Abgeschnitten von der Telekom

Die Unternehmensgruppe Zwinscher & Ludwig, die über die Kreisgrenze hinaus Pflege- und andere Einrichtungen betreibt, liegt seit Monaten mit dem Kommunikationsriesen im Clinch. Als sich die Presse einschaltet, lenkt er ein.

Königshain-Wiederau.

Einrichtungen wochenlang ohne Telefon und Internet, nur teilweise funktionierende Brandmeldeanlagen, nicht eingehaltene Absprachen - Frank Zwinscher ist sauer. Seit etwa einem Jahr führt die im Königshain-Wiederauer Ortsteil Stein ansässige Unternehmensgruppe Zwinscher & Ludwig, zu deren Geschäftsleitung er gehört, einen nervenaufreibenden Schriftwechsel mit der Deutschen Telekom. Der Konzern stellt aktuell seine klassischen analogen Anschlüsse auf digitale Technik (IP) um. Doch in der Praxis hakt es mitunter gewaltig.

Wie Frank Zwinscher und der für die Kommunikationstechnik im Unternehmensverbund zuständige Mitarbeiter Max Ludwig berichten, sei die Kita in Stein Mitte April ganze zwei Wochen lang ohne Telefon und Internet gewesen. Ein Schreiben der Telekom dazu habe es nicht gegeben. Die Unternehmensgruppe betreibt sieben Einrichtungen, so die Häusliche Krankenpflege in Stein, die Kurzzeitpflege "Goldene Aussicht" in Stein, das Seniorenheim "Am Rittergut" in Frankenberg, das Pflegeheim "Die Koch'sche" in Wiederau, die Kita "Rasselbande" in Stein, die Physiotherapie "Goldene Aussicht" in Stein, die Medizinische Krankenpflege Zwinscher im thüringischen Apolda sowie den Pflege- Wohn-Komplex "Zusammen leben" in Frankenberg.

"Auch der Zentralstandort Goldene Aussicht in Stein einschließlich der Kurzzeitpflege war Ende August ohne Anschluss, und zwar eine ganze Woche lang", so Zwinscher. Doch damit nicht genug. Am 17. Juni hatte die Telekom der Kurzzeitpflege mitgeteilt, dass ihr Telefonanschluss bereits zum 13. Mai 2019 gekündigt worden war, dieser aber versehentlich noch nicht abgeschaltet wurde. Rechnungen seien trotzdem gestellt worden, erklärt Zwinscher.

Auch was den Brandschutz betraf, habe es Probleme gegeben. Denn jede der Einrichtungen verfüge über Brandmeldeanlagen mit doppeltem Alarmierungsweg - über Kabel und über Funk. Da auch diese auf IP-Technik umgestellt werden, sei ein Techniker im Oktober 2018 gekommen, jedoch unverrichteter Dinge wieder gegangen. "Trotz mehrfacher Schreiben sind die zwei Alarmierungswege erst seit Anfang Juni 2019 möglich gewesen", berichtet Techniker Max Ludwig. Doch damit nicht genug.

Am 5. März 2019 hatte die Unternehmensgruppe eine dritte Leitung für das Pflegeheim in Frankenberg beantragt, da zwei Leitungen nicht mehr ausreichend waren. Erst am 12. August sei ein Techniker gekommen, der jedoch nur eine Leitung umstellte. Seit Mitte September laufe nun endlich die dritte Leitung. Zudem kritisiert Zwinscher, dass mehrere Einrichtungen über Sammelrechnungen abgerechnet werden, obwohl jede einzelne Einrichtung eine eigene Firma darstelle.

Nachdem sich die "Freie Presse" in den Fall einschaltete, ist einiges in Gang gekommen. "Wir stehen mit Herrn Zwinscher in Kontakt. Mittlerweile laufen die betroffenen Anschlüsse einwandfrei", teilt René Bresgen von der Telekom mit. Die Gründe für die Probleme bei der IP-Umstellung seien aber noch nicht abschließend geklärt. "Möglicherweise sind sie aufgrund von Missverständnissen in der Kommunikation und fehlender Umsetzung von Absprachen aufgetreten", vermutet der Telekom-Sprecher. Hinsichtlich einer übersichtlichen Abrechnung werde an einer "zufriedenstellenden Lösung" gearbeitet, heißt es weiter. "Die Unannehmlichkeiten tun uns leid, wir entschuldigen uns bei unserem Kunden", so Bresgen.

Wie Frank Zwinscher bestätigt, habe sich dieser Tage ein Telekom-Mitarbeiter gemeldet und versprochen, sich der Probleme anzunehmen. "Ich bin gespannt was daraus wird", zeigt sich Zwinscher dennoch etwas skeptisch. Was ihn aber generell stört: "Die Netzgeschwindigkeiten in Königshain-Wiederau sind grottenschlecht." In der Pflege solle zukünftig die Digitalisierung, beispielsweise in Form von Telemedizin, Einzug halten und Prozesse optimieren. In der Kurzzeitpflege könne dann die Visite mit dem Hausarzt per Video durchgeführt werden. "In der Kurzzeitpflege in Auerstedt handhaben wir das so schon erfolgreich", sagt Zwinscher. Doch durch das langsame Internet seien diese und andere Projekte hier in der Region noch in weiter Ferne.

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