Die Umzugsodyssee ist zu Ende

Mein Wechselburg Sandra und Heiko Weck fühlen sich in ihrer Gemeinde angekommen und angenommen. Dafür wurden sie sogar Faschingsfans.

Wechselburg.

Als sich Sandra und Heiko Weck 2001 kennenlernten, zog der gebürtige Berthelsdorfer zunächst zu ihr nach Lichtenstein bei Hohenstein-Ernstthal. Einige Zeit später war ihr Zuhause in Dresden, dann in Limbach-Oberfrohna. Des Umziehens immer noch nicht müde, suchten die beiden, deren Tochter damals zwei Jahre alt war, ein Haus zum Selbstausbau auf dem Land. "Der erste, der sich auf unsere Annonce hin meldete, war der Vorbesitzer des Hauses in Wechselburg, in dem wir jetzt wohnen", sagt Sandra Weck. Und sie gibt zu: "Wenn mein Mann nicht Handwerker wäre, hätten wir das Haus wohl nicht genommen." Das war 2012.

Heiko Weck werkelt bis heute an dem Zuhause der Familie. Aber das mache ihm nichts aus, an einem Haus sei ohnehin immer etwas zu tun. "Wenn wir zum Fenster rausschauen, ist da erst unser Garten und dann die grüne Auenlandschaft, dahinter gleich die Mulde. Bei diesem Ausblick sagen wir uns immer wieder, dass wir alles richtig gemacht haben", erzählt der 51-Jährige.


Doch der schöne Ausblick sei nicht alles. Es müsse auch das Umfeld stimmen. "In einem so kleinen Ort musst du mitmachen, sonst hast du verloren", sagt er. Und so ließ sich der Faschingsmuffel schon kurze Zeit nach dem Einzug ins närrische Treiben ziehen. "Eine Nachbarin hatte Karten übrig. Ich bin auch nicht gerade ein Fan von Karneval gewesen, aber seitdem lassen wir kein Jahr aus, gehen oft sogar zweimal", sagt Sandra Weck. Auch bei anderen Partys seien sie gern dabei. "Für so eine kleine Gemeinde ist das Vereinsleben hier topp, und das was da auf die Beine gestellt wird. Es ist ja eigentlich immer was los", pflichtet er seiner Frau bei und zählt Veranstaltungen wie Osterfeuer, Tauziehen über die Mulde und Weihnachtsmarkt auf. "Dieser Ort lebt von seinen Leuten und deren Engagement." Er selbst helfe zum Beispiel bei den Mc Wechselbürgern, den starken Highlandern im Dorf oder bei Sportwettkämpfen gern mit. Auch sonst sei er da, wenn er gebraucht werde. "Umgekehrt erfahren wir ja auch Nachbarschaftshilfe, zum Beispiel wenn der Computer mal wieder leer dreht", sagt die 40-Jährige. Auch wenn keine Hilfe notwendig sei, sehe man sich zu Geburtstagsfeiern oder einfach für ein Bier über den Gartenzaun.

Die inzwischen zehnjährige Tochter Samira hat sich ebenfalls gut in Wechselburg eingelebt, hat hier ihre Freunde, besuchte den Kindergarten und betreibt im Sportverein Leichtathletik. "Nur schade, dass die Schule geschlossen wurde. Samira muss also mit dem Bus nach Rochlitz fahren, obwohl die ehemalige Schule keine fünf Minuten Wegzeit direkt gegenüber unseres Hauses ist", bedauert ihre Mutter. Ansonsten aber loben sie das, was es im Ort alles noch gibt und was anderswo in ländlichen Gebieten schon längst Geschichte ist: Fleischer, Bäcker, Arzt und Tante-Emma-Laden zum Beispiel. "Das alles ist gut erreichbar, zentral gelegen."

Die Gärtnermeisterin, die in einem Malerbetrieb in einem Wechselburger Ortsteil arbeitet, freut sich über den kurzen Arbeitsweg. "So blieb und bleibt Zeit fürs Kind, und gärtnern kann ich ja auf dem Grundstück." Dort grünt und blüht es, auch Obst und Gemüse wächst. Heiko Weck arbeitet selbstständig im Bereich Innenausbau und Montageservice und ist entsprechend viel unterwegs. Um so mehr freue er sich über sein Zuhause, obwohl auch dort immer etwas anliege. Dieses Jahr erst sei die Terrasse fertig geworden, kommendes Jahr will er die Einfahrt bauen. Doch auch wenn er oft nicht gleich aus den Arbeitssachen herauskomme, genieße er die Ruhe, die das Zuhause seiner Familie biete. "Ich habe mich hier festgesetzt, noch einen Umzug wird es nicht geben", ist er sich sicher. "Ja, wir sind angekommen", stimmt ihm seine Frau zu.

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