Ansturm auf neuen Discounter

Nach knapp einem Jahr Bauzeit ist die Netto-Filiale in Lunzenau eröffnet worden. Wie andernorts, zum Beispiel mit dem Neubau in Penig, versuchen die Discounter, mit größerer Verkaufsfläche und einem höher- wertigen Angebot den klassischen Supermärkten Paroli zu bieten.

Lunzenau.

10 Uhr gestern auf dem Gelände des neu gebauten Nettomarktes an der Rochlitzer Straße in Lunzenau: Der Parkplatz ist rappelvoll, bei den Einkaufswagen gibt es Engpässe, sie werden gar nicht erst eingehangen, sondern gleich von einem Einkäufer zum nächsten weitergegeben. "Wir haben diese Einkaufsmöglichkeit sehr vermisst, denn wir wohnen gleich in der Nähe und konnten zu Fuß einkaufen gehen. Schön, dass das nun wieder geht", sagten Erika und Jürgen Meixner. Vor knapp einem Jahr war der alte Markt geschlossen, abgerissen und an selber Stelle ein Neubau errichtet worden, der gestern eröffnet wurde.

"Ich habe den Bau vom Balkon aus beobachten können. Das ging wirklich flott voran", sagte Andrea Müller. Eine 70-Jährige, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, war mit Absicht nicht gleich 7 Uhr zur Eröffnung gekommen. "Ich dachte, der Andrang legt sich etwas, aber das dachten wohl die vielen anderen auch." Mit dem Angebot im Markt ist sie sehr zufrieden. "Es gibt mehr frisches Obst und Gemüse und insgesamt ist es geräumiger." Sie habe sich erst einmal einen Überblick verschafft und nur Kleinigkeiten gekauft. "Ich habe kein Auto. Aber heute Abend komme ich mit meinem Sohn noch einmal. Dann kaufen wir mehr und ich weiß gleich, wo alles zu finden ist.

Freude herrschte gestern auch bei Stadtchef Ronny Hofmann (CDU). "Der neue Markt und die Bäckerei erweitern das Angebot und sichern die Versorgung unserer Stadt langfristig ab", sagte er. Die Einrichtung des Marktes bezeichnete er als gelungen und qualitativ hohen Ansprüchen genügend. Bei dem Neubau hätten der Investor und Projektentwickler eng mit der Stadt zusammengearbeitet. Lob fand Hofmann für den reibungslosen und zügigen Bauablauf.

Rund ein Dreivierteljahr haben die Bauarbeiten nach dem Abriss für den neuen Markt gebraucht. Der alte Markt wurde im September 2017 abgerissen. "Der neue Discounter ist nach modernsten Baustandards errichtet worden und zeichnet sich durch eine hohe Energieeffizienz aus", sagte Stefan Wiesnet, Expansionsleiter der bauausführenden Firma Ratisbona. Die Gesamtverkaufsfläche beläuft sich seinen Angaben zufolge auf 1130 Quadratmeter von denen rund 30 Quadratmeter auf die Bäckerei entfallen. Auf dem 7500 Quadratmeter großen Grundstück sind 70 Parkplätze entstanden.

Ratisbona agiert deutschlandweit und hat 2017 unter anderem auch in Mittweida und Geringswalde Märkte gebaut. Aktuell wird laut Netto-Unternehmenssprecherin Stefanie Adler ein neuer Markt in Penig errichtet.

Gerd Hessert, Honorarprofessor für Handelsmanagement an der Universität in Leipzig, kennt die Strategie von großen Handelskonzernen: Weil die Discounter Marktanteile an klassische Supermärkte wie Rewe und Edeka verloren haben, seien sie im Zugzwang. "Sie versuchen ihre Produkte höherwertiger zu präsentieren und vergrößern sich." Dass die Discounter auf Neubauten setzen, sei kein spezielles Netto-Phänomen. Viele der alten Märkte ließen sich nicht im Bestand ausbauen, sagt er, weil dann Parkflächen wegfallen würden. Zudem sei ein Umbau bei laufendem Geschäft für die Unternehmen häufig nicht lukrativ, weil das den Umsatz schmälert. (mit juerf)

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