Burgstädter Abiturient ist einer der weltbesten Geografieschüler

Mit einer Bronzemedaille ist ein 18-Jähriger von der Geo-Olympiade aus China zurückgekehrt. Nicht nur dort verblüffte er mit seinem guten Orientierungssinn.

Markersdorf/Claußnitz.

Die 20wichtigsten Staats- und Regierungschefs trafen sich Anfang September zum G20-Gipfel im chinesischen Hangzhou. Dabei ging es auch um die Klimaerwärmung - allerdings ohne konkrete Einigung bei den Lösungsansätzen. Das hat auch Pascal Semper vermisst. Der 18-jährige Abiturient aus dem Claußnitzer Ortsteil Markersdorf war kurz zuvor in China und hat auch Hangzhou besucht. Allerdings war er nicht zum Urlaub dort, sondern hat als einer von vier besten Geografie-Assen Deutschlands an der Internationalen Geografie-Olympiade teilgenommen und eine Bronzemedaille gewonnen.

Die sächsische Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) freute sich über den Erfolg, kommt doch der Schüler aus "ihrem Burgstädter Gymnasium", wo sie selbst zur Schule ging und unterrichtet hat. Das vierköpfige Deutschland-Team erhielt eine Silber- und drei Bronzemedaillen. Silber erkämpfte Sebastian Bürger vom Gymnasium Torgau. "Die beiden haben Sachsen würdig vertreten", sagte Kurth. Es hatten 174 Jugendliche zwischen 16 und 19 Jahren aus 45 Ländern an der Olympiade teilgenommen.

Zu Hause angekommen, musste Pascal viel erzählen über den Besuch in der verbotenen Stadt, auf der Chinesischen Mauer und im Olympia-Park in Peking. Nur mit dem Essen habe er sich nicht anfreunden können: "Immer das Gleiche: Reis, das gleiche gekochte Gemüse und Fleisch früh, mittags sowie abends." Die ersten zwei Tage sei das reizvoll gewesen, aber dann habe er auch Appetit auf etwas anderes gehabt.

Auf den Erfolg hat er mit seinen Eltern und dem jüngeren Bruder Yannik mit einem Glas Sekt angestoßen. Dabei hat er auch von den Prüfungen berichtet, die alle in Englisch zu bewältigen waren. Mutter Annett Semper schüttelte nur mit dem Kopf, als sie davon hörte, dass gleich am ersten Tag ein Test mit sechs Klausuren über drei Stunden geschrieben wurde. Dabei habe er beispielsweise eine Frage über Windströme in Grönland - sogenannte tip jets - beantworten müssen, erläutert er. Das Fragenspektrum sei sehr breit gefächert gewesen. Zum Beispiel: Warum unterscheiden sich Flugrouten zwischen Kalifornien und Japan je nach Flugrichtung? "Ich selbst bin zwar noch nie diese Strecke geflogen. Allerdings kann man sich die Antwort über die Windsysteme der Erde einfach herleiten", erläutert Semper. In diesem Fall sei der Jetstream die Lösung gewesen. Am Ende hatte er noch einen Multimediatest zu bestehen. Grafiken, Satellitenbilder, Statistiken und andere Bildmaterialien mussten richtig bestimmt werden. Dankbar sei er, dass er an einem Wochenende bei einem Trainingslager in Leipzig von Geografielehrern sehr gut vorbereitet worden sei. Außerdem habe er vorher Übungsaufgaben erhalten.

"So ein Wettbewerb ist spannend, und man sammelt viele wertvolle Erfahrungen", sagt Pascal Semper, der das Abitur mit Note 1,3 absolviert hat. So habe er in einem Pekinger Stadtteil einiges kartografieren und zu einem Wohnpark dort Vorschläge machen müssen, wie dieser hinsichtlicht Nachhaltigkeit und Lebensqualität verbessert werden könnte. "Das war ein großer Wohnpark mit etwa 15 Häusern und etwa 25.000 Einwohnern", sagt er. Es habe auch viel Grün gegeben. Aber Restaurants, Erholungs- und Spielplätze habe er vermisst.

"Es ist schon alles gigantisch in China", sagt der 18-Jährige. Allein die Dimensionen in der 21,5-Millionen-Metropole Peking seien unvorstellbar. "Das ist nichts für mich", fügt er hinzu. Aber er habe sich dank seines guten Orientierungssinns gut zurechtgefunden, den er schon als kleiner Junge beim Wandern mit seinem Opa Heinz Meister geschärft habe. "Pascal hat immer alle Strecken im Kopf", sagt Vater Steffen Semper. Im Urlaub brauche die Familie deshalb nie ein Navigationsgerät. Das war auch im Sommer auf der Fahrt in den Urlaub nach Holland wieder der Fall. Bei Bremen war ein Stau. "Pascal gab Anweisungen, wie wir den umfahren können."

Ab Oktober studiert Pascal Geophysik an der Bergakademie Freiberg. Vielleicht könne er mit seinem Wissen später Menschen vor Naturkatastrophen warnen oder neue Wege der Energiegewinnung erforschen, sagt er.


Tests in Englisch

Die internationale Geografie-Olympiade i-Geo ist ein Wettbewerb für die besten 16- bis 19-jährigen Geografieschüler aus der ganzen Welt. Sie wird jedes Jahr in einem anderen Land durchgeführt. Dabei wird jedes teilnehmende Land von vier Jugendlichen repräsentiert. In Deutschland hatten diese sich über Regional- und Bundeswettbewerb qualifiziert. Während der Olympiade finden an vier bis fünf Tagen eine Reihe von praktischen und theoretischen Tests statt. Daneben gibt es Exkursionen. Die offizielle Sprache ist Englisch.

Der neue Wettbewerbs-Zyklus beginnt im September 2017 mit nationalen Geo-Wettbewerben. Ab Frühjahr gibt es dazu Infos im Internet. (bj)

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