicht gerechnet." Den neuen AfD-Abgeordneten, der in den Stadtrat einzieht, kenne auch er nicht. "Ich weiß nicht, warum die Leute, die man in der Stadt gut kennt, nicht mehr Stimmen bekommen. Da war wohl sehr viel Frust dabei." AfD-Kreissprecher Rolf Weigand war mit dem Ergebnis in Hainichen zufrieden: "Da hätten wir doch mehr Leute aufstellen können."

Mittweida: In Mittweida ist es offensichtlich, dass sich die Stimmenverluste von CDU (minus 14,4 Prozent) und Linke (minus 7,8 Prozent) im Vergleich zur Wahl 2014 in Summe als Stimmengewinn bei der AfD (plus 22,7 Prozent) niederschlagen. Mit dem Ergebnis der Wahl ist Katrin Schütte so nicht zufrieden. "Wir haben drei Sitze verloren, das enttäuscht", sagte die Mittweidaer CDU-Stadtverbandsvorsitzende am Montag. Sie nimmt an, dass es sich bei dem guten Abschneiden der AfD um ein "ostdeutsches Phänomen" handelt, bei dem überregionale Politik eine Rolle spielte. Die CDU habe zwar mit Jürgen Kitzing und Ulrich Wustmann, die nicht erneut antraten, zwei Stimmenschwergewichte verloren, sei aber mit neuen Kandidaten wie der parteilosen Gewerbering-Chefin Uta Siling gut aufgestellt gewesen. Beim Umfang mit den fünf AfD-Stadträten "wird man sehen müssen, was sie in der Stadtpolitik leisten". Schütte hofft, dass die Auseinandersetzung auch künftig sachorientiert verlaufe.

Der Linke-Fraktionschef Torsten Bachmann erkennt im guten Abschneiden der AfD einen landesweiter Trend, wonach viele Wähler so ihren Protest ausdrücken. "Am Wahlprogramm kann es nicht gelegen haben", so Bachmann. Andererseits sei es offenbar nicht den Linken zugerechnet worden, dass sie sich zum Beispiel für mehr Kontakt zum Bürger mit Einwohnerversammlungen eingesetzt hätten.

Kriebstein: Die auffälligste Veränderung in der Zusammensetzung eines Gemeinderates gab es in der Region in Kriebstein. Hier haben die Freien Wähler (FWK), die die Bürgermeisterin stellen, die CDU als stärkste Kraft abgelöst. Kam die CDU 2014 auf 51,1 Prozent der Stimmen, rutschten sie nun auf 33,3 Prozent ab. Im Gegensatz dazu gewinnt die Wählervereinigung 15,2 Prozent und hat nun acht Sitze im Rat. "Es ist ein gutes Gefühl, die Mehrheit hinter sich zu wissen", sagte Bürgermeisterin Maria Euchler (FWK). Sie führt das Ergebnis auch auf die vergleichsweise große Anzahl an Kandidaten des Wählervereins zurück. Andrea Röder-Reglich und Manuel Viertel von der CDU, die als kritisch im Gemeinderat aufgefallen waren, sind zur Wahl nicht angetreten. Dafür taucht mit dem Vorgänger von Euchler im Bürgermeisteramt ein alter Bekannter im Rat auf. "Machtspielchen" mit Christoph Merker erwartet die Rathauschefin aber nicht. "Es ist unsere Aufgabe, an einem Strang zu ziehen", so Euchler.

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