Freiwilliger Dienst als Sprungbrett

Abiturienten und Schüler, Arbeitslose und Rentner sehen in den Einsätzen eine Chance, im Leben weiterzukommen. Die Krankenhausgesellschaft LMK vermittelt sie in alle Teile Sachsens.

Rochlitz/Mittweida.

Lust auf eine neue berufliche Perspektive, freie Zeit vor dem Studium oder Arbeitslosigkeit - Gründe für einen Freiwilligendienst, bei dem es für Arbeit im sozialen Bereich nur eine Aufwandsentschädigung gibt, gibt es viele. Genauso unterschiedlich sind die Einsatzstellen, die die kreiseigene Krankenhausgesellschaft LMK dafür bereithält. Denn neben der Klinik in Mittweida, Pflegeeinrichtungen und medizinischen Versorgungszentren betreibt die LMK eine Abteilung für Freiwilligendienste. Melanie Wallukat und ihr Team vom in Rochlitz ansässigen Bereich "Mensch für Mensch" arbeiten dabei mit 130 Einrichtungen zusammen.

2017 waren in Sachsen nach aktuellsten Zahlen 3007 Freiwillige in den Programmen Freiwilliges Soziales Jahr, Freiwilliges Ökologisches Jahr und im Freiwilligendienst aller Generationen tätig. Das teilte die Landesarbeitsgemeinschaft Freiwilligendienste mit. Derzeit absolvieren laut Melanie Wallukat 102 Freiwillige, alle zwischen 16 und 26 Jahren alt, ein Freiwilliges Soziales Jahr über die LMK. Einsatzstellen - von Kliniken über Pflegeeinrichtungen bis hin zu Kitas und Schulen - vermittelt die LMK sachsenweit. Ebenfalls sachsenweit betreut die LMK Plätze für den Bundesfreiwilligendienst. Der richtet sich an alle zwischen 30 und 60 Jahren und wird oft als Wiedereinstieg in den Beruf nach Arbeitslosigkeit genutzt. Der Dienst war 2011 nach Wegfall des Zivildienstes eingeführt worden. 2018 leisteten ihn bundesweit durchschnittlich 41.190 Menschen. Das geht aus Statistiken des Kölner Bundesamts für Familie hervor. Derzeit sind 22 Freiwillige über das Programm der LMK im Einsatz.


Nur zu Einrichtungen in Mittelsachsen, im Erzgebirge und in Chemnitz vermittelt die LMK Erwachsene für den Freiwilligendienst aller Generationen. Der richtet sich an Menschen, die den Beruf wechseln wollen, an Langzeitarbeitslose und an Rentner, die eine neue Aufgabe suchen. 34 Freiwillige hat die LMK derzeit vermittelt. (mit dpa)


Leonie Lautenfeld (19): "Ich will Erfahrungen sammeln und persönlich wachsen"

Bis sie ihr Medizinstudium beginnt, leistet Leonie Lautenfeld aus Rochlitz ein Freiwilliges Soziales Jahr im Mittweidaer Krankenhaus. "Einerseits kann ich damit die Zeit bis zum Studium überbrücken, andererseits in die Arbeitswelt reinkommen", sagt die 19-Jährige, die im vergangenen Jahr in Rochlitz ihr Abitur absolviert hat. "Ich will Erfahrungen sammeln und persönlich wachsen."

In der Notfallambulanz arbeitet sie derzeit täglich acht Stunden. Dienstbeginn ist 7 Uhr. "Unter anderem darf ich beim EKG-Schreiben helfen, Patienten betreuen und helfe auch bei Hygienearbeiten", berichtet sie. Auch bei der Wundversorgung dürfe sie erste Handgriffe unter Aufsicht machen. "Es ist schön, wenn die Menschen einem ein Lächeln zurückgeben und für die Hilfe dankbar sind."

Einblicke in den Klinikalltag sind ihr vor Beginn des Studiums wichtig. "Ich wollte auch die Pflegearbeit kennenlernen, denn damit hat man im Studium und später als Arzt nicht so viel zu tun", sagt die Rochlitzerin.

Im Bereich der Medizin interessiert sich die 19-Jährige vor allem für die Chirurgie und die Neurologie.

Das Freiwillige Soziale Jahr kann sie, wie sie sagt, allen empfehlen. "Es ist gut, um in einen Job reinzuschnuppern und sich an einen anderen Tagesablauf als in der Schule zu gewöhnen. Und mich hat es in meinem Studienwunsch bestärkt." (fpe)


Sven Voigt (39): "Die Arbeit macht Spaß und ich komme unter Leute"

Im Mittweidaer Krankenhaus absolviert Sven Voigt aus Hainichen den sogenannten Freiwilligendienst aller Generationen. Seit Dezember erledigt er dort unterstützende Hausmeistertätigkeiten. "Mir wurde der Freiwilligendienst beim Arbeitsamt empfohlen", berichtet er.

Erfahrung in der Arbeit in sozialen Einrichtungen hat der 39-Jährige bereits. "Ich habe schon Zivildienst in Flöha gemacht und Bundesfreiwilligendienst in Frankenberg geleistet", sagt er.

Zu seinen Aufgaben im Mittweidaer Krankenhaus gehört unter anderem, Betten zu transportieren, die Lüftung zu reinigen, Sauerstoffflaschen für die Intensivstation zu transportieren, den Eingangsbereich der Klinik sauber zu halten und im Außengelände für Ordnung zu sorgen. Im Winter hat er auch Schnee geschippt und Wege gestreut. "Die Arbeit macht mir Spaß und liegt mir."

Für die Zukunft wünscht sich der Hainichener, einen Job im Hausmeister- oder Transportbereich des Krankenhauses zu bekommen. "Ich schnuppere jetzt gerade rein."

Den Freiwilligendienst aller Generationen empfiehlt er, wie er sagt, vor allem denjenigen, denen es schwer fällt, auf dem ersten Arbeitsmarkt eine Beschäftigung zu finden. "Mir tut die Arbeit gut. Ich muss unter Leute und etwas zu tun haben. Deshalb freue ich mich sehr, dass ich im Krankenhaus die Möglichkeit dazu habe", sagt er. (fpe)


Susann Schulze (36): "Es bereitet mir Freude, älteren Menschen neuen Lebensmut zu geben"

Im Altenpflegeheim in Schweikershain hat Susann Schulze ein anderthalbes Jahr lang Bundesfreiwilligendienst absolviert. Die 36-Jährige hatte den Tipp für diese Art der Beschäftigung von der Arbeitsagentur bekommen. "Ich hatte schon Praktika in der Pflege gemacht", sagt die Mutter von drei Kindern, die in Döhlen lebt. Dass die Einsatzstelle nah bei ihrem Wohnort war, findet sie ideal.

Die Arbeit im Altenpflegeheim macht ihr Spaß. "Ich erledige unterstützende Hilfstätigkeiten und wurde von den Kollegen richtig gut eingearbeitet." Dienstbeginn war täglich 6.30 Uhr. Susann Schulze unterstützte am Morgen die Senioren bei der Körperpflege, danach half sie beim Frühstück mit. Anschließend arbeitete sie beim Reinigen und Desinfizieren der Räume mit. Eingebunden war die Bundesfreiwilligendienst-Leistende auch in die Betreuung der Männer und Frauen über den Tag. Ihre wöchentliche Arbeitszeit im Bundesfreiwilligendienst betrug 20,5 Stunden.

Ihr Selbstbewusstsein ist durch die Arbeit gestärkt worden, sagt Susann Schulze. "Das war mein erster richtiger Arbeitsvertrag." Der Kontakt mit den Senioren hat ihr gefallen. "Es bereitet mir Freude, älteren Menschen neuen Lebensmut zu geben."

Seit Februar ist die 36-Jährige bei der Kurzzeitpflege der LMK in Rochlitz angestellt. "Den Freiwilligendienst kann ich jedem empfehlen, der in einer Situation ist wie ich früher." (fpe)

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