Der schwere Abschied vom "Regenbogen"

Petra Wünsch hat 19 Jahre lang die Kita in Wiederau geleitet. Nun geht sie in den Ruhestand - mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Wiederau.

Noch ein paar Tage wird Petra Wünsch ihren gewohnten Arbeitsweg zur Kita "Regenbogen" gehen. "Am 26. Januar ist mein letzter Arbeitstag, aber das ist für mich noch in weiter Ferne und nicht wirklich real", sagt die Leiterin der Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) Kindertagesstätte nachdenklich.

Die 63-jährige Wiederauerin hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht und den Schritt zu ihrem vorzeitigen Renteneintritt lange überdacht. "Ich habe meinen Lebenstraum mit vielen Höhen und Tiefen gelebt und war mein ganzes Leben für andere da, meine Familie musste oft hinten anstehen. Das soll sich jetzt ändern. Ich freue mich besonders auf die gemeinsame Zeit mit meinen Mann Dietmar", berichtet Petra Wünsch.

Ihr einstiger Wunsch nach einer Lehrerausbildung scheiterte an den wenigen freien Stellen und so bot man ihr die Ausbildung zur Kindergärtnerin an. "Das habe ich bis heute nicht bereut". Ihre erste Stelle war im Kindergarten in Topfseifersdorf. Eine familiäre Einrichtung mit zwei Gruppen. "Es war ein idealer Start. Meine Chefin Edith Metzler hat mich von Anfang an in die Leitung mit eingebunden", berichtet Petra Wünsch, die dann 1978 in den Erntekindergarten nach Wiederau wechselte.

Der Bedarf an Betreuungsplätzen wuchs, sodass die Gemeinde einen neuen Kindergarten im ehemaligen Möbellager schuf, die heutige Kita "Regenbogen", und sie dort zu arbeiten begann. Bis 2002 war sie als Gruppenerzieherin und als stellvertretende Leiterin tätig. Dann schied ihre bisherige Chefin aus. "Ich musste mich innerhalb von 15 Minuten entscheiden, ob ich die Leitung übernehme und tat es. Ich konnte dadurch Dinge schaffen, durch die es den Kindern gut ging und geht. Das war immer mein Hauptanliegen", erklärt die Wiederauerin, die die Leitung des "Regenbogens" nun seit 19 Jahren innehat.

"Das wichtigste für mich war immer die Kommunikation im Team, mit den Eltern und den anderen Verantwortlichen. Die Kinder werden hier mit liebevoller Konsequenz betreut. Der Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung ihres Selbstwertgefühls. Wir wollen den Kindern stets vermitteln, dass alle wichtig sind, egal ob sie still, zurückhaltend, laut oder schwierig sind. Das ist die Kunst der unserer Erziehung", erklärt die Leiterin.

Der Wiederauer Kindergarten, der sich in Trägerschaft der Johanniter-Unfall-Hilfe, Regionalverband (RV) Meißen/Mittelsachsen, befindet, wurde 2010 zu einer Integrativen Einrichtung. Dafür bildete sich Erzieherin Anja Zieger zur Heilpädagogin weiter, und es wurden die notwendigen räumlichen Voraussetzungen geschaffen. 2015 startete ein weiterer, lang geplanter Umbau der Kita zur Aufnahme von einjährigen Kindern. Allerdings fehlte lange Zeit das notwendige Geld dafür. Petra Wünsch sprach damals viele regionale Firmenchefs auf Spenden an. Schließlich konnte durch eine großzügige Gabe eines mittlerweile verstorbenen Wiederauers mit den Bauarbeiten begonnen werden.

Jetzt werden in der Kindereinrichtung zehn Kinder im Krippenbereich betreut. Für Kindergartenkinder stehen bei Bedarf 40 Plätze zur Verfügung. "Als Leiterin bei der JUH-Einrichtung kann man sich voll auf die Unterstützung durch den Träger verlassen. Besonders unser Vorstand Dirk Roscher stand mir immer zur Seite", lobt Petra Wünsch.

Sie denkt dankbar und gern an all die wunderbaren Kinder, an die vielen Feste und Feiern in ihrem Arbeitsleben zurück, aber auch an die Eltern, ohne die ihre Arbeit nicht möglich ist, wie sie betont. "Ich bedaure es ganz sehr, dass ich mich wegen der Coronapandemie nicht von allen Kindern und Eltern persönlich verabschieden kann", sagt Petra Wünsch traurig.

Die Stelle der Kindergartenleitung wurde vom Träger neu ausgeschrieben, Interessenten können sich bei der Johanniter-Unfall-Hilfe melden.

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