Als sich 20 Studentinnen einen Schlafraum teilten

Lehrerinnen, die in Rochlitz ausgebildet wurden, haben sich in der Muldestadt getroffen. Anlass: Vor 60 Jahren standen sie das erste Mal vor einer Klasse.

Rochlitz.

"Heute vor 60 Jahren standen wir alle zum ersten Mal vor einer Klasse, als Lehrer, mit gerade einmal 18 Jahren", sagte Ursula Barz beim Absolvententreffen mit sechs weiteren ehemaligen Lehrerinnen am Samstag in einer Rochlitzer Gaststätte. Alle sieben, so waren sie sich einig, konnten sich an diesen Tag erinnern als sei er gestern gewesen. Geredet und gedacht haben sie aber bei ihrem Treffen vor allem an die vier Jahre vor diesem 1. September 1958 - an die Zeit am Institut für Lehrerbildung (IFL).

Das Institut belegte von 1953 bis 1992 eine Etage im heutigen Johann-Mathesius-Gymnasium. Mit der Lehrerausbildung am IFL Rochlitz wurde 1954 begonnen, die früheren Lehrerinnen gehörten zu den ersten 133 Absolventen. An das Institut kamen sie mit gerade einmal 14 oder 15 Jahren aus der gesamten Region nach der achten Klasse. Der Abschluss der Klasse 10 wurde in Rochlitz absolviert.

Ausgebildet wurden die angehenden Grundschullehrer in allen Fächern, die an Grundschulen unterrichtet wurden. Dazu erlangten sie auch noch die Befähigung zum Erzieher oder zum Pionierleiter. Großer Wert sei laut Barz auf die musikalische Ausbildung gelegt, jeder habe ein Instrument beherrschen müssen und singen können. Außerdem sei jeder Tag mit einem Lied begonnen worden.

"Wir waren eine besonders musikalische Klasse", sagte Anita Nitschke. "Dabei bin ich eigentlich total unmusikalisch." Mit den anderen Frauen erinnerte sich sie an die Kulturolympiaden, die sie mit musikalischen Beiträgen immer gewonnen hätten.

Viel zu erzählen gab es auch über das Internat. Unter dem Dach im Schulgebäude habe es Schlafsäle mit Doppelstockbetten gegeben. Bis zu 20 Lehrerstudenten hätten sich einen Schlafraum geteilt. Teilweise seien zusätzlich auch Zimmer in Gasthöfen zur Unterbringung der angehenden Lehrerinnen genutzt worden.

"Die Zeit in Rochlitz war einfach toll", sagte Rosmarie Horn. Sie hatte aus Stralsund die weiteste Anreise. "Die Tage waren streng eingeteilt. Vormittags Unterricht, gemeinsames Mittagessen, Hausaufgabenzeit, Abendessen und dann noch Lernzeit bis 21 Uhr. Auch am Samstag hatten wir Unterricht", erzählte sie. Dennoch sei auch Zeit geblieben, die Region zu erkunden oder gemeinsam ins Kino zu gehen. Zusammen habe man auch Winterurlaube und Einsätze in der Landwirtschaft absolviert und anders erlebt, was an dem Abend durchs Erzählen aus der Vergangenheit ins Heute geholt wurde.

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