Geringswalde will alte Schule loswerden

Für die Stadt ist der Backsteinbau an der Erich-Zeigner-Straße ein finanzieller Klotz am Bein. Erst recht, seit sich der Betreiber des Jugendclubs zurückgezogen hat.

Geringswalde.

Die Stadt Geringswalde möchte sich von ihrer Immobilie an der Erich-Zeigner-Straße 19 trennen. Denn der Verkauf würde die Stadt finanziell deutlich entlasten: Im vergangenen Jahr standen Mieteinnahmen in Höhe von etwa 5000 Euro Ausgaben von rund 11.000 Euro gegenüber. Für das einstige Schulgebäude gibt es laut Bürgermeister Thomas Arnold (parteilos) bereits einen Interessenten. Ein von der Stadt in Auftrag gegebenes Gutachten hat ergeben, dass für das Gebäude samt Grundstück 135.000 Euro verlangt werden können.

Ausgelastet sind die Räume der einstigen Schule schon lange nicht mehr. Das Erdgeschoss, über viele Jahre als Jugendclub genutzt, steht seit September 2016 leer. Der Verein Muldentaler Jugendhäuser zog sich aus der Einrichtung, die auch unter Haus der Vereine bekannt ist, zurück und gab den Betrieb auf. Grund waren gescheiterte Bemühungen, die offene Stelle der Clubleitung zu besetzen.


Derzeit teilen sich der Schachclub, die Geringswalder Ortsgruppe des DRK Rochlitz, die Kanuten und der Verein "Interaktiv" die Räume im Haupthaus. Dahinter und von der Straße abgewandt gehört auch noch ein Flachbau zum Komplex. An dem Gebäude, das aus den 1970er-Jahren stammt, fehlt teils die Dämmung. Außer in einem Raum, den der Geringswalder Heimat- und Kulturverein mit seiner Gruppe "Kreatives Gestalten" nutzt, und Lagerflächen des DRK und Grundschul-Hausmeister Dietmar Goller tut sich nicht viel.

Die Verkaufsverhandlungen seien noch nicht angelaufen, so Arnold. "Interessenten können ihre Angebote sowie ein Konzept, wie die Gebäude künftig genutzt werden sollen, bis 15. Juli in der Verwaltung abgeben." Stünden Käufer und Konzept fest, wolle man sich mit den noch eingemieteten Vereinen verständigen und gemeinsam mit der Bau- und Gebäudeverwaltung nach neuen Räumen für sie suchen, erklärte der Bürgermeister.

Der markante Backsteinbau hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich, wie Aufzeichnungen von Heimathistoriker Matthias Heimann belegen. "Das Gebäude wurde von 1891 bis 1892 errichtet. Bauherr war die Kommune, und bis 1918 wurde die Immobilie als Krankenhaus genutzt", heißt es darin. 1920 bis 1928 habe die Geringswalder Schule an der Erich-Zeigner-Straße Hochbegabte unterrichtet. "Nach deren Auflösung bevölkerten Berufsschüler die Klassenzimmer", so Heimann weiter. "Und etwa Mitte der 1950er-Jahre bis 1991 zog der VEB Stern-Radio Rochlitz dort ein." Nach dem Mauerfall sei das Haus Teil der August-Bebel-Mittelschule geworden, bis diese geschlossen wurde. Unterrichtet worden sei in dem Gebäude noch einmal in der Zeit von 2007 bis 2008, als das Schulhaus am Lutherplatz saniert und ein Ausweichquartier gebraucht wurde.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...