"Der Kontakt zu Wechselburg ist nie abgerissen"

Alexander Graf von Schönburg bei Messe für seine verstorbene Schwester zu Besuch in der Heimat seiner Familie

Wechselburg.

Mit einer Messe ist der verstorbenen Maya Felicitas Gräfin von Schönburg-Glauchau, Mitglied eines alten sächsisch-thüringischen Adelsgeschlechts, am Montagabend in der Wechselburger Basilika gedacht worden. Gleichzeitig wurde an den Übertritt der gräflichen Familie zum katholischen Glaube vor 150 Jahren erinnert. Babette Philipp sprach darüber mit Alexander Graf von Schönburg-Glauchau.

Freie Presse: Herzliche Anteilnahme am Tod Ihrer Schwester. Was haben Sie an ihr geschätzt, was war sie für ein Mensch?

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Alexander Graf von Schönburg: Sie war die älteste Tochter und als solche immer unsere Nummer eins, unser Dreh- und Angelpunkt, eine Person mit unglaublicher Ausstrahlung und Lebensfreude. Ihr flogen die Herzen zu. Ihr Tod hinterlässt ein tiefes Loch in unserer Familie.

Für Ihre Schwester hat in Wechselburg eine Seelenmesse stattgefunden. Warum dort?

Seit mehr als 300 Jahren ist Wechselburg das Zuhause meiner Familie. Nach dem Krieg wurden wir zwar von den sowjetischen Besatzern vertrieben, das ändert aber nichts daran, dass die Region unsere Heimat ist. Der Kontakt zu Wechselburg und in die Region ist nie abgerissen. Mein Vater ist nach dem Mauerfall wieder hergezogen, ebenso sein jüngster Bruder. Er lebt seit mehr als 20 Jahren mit seiner Frau Madeleine in Glauchau.

Ihr Vater hat bis zum 17. Lebensjahr im Wechselburger Schloss gewohnt. Hat er Ihnen und Ihren Geschwistern von seiner Kindheit und Jugend in Wechselburg erzählt?

Am spannendsten fand ich die Geschichten, die sich um die Flucht rankten. Mein Großvater Carl fiel in den allerletzten Kriegstagen. Als die Russen heranrückten, saß meine Großmutter mit ihren acht noch minderjährigen Kindern zitternd im Schloss. Mein Vater Joachim, genannt Jockl, war plötzlich der Mann im Haus. Mit seiner Mutter und seinen jüngeren Geschwistern flüchtete er in den Westen. Sobald alle in Sicherheit waren, kehrte er aber zurück. Er erzählte mir, dass er in ein Mädchen verliebt war, deren Vater ein kommunistischer Funktionär war. Bei einem Schäferstündchen soll sie ihn gewarnt haben: ,Du, Jockl, wenn Du morgen nicht abhaust, wirst du verhaftet.' Er war als Adeliger ein sogenannter Klassenfeind. Im Morgengrauen machte er sich auf und floh zum zweiten Mal.

Sie leben in Berlin, Ihr Onkel, Georg Graf von Schönburg, in Glauchau, Ihre ältere Schwester, Gloria Fürstin von Thurn und Taxis, in Regensburg. Alle haben bei der Seelenmesse Abschied genommen. Kommen alle regelmäßig nach Wechselburg?

Oh ja. Mein Vater liegt da begraben, die Verbindung zu den Benediktiner-Mönchen, die jetzt die Hausherren sind, ist eng. Wir sind ihnen sehr dankbar, dass sie diesen für uns so wichtigen Ort pflegen und zu einem geistigen Zentrum in Sachsen gemacht haben.

Das Schloss ist in keinem guten Zustand. Aber ein Investor interessiert sich für die Immobilie.

Der Verfall ist traurig. Ich verstehe nicht, dass der Freistaat nicht größere Mühe aufwendet, dieses Kulturdenkmal zu erhalten. Es beschleicht mich ein ungewisses Gefühl, wenn ich den Begriff Investor höre. Ich hoffe, dass er den einmaligen Charme dieses Ortes bewahrt.

Vor 150 Jahren ist Ihre Familie zum katholischen Glauben konvertiert. Was ist überliefert?

Für unsere Familie hat der 19. März 1869 große Bedeutung. Was es damals hieß, in einer protestantischen Region zum katholischen Glauben zu wechseln, ist heute schwer nachzuvollziehen. Für die konservativ-protestantischen Adeligen war das ein Skandal, für die Behörden ein Ärgernis. Nur ein Beispiel: Als im Schlosspark Fronleichnamsprozessionen abgehalten wurden, durften ausschließlich Mitglieder der Familie und Hausangestellte daran teilnehmen. Um das durchzusetzen, wurde den Bürgern der Zutritt zum Schlosspark verboten, Polizisten hielten Wache. Heute stehen katholische und evangelische Christen Seite an Seite. Der wunderbare Kirchenchor, der zur Messe sang, war ökumenisch.


Der Heimat ihres Vaters eng verbunden - Ehen mit Friedrich Christian Flick und Stefan Hipp

Maya Felicitas Gräfin von Schönburg-Glauchau, 1958 in Stuttgart geboren, war die älteste Tochter des 1998 verstorbenen Joachim Graf von Schönburg-Glauchau. Mayas jüngere Schwester Gloria heirate 1980 den Fürsten von Thurn und Taxis und wurde als "Fürstin Gloria" bekannt. Maya heiratete 1985 Friedrich Christian Flick, den Enkel des Stahl-und-Rüstungsindustriellen Friedrich Flick. 1993 ließ sich Gräfin Maya scheiden. Aus der Ehe gingen zwei Söhne und eine Tochter hervor, aus der späteren Beziehung mit dem Babynahrungs-Unternehmer Stefan Hipp eine weitere Tochter. Ihren Lebensmittelpunkt hatte Gräfin Maya in einem Haus außerhalb von London, war aber der Heimat ihres Vaters eng verbunden. 2011 erkrankte Gräfin Maya an Krebs. Sie starb am 27. Januar 2019 im Haus ihrer Mutter in München und wurde am 2. Februar auf dem Münchner Nordfriedhof beigesetzt. (bp)

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