158.000 Euro für Ehrenamtliche in Mittelsachsen

Über 179 Anträge zum neuen Budget haben Kreisräte entschieden. Reibungslos lief das nicht: Ein Antrag für ein Projekt war umstritten.

Freiberg.

Zahlreiche Ehrenamtler erhalten in den kommenden Wochen Post: Einen Tag nach der Kommunalwahl haben die scheidenden Kreisräte im aktuellen Verwaltungs- und Finanzausschuss am Montagabend in einer Sondersitzung entscheiden, wer das Geld aus dem neuen Fördertopf für die Unterstützung des Ehrenamtes und der Verbandsarbeit erhalten soll: Insgesamt wurden fast 158.000 Euro bewilligt.

Der Freistaat stellt dem Landkreis dafür rund 200.000 Euro zur Verfügung. Laut einer Richtlinie fließen 50.000 Euro in die Verbandsarbeit und 100.000 Euro in die Förderung des bürgerlichen Engagements, weitere 20.000 Euro für den Tag des Ehrenamtes und 30.000 Euro für einen Ehrenamtsfonds für Mini-Anliegen und Sonderprojekte.


79 Anträge mit einem Gesamtvolumen von 371.000 Euro lagen vor: Mehr als doppelt soviel, wie im Budget vorhanden, sodass nicht alle Anträge berücksichtigt wurden: "Eine deutliche Überzeichnung, die aber auch den expliziten Bedarf eines solchen Förderprogramms widerspiegelt", so Landrat Matthias Damm (CDU). Abgelehnt wurden 23 Anträge mit einem Volumen von 94.500 Euro. Kürzungen ergaben sich beispielsweise, weil nicht alle beantragten Kosten förderfähig sind. Ausgenommen wurden auch Anträge ohne Bezug zum Ehrenamt und reine Feste, so Damm: "Wir haben stets versucht, ähnliche Projekte auch in ähnlicher Höhe zu bezuschussen oder bei Ehrungen die Zahl der Teilnehmer berücksichtigt", so Damm. Anträge und Vorhaben reichten von Ehrungen über den Kauf von Ausrüstung, Ausbildung von Helfern bis zum Kauf von Elferrats-Jacketts eines Faschingsclubs, so Damm. Dies zeige, wie lebendig das Ehrenamt ist. Engagierte Menschen bezeichnete er als Rückgrat der Gesellschaft, "ohne sie funktioniert vieles nicht, sie bringen den Landkreis nach vorn".

Wo das Geld richtig eingesetzt ist, dazu gab es am Ende dennoch eine Debatte: CDU-Fraktionschef Jörg Woidniok wollte 500 Euro, die zur Ehrung ehrenamtlicher Flüchtlingsarbeit an das Bündnis "Willkommen in Döbeln Treibhaus" gehen sollen, besser der Kreisjugendfeuerwehr zugute kommen lassen. Sein Argument, dass der Zuschuss an die Döbelner für ein sehr spezielles und lokales Projekt vorgesehen sei und bei der Feuerwehr besser aufgehoben wäre, stieß bei den Kreisräten auf Gegenwehr. Insbesondere Döbelns OB Hans-Joachim Egerer (gleichfalls CDU) warb dafür, den Betrag einem breiten Bündnis von engagierten Mitstreitern und Helfern im Umfeld des Vereins Treibhaus zuzusprechen. Dafür erhielt er auch Unterstützung von Elisabeth Schwerin (Fraktion Grüne/SPD). Mehrheitlich folgte der Ausschuss Egerers Auffassung und votierte gegen den Antrag von Jörg Woidniok.

Das Prozedere zur Prüfung der Anträge hinterfragten mehrere Kreisräte. War die lange Liste 2019 auch aus Zeitgründen vor allem im Büro des Landrates geprüft worden, so wünschen sich Vertreter mehrerer Fraktionen für 2020 eine stärkere Information der Kreisräte. (grit)


Debatte um Wahlergebnis

Schlagabtausch in der letzten Sitzung der derzeitigen Kreisräte des Verwaltungs- und Finanzausschusses des Kreistages: Nach den Wahlen vom Wochenende, die zum Wechsel beinahe jedes zweiten Kreisrates in Mittelsachsen führt, zeigte sich die scheidende Elisabeth Schwerin (Fraktion SPD/Grüne) entsetzt über das gute Abschneiden der AfD: Die Verdienstordenträgerin des Freistaates erklärte, sie schäme sich für das Ergebnis der "Partei der ewigen Nörgler". Ralf Börner (CDU) aus Leubsdorf hielt dagegen und sprach vom "ewigen Lied". Er selbst kenne viele, auf die die Beschreibung der AfD so nicht zutreffe.

Landrat Matthias Damm (CDU) warb um Selbstkritik in der Politik: Wenn über ein Viertel der Wähler die Entscheidung für die AfD treffe, dann solle man nicht auf die Wähler zeigen, sondern die Parteien sollten sich hinterfragen, so der Mittweidaer. Schwerin blieb bei ihrem Standpunkt und wies Vorwürfe, AfD-Wähler pauschal zu diffamieren, zurück. Uwe Liebscher, Fraktionschef der Freien Wähler, sprang ihr bei: Jene, die bei der AfD in der ersten Reihe stünden, verkörperten genau jene Eigenschaften, die Schwerin angeprangert hatte. (grit)

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