Ein Klon-Hund und Vögel auf Abwegen

In loser Folge lässt die "Freie Presse" die Zeit seit Januar Revue passieren und ruft Ereignisse aus den vergangenen Monaten in Erinnerung. Heute: Die tierischen Erlebnisse des Jahres.

Rochlitz.

Die Verbindung zwischen Mensch und Tier beschert mitunter die interessantesten Alltagsgeschichten.

Warten auf Marlon: Das Klonen ihres verstorbenen Hundes Marlon lässt sich ein Paar aus Mittelsachsen mehr als 87.000 Euro kosten. Als ihre Englische Bulldogge im Februar einen Routineeingriff nicht überlebte, entschied sich die Familie, ihren Liebling in Südkorea klonen zu lassen. Anfang März nächsten Jahres soll es nun soweit sein, dann möchte die Familie ihren Liebling, der dem Original zum Verwechseln ähnlich sieht, bei sich zu Hause begrüßen. Wie die Familie von der Klon-Firma Sooam Biotech erfuhr, sei der Welpe die erste Englische Bulldogge weltweit, bei der das Klonen gelang.

Patenschaft für Schwarzstorch: Houdini heißt jener Schwarzstorch, der im Oktober vorigen Jahres vom Geyersdorfer Michael Hunger in Großhartmannsdorf völlig entkräftet aufgefunden und eingefangen wurde. Zwei Wochen lang kümmerte sich der Tierfreund um den Schwarzstorch, der offenbar nicht kräftig genug war, um seinen Artgenossen in wärmere Gefilde zu folgen. Houdini wurde von der Polizei und dem Landratsamt beschlagnahmt und zum Storchenhof im sächsisch-anhaltinischen Loburg gebracht. Zwischen Michael Hunger und dem Storch entstand eine ganz besondere Freundschaft. Er besuchte den Schwarzstorch in seinem neuen Zuhause und übernahm die Patenschaft.

Adler fliegt ins Nachbarland: Seit 1992 betreibt der Wolkensteiner Michael Löbel seine Falknerei in Augustusburg. Doch was er im August erlebte, daran wird er noch lange zurückdenken. Normalerweise fliegt bei seinen Vorführungen der Vogel los, dreht seine Runden und landet wieder auf dem Arm des Falkners. Doch an jenem denkwürdigen Tag hatte der Steppenadler anscheinend etwas anderes im Sinn. Es stieg höher und höher in die Luft, bis man ihn nicht mehr sehen konnte. Ausgerüstet war der Adler mit einem GPS-Sender, der normalerweise eine genaue Ortung ermöglicht. Doch der Adler hatte die dazugehörige Antenne abgebissen. Tagelang suchte die Familie den Vogel. Getrieben hatte es den Adler bis nach Pilsen. Von dort, fast 100 Kilometer Luftlinie entfernt, meldete sich ein Förster, der das Tier in seinem Revier fand. Am Bein des Ausgebüchsten war ein Lederriemen befestigt, inklusive Kontaktdaten des Falkenhofes Wolkenstein. Der Förster schickte ein Foto des Vogels an die Falknerei, Michael Löbel erkannte ihn sofort und machte sich auf den Weg nach Tschechien, um seinen Steppenadler wieder einzusammeln.

Pferd ausgebüxt: Ein kurioser Einsatz, der sich um ein Pferd aus Frankenberg drehte, hat im April die Polizei auf Trab gehalten. Kurz vor Mitternacht ging in der Leitstelle der Polizeidirektion Chemnitz die Meldung ein, dass auf der B 173 in der Ortslage Flöha ein Reiter auf einem Pferd unterwegs sei. Als die Einsatzkräfte vor Ort eintrafen, trauten sie ihren Augen kaum: Auf der Bundesstraße trabte tatsächlich ein Pferd in Fahrtrichtung Oederan. Es war stockdunkel, Pferd und Reiter waren unbeleuchtet - eine gefährliche Situation. Bei dem Reiter handelte es sich laut Polizei um einen etwa 20 bis 30 Jahre alten Mann - besondere Kennzeichen: Der Mann ritt barfuß und ohne Sattel. Die Beamten forderten den Reiter auf abzusteigen, doch er galoppierte davon. Die Beamten folgten ihm. Am Falkenauer Berg sprang der Reiter vom Pferd und flüchtete zu Fuß. Die Polizisten nahmen die Verfolgung auf, ohne Erfolg. Der Wallach stammt von einem Bauernhof aus Frankenberg und war als vermisst gemeldet worden. Der Besitzer konnte sein Pferd schließlich abholen.

Wolf sorgt für Aufregung: Im März wurde wischen Chursdorf und Mühlau ein Wolf gesichtet. Große Aufregung herrschte, als sich auf der Autobahn 72 nahe der Abfahrt Niederfrohna ein Unfall mit einem Wolf ereignete. Wie das Kontaktbüro "Wölfe in Sachsen" berichtete, wurden schon mehrere dieser Tiere im Landkreis gesichtet. So wurde am 20. Dezember 2017 ein Wolf zwischen Mittweida und Rossau gesehen. Zuvor, am 17. April 2017, gab es eine Sichtung bei Mochau.

Fledermäuse in der Brücke: Im Zuge der Sanierungsarbeiten am Hetzdorfer Viadukt wurde darauf geachtet, dass sich Bauleute und Fledermäuse nicht ins Gehege kommen. Die Deutsche Bahn hatte deshalb eine Chemnitz/Flöhaer Forschergruppe beauftragt, die Sanierung der Brücke fachlich zu begleiten. Die Fledermaus-Kolonie im Hetzdorfer Viadukt zählte seinerzeit bis zu 120 Tiere. Das Viadukt ist eine sogenannte Wochenstubenkolonie für das Große Mausohr. Das heißt, die Tiere sind hier ganzjährig, paaren sich, bekommen Mitte Juni ihre Jungen und ziehen sie groß.

Bruchlandung im Brombeerstrauch: Einem jungen Graureiher wäre der erste Flugversuch im August fast zum Verhängnis geworden, wenn nicht ein Lauenhainer dem Tier zu Hilfe gekommen wäre. Uwe Frank, gelernter Tierpfleger, hatte lautes Geschrei gehört, als er mit seiner Frau Cordula beim Kaffeetrinken im Garten saß. In kurzen Hosen und Badeschuhen eilte er dem Graureiher, der in einem Brombeerstrauch gelandet war, zu Hilfe. "Der Vogel hat verrückt gespielt und sich immer weiter darin verheddert", erzählte Uwe Frank. Ohne Hilfe, ist der Lauenhainer sicher, wäre der Reiher zugrundegegangen. (mit grün/luka/mbe/ fpe/lkb/fa)

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