Geringswalde verliert künstlerischen Kopf

Malermeister Gerhard Heinicker ist nach kurzer schwerer Krankheit verstorben. Sein Tod reißt nicht nur eine familiäre Lücke.

Geringswalde.

Gerhard Heinicker hat seinen Kampf gegen den Krebs verloren. Der bekannte Malermeister in Rente starb nach kurzer, schwerer Krankheit am Montagnachmittag. Er wurde 85 Jahre alt.

Tochter Ulla Heinicker trägt schwer am Verlust. "Mein Vater hat noch im Krankenhaus von gestalterischen Ideen und Plänen wie etwa eine Fahrt nach Prag gesprochen." Der einwöchige Klinikaufenthalt habe viel Kraft gekostet. "Letztlich wollte sein Herz nicht mehr", schilderte Ulla Heinicker. Wenigstens seien viele derer, die ihm etwas bedeutet hätten, noch einmal bei ihm gewesen. "Beim Team des Klinikums Döbeln möchte ich mich ausdrücklich bedanken. Ich fühlte mich als Angehörige gut begleitet durch diese schwierige Phase."

Ihr Vater sei einer gewesen, der keine Langeweile gekannt und noch voll im Schaffensprozess gestanden hätte. Was sie doch etwas froh mache, sei der Fakt gewesen, dass sie im Frühjahr Druck gemacht habe, damit die Ausstellung "Vier Mal Heinicker" in der Galerie "Girasole" im Rittergut Ehrenberg noch zustande gekommen sei. In der Schau waren Ende März neben Motiven von Ulla Heinicker und ihrem Sohn Paul auch Arbeiten von Gerhard und seinem im September 2016 verstorbenen Bruder Eberhard Heinicker zu sehen gewesen. In einer Ausstellung zu Pfingsten unter dem Motto "Kunst offen in Sachsen" präsentierte Gerhard Heinicker ein letztes Mal die breite Palette seines Schaffens. "Sein Tod reißt eine familiäre und künstlerische Lücke, von der ich mir momentan nicht vorstellen kann, wie die zu schließen sein soll", erklärte seine Tochter.

Das empfindet Ulf Peters, evangelischer Pfarrer in Geringswalde bis August 2013, und langjähriger Wegbegleiter Heinickers, ähnlich. "Ich werde ihn als väterlichen Freund und exzellenten Gesprächspartner vermissen", sagte Peters. "Gerhard verfügte über ein umfangreiches Wissen über die Verflechtungen ganzer Generationen von Geringswaldern. Und er konnte Geschichten so plastisch, bildlich und mit persönlichen Einfärbungen erzählen, dass ich die vielen Stunden in seinem Atelier in lebhafter Erinnerung behalten werde." Gerhard Heinicker sei keiner gewesen, der seinen Glauben an die große Glocke gehängt hätte. "Ich bin mit mir, meinem Leben und mit meinem Herrgott zufrieden", habe er häufig gesagt. Und mit seinem Ausspruch "Schwamm drüber" sei ihm ein Pragmatismus eigen gewesen, der niemandem etwas nachgetragen hätte. Fehlen würden nun auch viele Tipps zur Sanierung von Gotteshäusern und seine tätige Hilfe.

Gerhard Heinicker wurde am 16.Juni 1933 in Geringswalde geboren und verbrachte seine Kindheit und Jugend in seiner Heimatstadt. 1950 schloss er die Lehre zum Gewerbemaler ab.

Mitte der 1950er-Jahre besuchte er die Handwerkerschule in Weimar und bereitete sich im Abendstudium an der Hochschule für Architektur auf die Meisterprüfung vor. Den Meisterbrief hielt er 1955 in den Händen. Im gleichen Jahr meldete er sein eigenes Geschäft an und führte es bis 2006.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...