Besonderer Blick für alltägliche Details

Iris Zschocke ist als Bauleiterin viel auf Baustellen unterwegs. Ausgleich findet sie beim Fotografieren in der Natur.

Altgeringswalde.

Die gestochen scharfen Rippen erschlafften Herbstlaubs, wie mit Lack überzogene glänzende Flügel von Marienkäfern, von Efeu umschlungenes bizarres Astwerk, in Blei gefasstes Fensterglas im Gegenlicht oder die filigranen Flügel einer Libelle: Iris Zschocke, seit mehr als 20 Jahren in Altgeringswalde zu Hause, hat den Blick für Details, die im Alltag untergehen. In diesem Jahr zeigte die 53-Jährige erstmalig einen Teil ihrer Arbeiten innerhalb einer vom Verein "Kunst offen in Sachsen" initiierten Aktion.

"Ohne den 'Anschubser' durch meine Freundin Ulla Heinicker wäre ich sicher nicht auf die Idee gekommen, damit an die Öffentlichkeit zu gehen", sagt sie. Doch ihr hätten die gelöste Atmosphäre, das Interesse der Gäste und anregende Gespräche so gefallen, dass eine neuerliche Beteiligung an den offenen Ateliers durchaus für sie in Frage komme. Nicht zuletzt habe das Fachsimpeln mit den Besuchern Spaß gemacht. "Ein älterer Herr kam mit der Frage auf mich zu, wie ich bestimmte Effekte erzeuge", erzählt Zschocke. Er habe den gleichen Kameratyp, allerdings seien seine Ergebnisse andere, und er hätte gern einige Tipps. "Der Mann eilte dann sofort nach Hause, holte seinen Fotoapparat, und ich zeigte ihm, was mit der 'Praktica' unter anderem möglich ist."

Iris Zschocke schwört auf ihre kleine kompakte Spiegelreflexkamera. "Das Gerät ist nichts Besonderes, hat aber alles, was ich brauche." Sie arbeite viel mit Graustufen, Farbfiltern und auf Basis sogenannter Makrofotografie - einem Effekt, der das Objekt sehr groß und detailliert wiedergibt. "Faszinierend, was sich da rausholen lässt", urteilt sie. Anfangs habe sie mehr oder weniger experimentiert und alle manuellen Einstellungen durchprobiert. "Ich war glücklich, als ich die 'Makro-Taste' für mich entdeckte", sagt sie und lacht. Sie wünscht sich, dass Andere wieder mehr hinschauen. Auf die Kleinigkeiten, das Unscheinbare, das scheinbar Nebensächliche.

Fotografieren ist für die verheiratete Mutter eines erwachsenen Sohnes willkommener Ausgleich zum Beruf. Die Bauingenieurin arbeitet als Bauleiterin für ein Architekturbüro in ihrer Geburtsstadt Döbeln. Eine Profession, die sie ausfüllt. Erst recht in einer Zeit wirtschaftlicher Konjunktur, in der die Baubranche boomt und sie mit Ausschreibungen, Bewertungen und Submissionen gut zu tun hat und viel auf Baustellen vor Ort ist. Sie mag den Mix aus nüchternem Industriebau und der Vielfalt, wie sie etwa aktuell die Sanierung der kleinen Nauhainer Kapelle mit sich bringt und ein enges Hantieren mit dem Amt für Denkmalschutz und den Restauratoren gefragt ist. Hat Iris Zschocke neben einem vielschichtigen Job und ihrer Vorliebe fürs Fotografieren dann noch Zeit, wartet der rund 500 Quadratmeter große Garten oder die dreijährige Retriever-Dame Josi, mit der sie die Altgeringswalder Fluren durchstreift. Und nicht zu vergessen ihre Mitarbeit im Vorstand des Ehrenberger Vereins "Centro Arte Monte Onore".

Vor Jahren hätte sie auch noch geschauspielert, diese Passion allerdings aus Zeitgründen aufgeben müssen. Stattdessen profitiert der Verein jetzt von ihrem beruflichen Know-how. Oder vielleicht sogar demnächst von einer Schau ihrer ausdrucksstärksten Fotos.


Kunst offen in Sachsen

Künstler aus ganz Sachsen öffneten im Juni ihre Ateliers, Arbeits- und Ausstellungsräume für Besucher. Anlass war die dreitägige Veranstaltung "Kunst offen in Sachsen", die in diesem Jahr bereits in die 13. Runde ging. Rund 250 Kreative waren dabei - darunter Maler, Grafiker, Bildhauer, Fotografen, Keramiker, Holz-, Schmuck-, Textil- und Metallgestalter.

Aus Mittelsachsen beteiligten sich neben Iris Zschocke unter anderem der Kupferstecher Falk Geißler aus Rochlitz, die Künstlerin Ulla Heinicker aus Geringswalde, der Künstler Pier Giorgio Furlan aus Ehrenberg, der Naturgarten Altenhof in Leisnig, der Werkraum Lichtenau, die Dorfgalerie Auerswalde sowie die Malerin Martina Schubert aus Lichtenau, das

Atelier Lichtblau und die Malerin Kathi Schmidt-Stagge aus Niederwiesa.

Der nächste Termin steht bereits fest. Vom 19. bis 21. Mai 2018 werden Sachsens Künstler ihre Ateliers erneut präsentieren. Wer nicht so lange warten will, findet auf der Website der Veranstaltung eine Liste aller teilnehmenden Künstler mit Kontaktdaten, um einen individuellen Besuch zu vereinbaren. (lkb)

www.kunstoffeninsachsen.de

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