Bei Steimle ist das Publikum immer bereit

Heimat ist für ihn Dialekt, "fourschbar" des Sachsens Lieblingswort, Friede und Sozialismus Teil des Programms: Der Dresdner Kabarettist Uwe Steimle hat mehr als 500 Besucher in Rochlitz begeistert.

Rochlitz.

Es ist gerade 20 Uhr, die Bühne noch spärlich beleuchtet, da beginnen die ersten Zuschauer mit Händeklatschen im Rochlitzer Bürgerhaus. "Das ist Rochlitz. Wir sitzen hier seit zwei Stunden und nun kann es losgehen. Für Frieden und Sozialismus seid bereit", ruft Uwe Steimle und betritt die Bühne. "Immer bereit" schallt es dem Dresdner Kabarettisten entgegen.

Es folgt ein Abend unter dem Titel "Heimatstunde", der erst nach zwei Zugaben und zahlreichen Autogrammen und Fotowünschen gegen 23 Uhr enden wird. Mehr als 500Gäste nimmt Steimle mit durch sein Programm.

Der 53-Jährige lächelt und stimmt "Die Heimat hat sich schön gemacht" an. Ohne Zögern singt das Publikum im ausverkauften Saal mit. Einige Textpassagen interpretieren die Gäste sogar ganz allein, zum Dank kniet Steimle am Ende nieder. "Es ist unglaublich, wie viele sich an diese Lieder erinnern, manche haben sie über 20 Jahre nicht gehört, und sofort ist der Text aber wieder da", stellt der Kabarettist fest.

Während des Auftritts erklärt Uwe Steimle unter anderem, dass "fourschbar" das Lieblingswort der Sachsen sei. An der Zustimmung im Saal ist spürbar, was viele denken: Stimmt, wie oft sagt man selbst "ist das nicht fourschbar".

Steimle schafft es an diesem Abend, scharfzüngig und zugleich charmant den Finger in zahlreiche Wunden zu legen. Das Publikum dankt ihm für seine Offenheit mit reichlich Zwischenapplaus.

Ein Pärchen aus Obergräfenhain ist begeistert: Steimle spreche Probleme an, sei kritisch und meine das auch so, das sei nicht gespielt. Er mache nachdenklich, äußert das Paar. Horst Esche aus Rochlitz wünscht sich, dass die großen Politiker mal in Steimles Vorstellungen kommen sollten: "Er trifft den Nagel auf den Kopf. Es ist viel Wahrheit in wenigen Sätzen. So stark haben wir seinen Auftritt nicht erwartet", so der Besucher.

Alexander Harnack, ein Fan aus Mittweida, schätzt an Steimles Darbietung, dass jener die sächsische Mundart bewahrt. Uwe Steimle selbst stellt fest: "Heimat ist für mich Dialekt. Ich bin von hier und rede deshalb sächsisch, man ist immer erkennbar."

Mit dem Lied "Unsre Heimat", das alle mitsingen können, geht ein unterhaltsamer, aber auch nachdenklich machender Abend des Kabarettisten zu Ende. Bei der Autogrammstunde ist Steimle dann seinem Publikum nochmals ganz nah: Als sich die Besucher sein Signum holen, sind sie voll der Lobesworte: Mit "geniale Vorstellung", "sehr schöner Abend", "Bleiben Sie so ehrlich, wie sie sind!" und "Danke für die Erhaltung der sächsischen Sprachkultur" verabschieden sie sich von ihrem Unterhalter.


Leben eines "Ostalgikers"

Uwe Steimle wurde 1963 in Dresden geboren, als Arbeiterkind, wie es auf seiner Internetseite heißt. "Theateraufführungen in der Schule, russische Märchenfilme im Fernsehen und viele andere Figuren der Filmwelt" ließen in ihm den Wunsch wachsen, selbst Schauspieler zu werden. Nach der Schule lernte er zunächst Industrieschmied im Edelstahlwerk Freital.

Von 1985 bis 1989 studierte er an der Theaterschule "Hans Otto" in Leipzig. 1989 wurde er Mitglied des Dresdner Kabaretts "Herkuleskeule". Von 1991 bis 1994 war er Mitglied des Staatsschauspiels Dresden. Er schuf die Figur Günther Zieschong, ist als Stimmenimitator Erich Honeckers bekannt und ermittelte von 1993 bis 2009 als Hauptkommissar Jens Hinrichs in der TV-Serie "Polizeiruf 110". Steimle ist unter anderem Autor des Hörbuchs "Der Zauberer von Ost" und spielte im Film "Sushi in Suhl". Seit 2013 präsentiert er im MDR die Sendung "Steimles Welt". Er ist Träger mehrerer Kabarettpreise, lebt in Dresden und hat zwei Töchter.

Sein Wirken hat auch Kritiker auf den Plan gerufen. Alexander Jürgs, Autor der Tageszeitung "Die Welt", bezeichnete ihn 2015 als "fanatischen Ostalgiker". Den Begriff verwendet Steimle allerdings auch selbst. (fmu)

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