Geflügelhalter hoffen auf Normalität

Die Tiere sollen wieder ins Freie dürfen. Eier- und Fleischproduzenten atmen genauso wie Züchter auf. Doch es gibt noch Einschränkungen.

Zschaagwitz/Erlau.

Die Tiere auf dem Geflügelhof Hinkelmann in Zschaagwitz sollen wieder im Freien gackern und schnattern. "Das wird eine Erleichterung für uns und für die Tiere", sagt Inhaber Gerd Hinkelmann nach Aufhebung der allgemeinen Stallpflicht Ende voriger Woche in Sachsen. Rund vier Monate nach dem Ausbruch der Geflügelgrippe in Deutschland hat der Landwirt gestern alles vorbereitet.

Laut Pressestelle des Landratsamtes wird lediglich das Beobachtungsgebiet in und um Flöha noch bis Freitag weiter Bestand haben, da dort Ende Februar ein mit dem Virus infizierter Bussard gefunden wurde. Fünf Untersuchungsergebnisse aus dem Landkreis stehen zudem aus. Gefüttert werden müsse das Geflügel ohnehin weiterhin im Stall.

Hinkelmann hofft derweil, dass bald Normalität einzieht. Durch die Stallpflicht habe er mehr Arbeit und weniger Umsatz, sagt er. Die Eier der rund 5000 Legehennen im Betrieb darf er nicht mehr als Freilandhaltung ausweisen. "Die Verbraucher verstehen das. Die Großabnehmer zahlen aber weniger", fährt Hinkelmann fort.

Das nächste Dilemma bahnt sich beim Nachkauf von Jungtieren an. Hennen werden laut Hinkelmann im Normalfall ersetzt, wenn die Legeleistung unter 90 Prozent sinkt. Auf seinem Hof sollen zudem etwa 600 Enten und 600 Gänse bis zum Herbst Schlachtreife erlangen. Durch die Stallpflicht gibt es derzeit aber weniger Jungtiere und diese sind oft anfälliger als üblich.

Einige Lieferanten aus Frankreich fallen dieses Jahr aus. Dort sind unter anderem große Bestände an Zuchtenten wegen der Vogelgrippe gekeult worden. "Ich weiß noch nicht, wo ich meine Tiere herbekomme", sagt Hinkelmann.

Für Joachim Römer aus Stein sind die kommenden zwei Wochen eine bange Zeit. Zwei seiner weißen Warzenenten, die er seit 48 Jahren züchtet, sind am Brüten. "Ich hoffe, dass was schlüpft", sagt er und verweist auf eine weitere Ente, die zwar zehn Eier hatte, aber aus denen keine Küken schlüpften. Da die Tiere im Stall leben, hatte der Erpel die Eier nicht befruchtet.

Wenn sich jetzt kein Erfolg einstellt, ist, wie Römer bemerkt, "der Zug abgefahren für dieses Zuchtjahr". Und das auch, falls weitere Küken im Jahresverlauf zur Welt kommen. Denn bis zu den Geflügelschauen hätten diese nicht mehr ausreichend Zeit zum Heranwachsen. Die Kreisgeflügelschau findet Ende 2017 in Erlau statt.

Trotzdem gibt es einen Lichtblick. Seit 10. März kann er seine Tiere unter Auflagen draußen halten. "Das Areal musste eingegrenzt werden. Sie durften nicht in den Bach. Wasser zum Baden gab es dennoch täglich frisch aus einem Bottich, aber Trinkwasser", erzählt er.

Der kalte und auch schneereiche Winter habe die Stallpflicht für seine Tiere etwas abgemildert, sagt Wolfgang Ahnert. Der Erlauer züchtet seit 40 Jahren die Hühnerrasse Große Welsumer und Coburger Lerchen, eine Taubenrasse. "Jetzt wird es höchste Zeit, dass sie nach draußen kommen." Das diene der Tiergesundheit, dem Wohlbefinden und gehöre zur artgerechten Haltung.

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